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Aktuelles

07.07.2020

Moab

Neben Reisenden und FSJlern, wohnungslosen und geflüchteten Menschen wohnen auf dem Gelände der Berliner Stadtmission nahe des Hauptbahnhofs auch mehrere Studierende auf drei Stockwerken verteilt. Das Wohnheim "Moab" ist nicht nur ein normales Studentenwohnheim, sondern eine Gemeinschaft. Ein Bericht aus Coronazeiten macht dies deutlich:

Studentin zündet Kerzen an

"Eine Pandemie hält unsere Gemeinschaft nicht auf. Eine Pandemie verfestigt unsere Gemeinschaft sogar noch einmal, lässt sie ihre Fühler ausstrecken, aufblühen, Rituale finden. Moab sind wir, Moab bleiben wir." In der Krisensituation zeigt sich nun seit schon so einigen Wochen sehr gebündelt wie kreativ wir als Mitbewohner sind. Anfänglicher, noch deutlich größerer Unsicherheit, wie das Ausmaß der Notsituation sein wird, begegneten wir mit einem Einfall, dessen wunderschöne Atmosphäre vielen von uns sicherlich noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Weil sich ein Bewohner sicherheitshalber in Quarantäne begeben hatte, wohl aber auch weil dies uns einfach sicherer und angebrachter erschien, verlegten wir unsere wohnheimsinternen Andachten kurzerhand auf die metallene Feuertreppe vor unserem Haus. Die Treppenstufen gesäumt mit allerlei Kerzen für die Liedblätter, in Decken gehüllte Bewohnerinnen und Bewohner auf die Etagen verteilt, so durften wir weiterhin das Geschenk erfahren, zu unserem Gott zu singen. In einer Gemeinschaft, deren Zusammenhalt man sich sicher sein kann.

Crunchies & Meditation schaffen Gemeinschaft

Für viele Studierende gab die neue, gemeinsame Struktur eine Sicherheit in den vergangenen Wochen, in denen vieles unklar war - im Studium und auch in anderen Lebenssituationen. Eine eingefleischte Gruppe findet sich regelmäßig zu abendlichen Meditationen ein. Klangschale und Ruhe, von stressigen Uni-Alltagen im Gepäck, wird Stille in Moab mit großer Wertschätzung zelebriert. Die Boxen beben jedoch auch mitunter täglich, wenn sich eine zunehmend wachsende Gruppe an Sportfanatikern zu füreinander vorbereite Sporteinheiten trifft. Crunchies, Klimmzüge, gegenseitiges Anfeuern, nichts scheint da zu fehlen. Überhaupt ist die Stimmung überraschend großartig. Unsere drei Stockwerke Zuhause sind in einem regeren Austausch als vielleicht je zuvor. Hier und dort wird zusammen gekocht, draußen in der Sonne Kaffee geschlürft oder sich im Biergarnitur-Homeoffice zufrieden angeschwiegen.

Kuchen und Abschlusshut

Doch nicht genug, Spezialevents halten uns bei Laune. Klar, wie alle anderen Studenten Berlins müssen wir Abstriche machen, aber wir haben einander. Einander heißt hierbei beispielsweise angehende Meisterköche, die ihre Mitbewohner gerne bewirten. Unsere in den Kinderschuhen steckenden Gemeinschaftsräume leuchten dann mit Lichterketten und Freude am Beisammensein gesäumt. Oder ein Bachelor wird gefeiert und mit einer Eurovision-Liveübertragung die Europäische Idee zelebriert. All das wohnheimsintern - mit dem Wohnheim als ein Haushalt, indem man sich ohnehin begegnet - versteht sich.

Gartenarbeit und Sorgen teilen

Gemüse aus dem Garten

Auch nach der Krise, wenn das Leben sich wieder mehr außerhalb der Lehrter Straße 68 abspielen wird, werden wir sicherlich viele der neuen Impulse in der Gemeinschaft fortführen. Was aber auf jeden Fall bleibt, ist unser umgezogener Garten, der nun aus den aufpolierten Hochbeeten und einem echten, kleinen Acker besteht. Rhabarber, Erdbeeren und Kartoffeln gedeihen somit in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof. Der erweiterte Garten hat einen Tag großen Einsatz erfordert, ist nun so etwas wie ein gemeinsames Haustier, das uns immer wieder zusammenbringen wird.

Natürlich gibt es auch im Wohnheim mal Kummer und Sorgen, Frust über die Änderungen, die sich unseren Leben so schnell vollzogen haben. Als eine christliche Gemeinschaft haben wir jedoch die wahnsinnig privilegierte Möglichkeit beim Schopfe gepackt und als der eine Haushalt, der wir nun einmal sind, Gottesdienst gefeiert. Recht regelmäßig erklangen Lobpreislieder, Predigten von unserem angehenden Pfarrer Konstantin und Gebete. Eigentümlich war das, Gottesdienst im Flur oder draußen auf dem Rasen zu feiern, aber feierlich und ein Punkt, an dem sich viele sichtlich mit der Situation und Gott versöhnen konnten.

Altar im Grünen

Getoppt wurde die Stimmung der Dankbarkeit für Gottes gute Taten, als wir doch tatsächlich in die Situation kamen mit einer Gruppe von über zehn Personen Ostern feiern zu dürfen. Die Sonne strahlte passenderweise als würden Himmel Erde Gott zujubeln und der anschließende Osterbrunch mag alle anderen der Republik in den Schatten gestellt haben.

Marwin, Student des Studierendenwohnens "Moab"