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Aktuelles

29.05.2017

Radtour fürs Pflegezimmer geht weiter

Nach einem Jahr Pause geht es für Jörg Köttig weiter (wir berichteten von seiner Tour). An dem Punkt der Strecke, wo er im letzten Jahr abbrechen musste, soll es jetzt weitergehen. Das Ziel steht fest: Ab dem 1. Juni möchte Jörg innerhalb von vier Wochen über 1500 Kilometer fahren und Santiago de Compostella erreichen. Mit der Fortsetzung der Radtour will der 45-Jährige seinen Jakobsweg beenden und die Arbeit im Pflegezimmer unserer Ambulanz für Obdachlose unterstützen.

Jörg Köttig in der Ambulanz

In Taizé geht die Radtour weiter. Dort trifft Jörg gute Freunde wieder, bereitet sich auf den Jakobsweg vor und reflektiert noch einmal die Arbeit im Pflegezimmer der Ambulanz und die Gespräche, die er mit Patienten geführt hat. So wie bei der Dame, die er zuletzt begleitet hat.

Mit 71 Jahren auf der Straße, kein Kontakt zu Verwandten und schon seit mindestens zehn Jahren an das Straßenleben gewohnt. Vor einigen Wochen kam sie zunächst in die Ambulanz. Verwahrlost und erkennbar am beißenden Geruch. Sie ließ sich schon dort trotz Bemühungen nicht zur Körperpflege und anschließenden Behandlungen überreden – sie blieb stur. Aus Scham oder aus Angst – irgendwas hielt sie davon ab, sich helfen zu lassen. So verließ sie die Ambulanz ohne die nötige Behandlung wieder. Auch ein Nein müssen wir akzeptieren – so schwer es manchmal ist.

Eine Woche später kam sie wieder. Nach einem längeren Gespräch ließ sie sich letztendlich doch von uns helfen und in das Pflegezimmer vermitteln. Nach wiederholtem Widersetzen und der Ablehnung gegenüber der Wundversorgung im Pflegezimmer ließ ich sie zunächst allein und in Ruhe schlafen. Das ist das, was die meisten machen, wenn sie in unser Pflegezimmer kommen: erst einmal ordentlich ausschlafen.

Nachdem ich am nächsten Tag erneut mit ihr ins Gespräch kam und ihr aufmerksam zuhörte, fasste sie schließlich Vertrauen zu mir und ließ sich versorgen. Während der Behandlungen in der Ambulanz und im Pflegezimmer sah man, dass diese wirklich wichtig und notwendig waren. Die Frau hatte viele offene und entzündete Wunden an den Beinen, die ihr große Schmerzen bereiteten.

Ab diesem Tag saß sie pünktlich zu meiner Ankunft schon fertig am Bett, auf mich wartend. Sie nutzte die Zeit im Pflegezimmer gut. Die Mobilen Einzelfallhelfer arbeiteten eng mit ihr zusammen und sie konnten gemeinsam wichtige Termine wahrnehmen. Nach vier Wochen konnte sie das Pflegezimmer gestärkt verlassen und kam an anderer Stelle unter.

Jöerg vor seinem Fahrrad

Geduld ist eine der wichtigsten Instrumente in der Pflege. In dieser Pflege möchten wir ihnen ein Stück Würde zurückgeben und das Gefühl für ihren Körper. Das weckt häufig ungeahnte Kräfte und Motivationen zu neuen Schritten.

Und das motiviert Jörg auf seiner Radtour. Damit diese Arbeit so stattfinden kann, will Jörg sie weiter bekannt machen und Unterstützer finden. Auf seiner Radtour erzählt er vom Pflegezimmer und wir erzählen von seiner Radtour.

Mehr Infos und Möglichkeiten der Unterstützung finden Sie unter betterplace.de