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Aktuelles

21.11.2018

Mein Tag im Café Refugio

Es ist Montagmorgen. Ich mache mich mit meiner Mitbewohnerin und Kollegin Anno auf den Weg ins Refugio in Neukölln. Das Haus bildet einen Ort für Geflüchtete und Einheimische, in dem sie gemeinsam wohnen, leben und arbeiten können. Zu der kreativen Wohngemeinschaft gehört das Café, indem wir einmal in der Woche arbeiten.
Wir freuen uns schon auf den Tag und auf die vielen verschiedenen Menschen, denen wir bei dieser Arbeit nicht nur Kaffee machen, sondern auch begegnen werden.

Blumen und Kaffee

Die S3, S5, S7 oder S9 bis Jannowitzbrücke, dann umsteigen in die U8 bis Schönleinstraße und ein paar Meter Fußweg. Im Refugio angekommen wird zuerst das gemacht, was gerade ansteht. Kurz den Boden wischen für die nächste Veranstaltung, Getränke und Geschirr holen oder beim Catering helfen. Einfach kurz mit Anpacken, sodass alles reibungslos über die Bühne geht und wir unsere eigentliche Arbeit beginnen können.
Haben wir noch Zeit etwas zu backen? Ich denke schon. Siri, zeig mir ein gutes Rezept für Bananenbrot. Anno geht kurz einkaufen, ich halte mit einem weiteren Mitarbeiter die Stellung. Zutaten werden vermischt und Teig genascht. Ab in den Ofen.
Nun ist es endlich an der Zeit, das bezaubernde Café zu öffnen. Kaffeemaschine und Kühlschrank an, Teelichter und Lampen zum Leuchten bringen. Stühle und Tische nach draußen stellen, Kissen aufschütteln. Musik an, Tür auf.

Kaffee und Kuchen
Sophie macht Kaffee im Refugio

Eine entspannte Atmosphäre entsteht und es riecht nach frischem Kaffee. Später kommt der Duft des Kuchens hinzu und das Erlebnis für Augen und Geschmacksnerven ist vollendet. Ab 10 Uhr kommen die ersten Kaffeegourmets. Americano, Flat White, oder doch lieber einen Chai Tea Latte? Alles kein Problem. Doch nun die Königsdisziplin - der Milchschaum. Langsam aber sicher wird sogar dieser so, wie er sein soll und wir schaffen es immer öfter, etwas auf den Kaffee zu zeichnen. Ein unbeschreibliches Gefühl, glaubt mir. Was wir zunächst nur mit Spülmittel und Wasser geübt haben, klappt jetzt sogar mit der etwas widerspenstigen Hafermilch.
Auch unsere sprachlichen Kompetenzen werden immer wieder gefordert. Wir sprechen im Laufe des Tages nicht nur Deutsch und Englisch, sondern auch das allseits bekannte Hand- und Fußisch.
Allmählich wird es ruhiger in der Lenaustraße 4. Das letzte Stück Bananenbrot und der letzte Kaffee sind verkauft. Der Tag neigt sich dem Ende zu.

Es ist Montagabend. Anno und ich beenden unsere Schicht. Kaffeemaschine aus, Tische abwischen, Teelichter auspusten. Tschüss, bis nächste Woche. Musik aus, Tür zu. Die U8 bis Jannowitzbrücke, dann die S3, S5, S7 oder S9 zum Hauptbahnhof. Die letzten Meter zu Fuß nach Hause. Einer dieser Tage, an denen man mit einem Lächeln im Gesicht einschläft.

Sophie Hilt, FSJlerin