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Aktuelles

14.03.2017

Die Bühne der Obdachlosigkeit

Züge fahren, eine Mutter ruft nach ihrem Kind, eine Gruppe Fußballfans grölt durch die Hallen des Berliner Hauptbahnhofs. Mittendrin Christoph von Weitzel, ein Opernsänger, der einen Obdachlosen mimt - zu Franz Schuberts "Winterreise". Zusammen mit dem Künstler und der Deutschen Bahn Stiftung führt die Berliner Stadtmission die Kurzoper vergangenen Freitag vier Mal im Zentrum des Berliner Hauptbahnhofs auf. 

Christoph von Weitzel sitzt abgerissen mitten auf einer Bühne im Hauptbahnhof

Die Oper ist eine Welt für sich, in der man die Menschen nicht optimal erreichen kann, findet der Bariton-Sänger Christoph von Weitzel. Deshalb hat er vor ca. zehn Jahren zusammen mit einem Regisseur den Liederzyklus "Winterreise" von Schubert als eine Ein-Mann-Oper inszeniert, in der er selbst einen abgerissenen Obdachlosen/Heimatlosen spielt. Für viele von uns ist der Winter eine gemütliche und besinnliche Zeit. Obdachlose Menschen kämpfen hingegen in dieser Jahreszeit Tag für Tag gegen die Kälte und ums Überleben.

Eine Bühne mitten im Hauptbahnhof

In der halbstündigen Darbietung wird dieser Kampf ums Überleben, aber auch die Einsamkeit sichtbar. Der kalte Wind, der immer wieder durch den Hauptbahnhof durch einfahrende Züge huschte, machte es noch eindrücklicher. Dennoch bleiben sehr viele Menschen stehen und lassen sich auf die Inszenierung ein - von jung bis alt, von vornehm gekleidet bis zu dem Obdachlosen selber. Berührte Gesichter, verstehende Gesichter und sogar Tränen flossen. Die Musik, der Gesang, die gelesenen Bibeltexte verschmolzen zu einem Stück und berührte die Zuschauer.

Texte als Download (PDF, 194 kb)

Christoph von Weitzel als Obdachloser

Am Ende jeder Opernvorstellung standen der Künstler, Vertreter der Stadtmission und der Deutschen Bahn Stiftung sowie Betroffenen zu Interviews bereit. Der Opernsänger erklärt, wie schwierig es sei bei so viel Ablenkung um ihn herum konzentriert zu bleiben. Sein Wunsch an das Publikum ist aber, dass die Leute nicht wegschauen sollen, sondern hinsehen und den bedürftigen Menschen helfen sollen. Wir als Stadtmission ermutigen ebenfalls dazu, als Erstes den Menschen zu sehen und erst im Zweiten vielleicht das dieser kein Obdach, kein Zuhause hat. Seit 1994 versuchen wir deswegen mit unserem Angebot der Kältehilfe und darüber hinaus, diesen Menschen zu helfen.

Wir freuen uns, dass diese Aktion so gut angenommen wurde und viele Interesse zeigten.