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Aktuelles

24.10.2017

Ein Zuhause für Obdachlose

Obdachlose im EingangsbereichFoto: Jan-Erik Nord

Schon aus der Ferne sieht man mehrere Obdachlose, die sich auf den Weg zur Bahnhofsmission Zoo der Berliner Stadtmission machen. Man vermutet nun, dass einem in einigen Metern ein strenger Geruch entgegen strömt. Das ist aber gar nicht der Fall. Stattdessen wird man von einer Gruppe wohnungsloser Menschen, die bereits auf das Essen oder ihr Trinken warten vor dem Gebäude empfangen. Von der Gruppe hebt sich eine Frau mit blauer Weste ab, die eine Mitarbeiterin der Bahnhofsmission am Zoo ist. Sie kommuniziert freundlich mit den Obdachlosen, versorgt diese mit Wasser und erklärt ihnen, wann sie ihre nächste Mahlzeit bekommen.

Weste Bahnhofsmission SchriftzugFoto: Maximilian Norrmann

 

Genau das macht unsere Bahnhofsmission aus! Sie ist dafür da, wohnungslosen Menschen an 365 Tagen im Jahr täglich 24 Stunden zu helfen und sie mit Essen und Hygiene zu versorgen, um ihren oft sehr schwierigen Alltag zu erleichtern. Zu jedem Zeitpunkt sind fünf bis 15 Mitarbeiter vor Ort. Die meisten davon sind Ehrenamtliche, es gibt einige Sozialstundenableistende und mindestens einen Hauptamtlichen. Sie helfen bei der Zubereitung und Ausgabe des Essens, beim Sortieren der Essens- und Kleiderspenden, im Hygienezentrum, bei der Beratung und bei der restlichen Versorgung der Obdachlosen. Durch die zentrale Lage ist die Bahnhofsmission Zoo die Hauptanlaufstelle für Wohnungslose in Berlin. Jeder ist in dem Gebäude herzlich willkommen. Das Einzige, was von jedem erwartet wird, ist, dass man sich an einige wenige Regeln hält. Dazu gehört, dass man nur eine Essensmarke nimmt, man sich ordentlich anstellt, anständig verhält und andere nicht durch Lärm belästigt.

Die Räumlichkeiten

Eingang BahnhofsmissionFoto: Jan-Erik Nord

Betritt man das Gebäude der Bahnhofsmission, steht man zunächst neben einem großen Wasserspender, von dem die Gäste den ganzen Tag und die ganze Nacht stilles sowie kohlesäurehaltiges Wasser erhalten. Dafür bringen die meisten ihre eigenen wiederbefüllbaren Flaschen mit. Kaum befindet man sich im Bahnhofmissionsgebäude, kommen auch schon die ersten Essens- sowie Kleidungsspenden, die sofort angenommen, später dann sortiert werden. Da täglich sehr viele Kleidersäcke gespendet werden, gelangen die meisten Stücke nach dem Sortieren durch das Stadtmissionsmobil zur Kleiderkammer in die Lehrter Straße. Viele Obdachlose, die nicht dringend etwas Neues zum Anziehen brauchen, erhalten daher auch einen Zettel für diese Kleiderkammer, auf dem die Mitarbeiter die Wünsche der Gäste eintragen. Dort können sie sich diese selber abholen. 

„Der Ort an dem alles passiert“

Vorbereitungen in der KücheFoto: Anna Junginger

Der nächste und größte Raum der Bahnhofsmission ist der „Ort an dem alles passiert“ (Milena Demski, FSJlerin bei der Bahnhofsmission). Diese große Räumlichkeit beinhaltet Küche und Esszimmer in einem. Dort bereiten die Mitarbeitenden jeden Vormittag das Essen vor. Täglich werden Brötchen geschmiert und belegt, die fünf bis acht Kisten füllen. Des Weiteren werden Essensspenden von Privatpersonen, aber auch Unternehmen aufgewärmt und für die Obdachlosen bereitgestellt. Da jeden Tag die unterschiedlichsten Spenden eintreffen, ist eine gewisse Spontanität der Mitarbeiter von Nöten. Das heißt: Jeden Tag werden den wohnungslosen Menschen die unterschiedlichsten Mahlzeiten serviert.

EssensausgabeFoto: Jan-Erik Nord

Täglich gibt es drei einstündige Essensschichten: um 14 Uhr, 15.30 Uhr und 17 Uhr. Jeweils eine Viertelstunde vorher erhalten 50 Wohnungslose eine Essensmarke. Mit dieser erhalten sie Einlass und können sich in eine zweite Schlange vor der Essensausgabe aufstellen. Dort können sie sich zunächst Brötchen für den restlichen Tag nehmen. Für die richtige Mahlzeit darf sich jeder Gast ein Produkt aus dem Kühlschrank aussuchen (Salat, Joghurt, usw.), erhält etwas Warmes, je nach Lieferung und darf sich dann noch Obst und Gebäck aussuchen. Außerdem kann man noch Kaffee oder Tee bekommen. Jeder, der sein Essen bekommen hat, kann sich an einen der zehn Tische setzen: Für jeden gibt es einen Platz. Denen, die es nicht alleine schaffen, wird Hilfe vom Personal geboten. Sollte es noch freie Plätze geben, kann die Küche entscheiden, ob noch bis zu 15 weitere Obdachlose eingelassen werden. Zwischen den Essensschichten haben die Mitarbeiter Zeit das Essen noch mal aufzubereiten und sich auf die nächste Schicht einzustellen.

Beim Essen in der BahnhofsmissionFoto: Jan-Erik Nord

„Nein sagen fällt mir am schwersten.“

Spenden sortierenFoto: Anna Junginger

Dieser Ort ist für viele Menschen wie ein Zuhause, in dem es warm ist und man Essen bekommt. Milena Demski (18) ist seit September FSJlerin bei der Berliner Stadtmission und arbeitet bei der Bahnhofsmission am Zoo. Bereits an ihrem ersten Arbeitstag hat sie dort sehr viel Leid gesehen, aber auch gemerkt, dass eine große Hilfsbereitschaft der Mitarbeiter vertreten ist. Außerdem war sie positiv überrascht, dass der Zeitplan konsequent eingehalten wird und die meisten Regeln befolgt werden. Zu Milenas Lieblingstätigkeit in der Bahnhofsmission gehört der direkte Kontakt mit den Bedürftigen, wo sie sieht, dass Hilfe wirklich möglich ist und man „[…] ein Lächeln verbreiten kann“. Außerdem gefällt ihr, dass die Einsatzstelle sehr vielfältig ist und aktive Hilfe möglich ist. Dabei ist es jedoch eine große Herausforderung, zu erkennen, wer wirklich welche Art von Versorgung und Hilfe benötigt: „Nein sagen fällt mir am schwersten.“. Daher müssen die Mitarbeiter konsequent handeln.

Es gibt noch mehr zu sehen.

Lagerraum BahnhofsmissionFoto: Jan-Erik Nord

Im weiteren hinteren Teil der Bahnhofsmission befindet sich noch die kleine Kleiderkammer, die nur für Notfälle gedacht ist. Am gefragtesten sind Jacken und Taschen, die jedoch nur in einer kleinen Zahl vorhanden sind. Im nächsten Flur gibt es drei Gästeräume, in denen Wohnungslose nur in ganz dringenden Fällen übergangsweise schlafen dürfen. In den Lagerräumen daneben werden die zahlreichen Spenden sortiert und frisch gehalten.

Beim Verlassen des Bahnhofsmissionsgebäudes fallen einem auf der gegenüberliegenden Seite des Bürgersteigs Blumen und Kerzen sowie Namen und Daten ins Auge. Sie bilden eine ca. 2 qm große Gedenkstätte für verstorbene Obdachlose. Die Obdachlosen sind hier bekannt, kommen teilweise seit Jahren und hatten ihre ganz eigene Geschichte, an der sie die Mitarbeiter etwas teilhaben lassen. Ein Stück weiter liegt das Hygienezentrum der Stadtmission. Im Zeitraum von 10 bis 18 Uhr stehen jedem saubere Duschen und Toiletten sowie frische Handtücher, Socken und Unterwäsche zur freien Verfügung. Außerdem kommt einmal wöchentlich ein Friseur ins Haus. 

Bahnhofsmission GedenkstätteFoto: Anna Junginger

All das macht die Bahnhofsmission am zoologischen Garten in Berlin für viele Menschen zu einem Ort, an dem sie sein dürfen und auf ihre Bedürfnisse eingegangen wird. Viele wohnungslose Menschen kommen täglich und sind für das Angebot sehr dankbar. Dirk (41) lebt zum Beispiel schon lange auf der Straße und kommt seit 2005 jeden Tag, meistens zu den Essenszeiten, oft aber auch für einen Besuch des Hygienezentrums. Auch wenn das Leben aus der Straße viele Menschen verändert und traurig macht, Dirk kommt täglich gut gelaunt zur Bahnhofsmission und versucht andere Besucher sowie Mitarbeiter mit seinen Witzen und Späßen zu belustigen. Er hat bereits einige Hilfsangebote der Berliner Stadtmission in Anspruch genommen und vielleicht kommt irgendwann mal der Tag, an dem er unsere Hilfe nicht mehr nötig hat.

Anna Junginger besuchte Milena Demski für einen Tag in unserer Bahnhofsmission am Zoo und erlebte die Arbeit live mit.