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Aktuelles

11.04.2017

Gedanken zum Karfreitag

Kein Jesus, der vom Kreuz herabsteigt.

"Anderen hat er geholfen, aber sich selbst kann er nicht helfen", sagten sie spöttisch einer zum anderen.

"Der Messias will er sein, der König von Israel! Soll er doch jetzt vom Kreuz herabsteigen! Wenn wir das sehen, werden wir an ihn glauben."
Markusevangelium 15,31b-32

Karfreitag wird der Kreuzigung und des Todes Jesu gedacht. Manchmal frage ich mich dann: Wollen wir einen Jesus, der vom Kreuz herabsteigt? Nein, ganz sicher nicht, denn am Kreuz hat Jesus die Erlösung der Menschen von ihrer Schuld erwirkt, so würden die meisten Christen wohl antworten.
"Jesus, steig herab vom Kreuz!“ Die Menschen, die das unter dem Kreuz riefen, wollten über Jesus spotten und seine Ohnmacht bloßstellen. Aber ich ahne, es gibt auch ein solches "Steig herab!“, das scheinbar ganz gläubig daher kommt.

Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren. Jesus am KreuzAusschnitt aus Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren "Kreuzigung Christi" 1503


"Jesus, steig doch herab vom Kreuz! Wie kannst du Menschen, die dich ablehnen, bis heute so triumphieren lassen über deine sanfte, dezente Unsichtbarkeit? Du wirkst doch ganz schwach, wenn du nicht deine Kraft beweist! Tu Wunder, so dass ich weiß, du bist der Sieger und dir voller Zuversicht folgen kann!"

Und es gibt verzweifelte Fragen.
"Jesus. Wie kannst du nur so zerbrechlich und sterblich, so wehrlos und zart sein, so geschüttelt von Schmerzen, ein Opfer? Wo ist denn deine Macht? Wo ist denn deine Macht in dieser Welt? Wo ist denn deine Macht in meinem Leben? Jesus, steig doch herab vom Kreuz!“
Es gibt Zeiten der Dunkelheit im Leben, die sind so tief und schwer, dass wir sie kaum ertragen können. Und es gibt Dunkelheit, die ist so tief, dass wir sie nicht ertragen können. Dass wir es wirklich nicht können.

Und Jesus steigt nicht herab vom Kreuz und tut kein Wunder.
Und dennoch tut er das Entscheidende. Er trägt am Kreuz unser Leid und unseren Schmerz mit uns. Er weicht nicht aus. Und er trägt unsere Schuld und unsere Scham.
Das ist wohl das größte Wunder, denn es bedeutet:
Nicht nur Wunder bringen uns Jesus nah.
Auch das Ausbleiben von Wundern bringt uns Jesus nah.
Nicht nur das Leben bringt uns Jesus nah.
Auch das Sterben bringt uns Jesus nah.
Nicht nur das Aufblühen, sondern auch das Verfallen.
Wenn wir Jesus nur deshalb folgen, weil wir Siege wollen oder um jemandem zuzujubeln, der es allen mal so richtig zeigt, dann werden wir enttäuscht. Denn Gottes Macht zeigt sich am Kreuz in Jesu Ohnmacht.

Wir kennen unsere Zukunft nicht. Aber wir wissen das Entscheidende: Jesus ist immer bei uns. Immer.

Andrea Völkner
Stadtmissionarin in Lichtenberg