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Aktuelles

02.01.2020

Gedanken zur Jahreslosung 2020

Ein klarer Spätsommertag in Berlin, ein Abendspaziergang an der Spree bei untergehender Sonne. Vor einer großen Glasscheibe bleibe ich stehen. Da ist klar und deutlich der Berliner Dom zu sehen. Das Gebäude spiegelt sich in der Scheibe. Ein schöner Abglanz von dem, was drüben auf der anderen Seite der Spree greifbare Wirklichkeit ist. Wäre es ein regnerischer Tag, wäre es dunkel und trüb oder die Scheibe verschmutzt, gesprungen oder verkratzt, würde ich weiter weg stehen von der Scheibe und hätte diesen Blickwinkel nicht, ich könnte das beeindruckende und schöne Bild nicht so wahrnehmen.

Regenbogen mit Jahreslosung

So geht es mir manchmal im Glauben. Es gibt Momente, da staune ich, wie sich die Schönheit Gottes in meinem Leben widerspiegelt und etwas von seinem Glanz auf mein Leben fällt. Aber da waren die Momente in meinem Leben, wo ich Zweifel hatte. In denen ich frage: Angesichts dessen, was gerade passiert, wo ist da der Gott, der es gut mit mir meint? Ist dieser Gott Wirklichkeit, die für mich da ist oder ist das, was ich glaube, eine Fata Morgana, eine Luftspiegelung in der Wüste, weit weg und nicht greifbar?

Das Markusevangelium erzählt von einem Vater, der mit dem Schicksal seines Sohnes ringt. Dieser hat „einen sprachlosen Geist“. Was die Bibel von dem Jungen beschreibt erinnert an epileptische Anfälle. Damit muss die die Familie seit Jahren leben, es scheint keine Hilfe dafür zu geben. Hoffnungsvoll hat sich der Vater an die Jünger Jesu gewandt, aber auch die konnten nichts tun. Nun ist Jesus die letzte Hoffnung dieses Vaters. Seine ganze Verzweiflung und Sehnsucht nach Heilung und Veränderung legt er in die Worte: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9,24, die Jahreslosung 2020)

Blick auf Glasscheibe, die Dom spiegelt

Mich beeindruckt dieses Bekenntnis. Da ist jemand, der trotz der Trübungen und Dunkelheit, die die verzweifelte Situation seines Sohnes mit sich bringt, sein Vertrauen auf Jesus setzt und glaubt, dass es Möglichkeiten der Rettung gibt. Es ist wie ein Gebet, das gerade dadurch seine Kraft bekommt, weil es trotz der Verzweiflung des Lebens am Vertrauen zu Gott festhält. Jesu Jünger hatten diese Art von Gebetsvertrauen vorher offenbar nicht gewagt.

Im Leitbild der Berliner Stadtmission steht der Satz: „Der christliche Glaube ermutigt uns, über Grenzen hinaus zu denken und zu handeln.“ Es fällt mir oft schwer, nicht an dem Vordergründigen hängen zu bleiben, sondern den Blick auf die viel größere Wirklichkeit Gottes zu richten, die mir neues Vertrauen und neue Perspektiven auf mein Leben geben kann. Wenn Paulus im Hohelied der Liebe in 1. Korinther 13 schreibt: „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild, dann aber von Angesicht zu Angesicht,“ dann kommt darin die vertrauensvolle Hoffnung zum Ausdruck, dass wir es eines Tages nicht mehr nur glauben, sondern Gott schauen werden und sein Glanz unser manchmal getrübtes Leben ganz erhellen wird. 

Ich wünsche uns für das beginnende neue Jahr 2020 das trotzige Gebetsvertrauen aus der Jahreslosung, das damit rechnet, dass Gott auch schon im Hier und Jetzt heilsam in unser Leben eingreift.

Gottes Segen für 2020 wünscht Ihnen
Lorenz Bührmann
Stadtmissionar in Tegel