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Aktuelles

16.09.2019

Clearingstelle - Königswege und Alternativen

Freudestrahlend bedankt sich eine Klientin: "Ich konnte meine Schulden von 14.000 auf 800 Euro reduzieren" – ein Erfolgserlebnis für die Sozialarbeitenden der Clearingstelle für nicht krankenversicherte Menschen der Berliner Stadtmission.

Seit fast einem Jahr nimmt sich das Team nun Menschen an, die keine Krankenversicherung (mehr) oder Probleme mit dieser haben. Fachkräfte aus der Wohnungslosenhilfe haben lang dafür gekämpft. Die offenen Ambulanzen für mittellose Menschen erleben mittlerweile einen hohen Andrang, der mit den vorhandenen Ressourcen nicht bedient werden kann: Spezielle medizinische Geräte oder Facharzt Konsultationen sind selten verfügbar.

Mitarbeiterin berät Kunden

„Eine schwere Erkrankung ist immer ein schlimmer Einschnitt ins Leben. Wenn man nicht einfach zum Arzt gehen kann, ist die Verzweiflung umso größer.“, so Louise Zwirner, die Projektkoordinatorin. „Es ist ein sehr gutes Konzept, welches versucht, für alle einen Weg zu finden. Es gibt den Königsweg zurück in die Krankenversicherung und, wenn das nicht gelingt, hat man eine Alternative parat.“ Betroffen sind Erwerbslose oder Personen mit aktuell ungeklärtem Aufenthaltsstatus. Eine weitere große Gruppe sind die ehemals Privatversicherten sowie Rentnerinnen und Rentner.

Netzwerk Gesundheit

Im Clearingprozess werden die individuellen Sachverhalte untersucht und geklärt, welche Optionen bestehen. Wenn der Weg in eine Versicherung verschlossen bleibt, werden nicht nur die Beratungskosten der Clearingstelle, sondern bei medizinischer Notwendigkeit und Bedürftigkeit auch die Behandlungskosten für die erkrankte Person durch die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung übernommen.

Team der Clearingstelle schaut aus dem Büro

Durch die Expertise des Teams können rund ein Drittel der beratenen Personen wieder in den Versicherungsschutz zurück, was ihnen z. B. Facharztbehandlungen, Schuldentilgung oder Krankenhausbesuche ermöglicht.

frau tippt auf Taschenrechner

Weitervermittlungen an Partner wie Krankenhäuser, Praxen sowie Beratungsstellen und Hilfsangebote in- und außerhalb der Berliner Stadtmission tragen darüber hinaus dazu bei, dass der Mensch wieder gesund werden kann. Das Team der Clearingstelle ist sehr dankbar für den wertvollen Austausch und schätzt das wachsende Netzwerk. In einer Arbeitsgruppe wird gemeinsam eine übergreifende Software für die natürlich anonymisierte Erhebung der Gesundheitsdaten der Klienten entwickelt. Ziel ist es mehr über die vorhandenen Krankheitsbilder zu lernen. Auch die Clearingstelle als Pilotprojekt wird begleitend wissenschaftlich evaluiert.

Das erste Jahr Clearingstelle für nicht krankenversicherte Menschen war sehr ereignisreich. Neben Sozialarbeitenden und einer medizinischen Fachangestellten vervollständig seit August auch eine Juristin das stark gewachsene Team, welches nun kompetent für die Kommenden mit all ihren diversen Fragestellungen aufgestellt ist. Auf dieser Grundlage geht die Clearingstelle der Berliner Stadtmission selbstbewusst in das zweite Jahr und setzt sich weiterhin für die Menschen ohne Krankenversicherung in Berlin ein.