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Aktuelles

16.09.2019

Nummer ziehen, warten… Amt?

Nummer ziehen, warten… - man könnte denken, wir sind hier aufm Amt. Sind wa nich! Wir sind in der Kleiderkammer der Berliner Stadtmission in der Lehrter Straße. Neben der Großküche und hinter der Ambulanz für obdachlose Menschen befindet sich der Ort, an dem täglich bis zu 70 Menschen mit Kleidung versorgt werden.

Mitarbeiter gibt Kleidung aus

Drinnen im Warteraum wie draußen vor der Tür warten Leute auf ihre Nummer. Beim Warten wird gescherzt, geschwiegen und geraucht. Ab und zu wird es lauter, wenn jemand mit einer tollen Jacke aus der Kleiderkammer kommt oder irgendwer sich beleidigt fühlt. Sobald man aufgerufen wird, geht man am Tresen vorbei durch schmale Gänge und Räume, die mit allerlei Kleidung voll gepackt sind.

Mitarbeiter sucht Schuhe heraus

In die Kleiderkammer kommen Leute, die wenig haben. Wer auf der Straße lebt, darf sich einmal die Woche anstellen, alle anderen einmal im Monat. Jeder darf bzw. muss sich selber etwas heraussuchen. Für die meisten ein Segen, manchen fällt das aber schwer. Doch es soll dabei helfen Individualität, Selbstwertgefühl und Selbstständigkeit zu fördern. Neben der bloßen Vergabe von Kleidung, können durch Gespräche mit den Mitarbeitenden und durch den Standort wichtige Kontakte geknüpft werden.

Genauso wie die Gäste sind auch die Mitarbeitenden sehr vielfältig, denn die Kleiderkammer gehört zu Komm & Sieh, dem Integrationsunternehmen der Berliner Stadtmission. So arbeiten zum Beispiel Menschen mit Behinderungen und noch oder ehemals Obdachlose teils ehrenamtlich mit.

Atempause

Da ein Großteil der Gäste wohnungs- bzw. obdachlos ist, hören die Mitarbeitenden hier oft von schweren Schicksalen. Um diese zu verarbeiten und zu besprechen, nehmen sie sich regelmäßig Zeit für Besprechungen und Teambuilding-Maßnahmen. Neben dem Rückhalt im Team gibt vielen auch der christliche Glaube genügend Kraft, um die Arbeit zu leisten.

Andacht vor der Kleiderkammer

So findet seit einigen Wochen unter dem Motto Atempause eine Andacht vor der Kleiderkammer statt. Immer donnerstags kommen alle Mitarbeitenden um 12 Uhr nach draußen und auch Wartende schließen sich dem an. Außerdem kommen andere Stadtmissions-Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vom Campus sowie der ein oder andere interessierte Gast des Jugendgästehauses dazu.

Es wird gebetet, gesungen und ein Segen gesprochen - natürlich mehrsprachig. Oft helfen Mitarbeitende oder Gäste aus, um alles auf Deutsch, Englisch, Polnisch, Russisch und Rumänisch zu lesen. Das Zeichen ist klar! Wir sind alle Gottes Geschöpfe, egal wie viel Geld wir in den Taschen haben und welche Herkunft uns unterscheidet. Auch jene, die mit dem Glauben wenig am Hut haben, können die Zeit nutzen, um durchzuatmen und zur Ruhe zu kommen.

Ferdinand Jeutner
FSJler der Berliner Stadtmission 2018/19