Spenden-Button
Button Mission
Button Gästehäuser
Mit Link unterlegter Newsletter-Button

Aktuelles

19.01.2017

Ein Besuch in der Notunterkunft

Es ist Montagmorgen. Majestätisch erhebt sich das riesige, weiße Dach der Traglufthalle der Berliner Stadtmission in der Kruppstraße, welches man schon von Weitem sieht. Ca. 260 Flüchtlinge leben hier in zwei großen Hallen. Schon beim Eintreten in die Notunterkunft nehme ich die freundliche Atmosphäre und entspannte Stimmung war. Dieser Eindruck bestätigt sich, als ich sehr herzlich von dem Team der Unterkunft begrüßt werde. Seit einigen Monaten gehört auch Annemarie Hilt, FSJlerin bei der Berliner Stadtmission, zu diesem Team. An zwei Tagen in der Woche ist sie hier in der Kruppstraße, als eine von ihren drei Einsatzstellen in ihrem Freiwilligenjahr.

Annemarie vor der Notunterkunft in der Kruppstraße.

Heute ist Anne, wie jeden Montag im Housekeeping tätig. Zuerst steht Arbeit im Waschcenter an. Das bedeutet die Wäsche der Bewohner entgegennehmen, und dann die Waschmaschinen und Trockner damit befüllen und später die Wäsche wieder austeilen.

Annemarie im Washcenter.Annemarie im "Waschcenter" der Notunterkunft.

Doch auch sauber machen, Schlafkabinen reinigen, Hygieneartikel auffüllen und so allgemein „herum putzen“ gehört dazu. Aufgaben, die eigentlich nicht besonders viel Spaß versprechen. Doch Annemarie sieht das ganz anders. Denn während dem Arbeiten im Housekeeping hat sie den meisten Kontakt zu den Bewohnern, und das schätzt sie sehr.

Annemarie beim Befüllen einer Waschmaschine.

Aber es gibt noch einen weiteren Grund, warum das Housekeeping zu ihren Lieblingsaufgaben gehört. „Wenn ich Zuhause einen Mülleimer desinfizieren muss, macht mir das keine Freude. Hier ist das aber etwas ganz anderes, denn man hat hier ein cooles Team und viele tolle Menschen um sich, da macht die Arbeit viel mehr Spaß.“ Besonders von Kathi, die von allen nur liebevoll „Mama Kathi“ genannt wird, schwärmt die 20 -jährige, doch auch die Arbeit mit den anderen Mitarbeitern und Praktikanten ist sehr schön.

Der Montag als Lieblingstag

Ab Mittag hilft Annemarie dann auch bei der Sozialbetreuung mit. Da muss sie sich immer wieder „reinhirnen“, denn diese Arbeit ist besonders herausfordernd, da oftmals Sprachbarrieren bestehen und man sich viel auf Englisch verständigen muss. Dazu gehört auch die Begleitung von Asylbewerbern zu den Behörden, Terminvereinbarung mit Ärzten, die Anmeldung auf einen Kindergartenplatz, und allgemeine Hilfe beim Ausfüllen von Formularen. Künftig arbeitet sie auch an einem neuen Impfprojekt für die Bewohner mit.
Manchmal organisiert sie auch eigene Ausflüge, erzählt Anne, „zum Beispiel war ich letztens mit 20 Männern und Frauen in der Philharmonie bei einem Konzert. Alle waren total überwältigt von der tollen Musik, das war richtig schön.“

Montags sei insgesamt einer ihrer Lieblingstage, "da komm ich immer gerne hier her. Vor allem weil ich dann die Bewohner und Mitarbeiter seit fast einer Woche nicht mehr gesehen habe und mich auf die Arbeit freue."

Auf die Frage ob es Aufgaben gibt die ihr eher nicht gefallen muss sie erst mal einen Augenblick überlegen. Dann sagt sie mit einem Schmunzeln: „Nee, eigentlich nicht…“ Zwar sind die Housekeeping-Aufgaben oft anstrengend, machen aber trotzdem viel Spaß. So richtig anstrengend ist hingegen die Kinderbetreuung, in der Annemarie immer dienstags ist, aber gefallen tut ihr diese Aufgabe trotzdem auch.

Annemarie im Mitmachmuseum.

"Vor allem dann, wenn ich für wenige Kinder einen schönen Tag organisieren kann, wie zum Beispiel letzte Woche im Mitmachmuseum für Kinder. Zusammen mit Rebecca (auch eine FSJlerin) waren wir in der Ausstellung Geboren & Willkommen, ein reiner Glücksgriff für die Mädels und Jungs, die dabei waren, da es in dieser ineraktiven Ausstellung um die Pflege von neugeborenen Babys ging, die man mit Puppen spielend testen konnte."

Herzliche Atmosphäre vom ersten Tag an

Ihren ersten Tag in der Notunterkunft hat Annemarie sehr positiv in Erinnerung. „Viele Bewohner haben mich freundlich begrüßt, sich vorgestellt und so gab es schon gleich am Anfang viele interessante Begegnungen mit den Geflüchteten, das war alles sehr spannend. Ich habe mich sofort willkommen gefühlt."

Durch FSJ bestärkt

Ich verlasse die Notunterkunft, die erst kürzlich ihren 2-jährigen Geburtstag gefeiert hat, mit einem überrascht, positivem Eindruck. Ich hätte mir eine viel tristere oder zumindest weniger fröhliche Atmosphäre vorgestellt, doch dem war nicht so. Alle Mitarbeiter, doch auch die Bewohner, die mir in meiner Zeit dort begegnet sind, waren sehr freundlich und man hat regelrecht eine absolut positive und gar heitere Atmosphäre im ‚Ballon‘ wahrnehmen können.

Die Kruppstraße ist definitiv ihre Lieblingseinsatzstelle in ihrem FSJ, sagt Annemarie, "hier wurde ich in meinem Wunsch, soziale Arbeit zu studieren bestätigt." Annemarie wird ab Oktober ein duales Studium der sozialen Arbeit in Stuttgart beginnen.

Interview von Tim Ahlfeld mit Annemarie Hilt, beide FSJler bei der Berliner Stadtmission. Annemaries weitere Einsatzstellen sind der Evangelische Blindendienst, die Kältehilfe und die Stadtmissionsgemeinde St.Lukas.