Spenden-Button
Button Mission
Button Gästehäuser
Mit Link unterlegter Newsletter-Button

Aktuelles

30.10.2017

Oper für Obdach

Fremd, frierend, ausgestoßen, krank, zwischen Depression und Illusion schwankend, aber manchmal mit einem Rest von Hoffnung - das sind Lebenserfahrungen von Obdachlosen im Winter. Genau das greift "Oper für Obdach" auf und inszeniert eine Kurzfassung des Liederzyklus „Winterreise“ von Franz Schubert (Text: Wilhelm Müller). Zwischen den Geräuschen von fahrenden Zügen, schreienden Kindern und grölenden Fußballfans findet die 30-minütige Vorstellung am 3. November je um 11, 13, 15 und 17 Uhr im Erdgeschoss des Berliner Hauptbahnhofs statt.
Sehenswert. Der Eintritt ist frei.

Christoph von Weitzel liegt auf der Bühne

Ziel der Kunst-Performance im öffentlichen Raum ist es, pointiert auf die zunehmend dramatische Situation von Obdachlosen in Berlin (und Deutschland) aufmerksam zu machen und zur Beteiligung an Hilfsprogrammen und Lösungen zu motivieren.

Christoph von Weitzel beim darstellenden Spiel

Schon im März fand die besondere Kurzoper im Hauptbahnhof statt. Die Aufführung schildert in erschütternder Weise, was mit einem Menschen geschieht, wenn er, von anderen ausgegrenzt, nur noch allein sich selber und seiner Einsamkeit ohne Schutz ausgesetzt ist. „Es ist mir ein großes Anliegen, dass Kunst relevant wird und sie als Instrument zur Anregung von Bewusstseinsprozessen und gesellschaftlichen Veränderungen wirken zu lassen“, erklärt der international renommierte Bariton Christoph von Weitzel.

Die Oper ist eine Welt für sich, in der man die Menschen nicht optimal erreichen kann, findet der Bariton-Sänger. Deshalb hat er vor ca. zehn Jahren zusammen mit einem Regisseur den Liederzyklus "Winterreise" von Schubert als eine Einmannoper inszeniert, in der er selbst einen abgerissenen Obdachlosen/Heimatlosen spielt. Für viele von uns ist der Winter eine gemütliche und besinnliche Zeit. Obdachlose Menschen kämpfen hingegen in dieser Jahreszeit Tag für Tag gegen die Kälte und ums Überleben.

Die Lieder der Winterreise werden durch wenige kurze Texte aus der Bibel aufgegriffen und weitergeführt, die die Lebenserfahrung von Obdachlosen teilen und bei den Zuschauern Betroffenheit wie Handlungsimpulse verstärken. An die Aufführungen schließt sich jeweils ein etwa 5-minütiges Interview mit Vertretern der Deutschen Bahn, der Berliner Stadtmission und einem Betroffenen an. Der Opernsänger erklärt zusätzlich, wie schwierig es sei bei so viel Ablenkung um ihn herum konzentriert zu bleiben. Sein Wunsch an das Publikum ist aber, dass die Leute nicht wegschauen sollen, sondern hinsehen und den bedürftigen Menschen helfen sollen.

Wir als Stadtmission ermutigen ebenfalls dazu, als Erstes den Menschen zu sehen und erst im Zweiten vielleicht, dass dieser kein Obdach, kein Zuhause hat. Seit 1994 versuchen wir deswegen mit unserem Angebot der Kältehilfe und darüber hinaus, diesen Menschen zu helfen.