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Aktuelles

28.03.2019

„Das Begleitprogramm“

Türschild mit Schriftzug: "Schön, dass du da bist"

Diese Welt zeichnet sich aus durch ihre Vielfalt. Einer bunten Vielfalt im Pflanzen-und Tierreich, als auch bei uns Menschen. Unterschiedliche Haar-, Augen-und Hautfarben, verschiedene Wurzeln und Herkunftsorte, andersartiges Denken, Handeln, Sprechen und Verstehen, vielfältige Speisen, Traditionen und Glaubensrichtungen. Wir stellen in unserem Aussehen, unserem Fühlen und Sein Abermillionen unterschiedliche bunte Punkte dar, welche diesen Planeten bevölkern und einen uns letztlich doch darin, dass wir allesamt Menschen sind. Nutzen wir nun unsere Andersartigkeit, unsere unterschiedlichen Potenziale und unsere Vielfalt dahingegen uns gegenseitig zu unterstützen und voneinander zu lernen statt zu konkurrieren, so können wir unser persönliches als auch gesellschaftliches Leben bereichern – und dabei noch ganz schön viel Spaß gemeinsam haben.

Büroräume des Begleitprogramms

So handhabt es auch „das Begleitprogramm“ der Berliner Stadtmission in Spandau, welches offiziell seit Mai 2017, gefördert durch das Bezirksamt Spandau, Menschen mit Fluchterfahrung oder Migrationshintergrund, sowie einheimische Bewohnende und Ehrenamtliche zusammenbringt und dadurch interkulturellen Austausch im Bezirk fördert und lebt als auch Vorurteilen entgegenwirkt. Stets von Montag bis Donnerstag hat die Beratungs-und Begegnungsstätte in der Streitstraße geöffnet und bietet momentan 318 Teilnehmenden themenspezifische Angebote und Aktivitäten. Hierzu zählen Begleitungen, beispielsweise zu Terminen oder Behörden, Besuche und die Nachbetreuung in Wohnungen, interaktive Alltagshilfen wie die Hilfe bei der Wohnungs-, Ausbildungs-und Jobsuche, außerdem regelmäßiges Sprachcoaching und Nachhilfeunterricht, Musik-und Sportworkshops, Ausflüge sowie an einem Mittwoch im Monat ein interkulturelles Kochen. Mittlerweile sind über 29 Nationen vertreten, welche auf Augenhöhe miteinander agieren und voneinander lernen. Ehrenamtliches Engagement ist dabei flexibel und auch kurzfristig bzw. auf einen kurzen Zeitraum begrenzt möglich, um ganz den Kapazitäten und Bedürfnissen der Mithelfenden gerecht zu werden und statt Überforderung oder einem zu hohen Verpflichtungsgefühl, das Wohlergehen jeder und jedes Einzelnen sowie die Freude im Fokus zu behalten. Nichtsdestotrotz sind viele Ehrenamtliche bereits seit Anbeginn dabei, sie erzählen mir, dass sich verbunden fühlen mit den Menschen, welche sie durch das Projekt kennengelernt haben, dass Freundschaften entstanden sind, mehr noch: eine große bunte interkulturelle Familie.

Junge nascht beim kochen

Und genau das darf ich an diesem Mittwoch auch selbst erfahren, als ich neugierig und ohne jegliche konkrete Vorstellungen nach Spandau fahre, um dem interkulturellen Kochen beizuwohnen. Herzlich werde ich begrüßt, mit offener und freundlicher Neugierde beäugt, mit Fragen und Witzen überhäuft. Ich fühle mich wohl, als wäre ich nicht fremd in der Gruppe, sondern ein willkommener Gast, eine Bekannte. Zwei Gruppen werden zunächst gebildet: Eine, welche durch den internationalen Supermarkt spaziert und einkauft und eine Weitere, welche bereits zur Einrichtung geht, in der später gekocht wird. Hierfür stellt nämlich glücklicherweise das Familienzentrum Villa Nova ihre weitläufigen und schönen Räumlichkeiten zur Verfügung. Bevor ich auch nur abwägen muss, habe ich schon den Kleinsten der Gruppe an der Hand, welcher mich Richtung Supermarkt zieht: Meine Entscheidung, wem ich mich anschließen soll, hat sich also erübrigt. Während die für die heutigen Rezepte Verantwortlichen ausschwärmen und die notwendigen Zutaten zusammensuchen, albert der Jüngste aufgedreht aber liebevoll herum und beaufsichtigt den Einkaufswagen. Eine Ehrenamtliche und ich wiederum helfen einer anderen Frau bei der richtigen Übersetzung und Auswahl der Lebensmittel, tauschen Spartipps aus und suchen die Regale gemeinsam ab.

drei Menschen beim Kochen

Angekommen in der Einrichtung wird gemeinsam gekocht und geschnippelt, Aufgaben werden verteilt, Kochgewohnheiten diskutiert und verglichen, neue Methoden ausprobiert, es wird viel gelacht, gescherzt und Hand in Hand gearbeitet - begleitet von tobenden Kindern und immer neu ankommenden Menschen. Während auf das Essen gewartet wird, ist außerdem ausreichend Zeit für Gesellschaftsspiele, für Gespräche sowie individuelle Bedürfnisse und Belange. Etwa 25 Personen sind heute erschienen und füllen die Villa Nova mit Leben und buntem liebevollem Trubel.

Das Essen ist köstlich und eine weitere bereichernde Lernerfahrung. Es gibt iranisches ‚Olivier‘, eine Art Gemüsekuchen aus geriebenen Kartoffeln, Eiern sowie Gurken, Wurst, Karotten, Paprika, Oliven und anderen Zutaten; außerdem arabischen Reis mit einem roten Bohnen-und Fleischeintopf, einen großen bunten Salat und zum Nachtisch Kekse nach einem somalischen Rezept. Auch das Aufräumen und der Abwasch sind Teamsport und so ist innerhalb einer halben Stunde bereits alles wieder blitzblank und sauber. Herzlich und in tiefer Freude verabschiede ich mich gegen 21 Uhr in der Villa Nova von neu gewonnenen Bekanntschaften und ins Herz geschlossenen nun vertrauten Fremden. Mehrmals werde ich gefragt, ob ich wiederkomme, am besten bereits morgen, mindestens aber zum nächsten Kochen. Der kleine Junge und seine Familie teilen noch den gleichen Heimweg Richtung S-Bahnhof Spandau. Wie an diesem Tag brav gelernt, führe ich noch ein letztes Mal seinen selbst konzipierten Begrüßungs- und Abschiedstanz aus verschiedenen Handschlägen aus und winke nochmals, bevor ich mich schließlich umdrehe.

Ja, hier in Spandau ist definitiv etwas Großes entstanden. „Das Begleitprogramm“ bringt Menschen zusammen, verbindet und überwindet Unterschiede und zeigt auf, wie interkulturelles Leben und Vielfalt unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben bereichern und nachhaltig positiv prägen können.

Lissy Kraft