Spenden-Button
Button Mission
Button Gästehäuser
Mit Link unterlegter Newsletter-Button

Aktuelles

02.05.2019

Willkommen im Senftenberger Ring

Blume und Essen auf Tisch

Neugierige Kinderhände geben dem bunten Glücksrad frischen Schwung oder probieren sich in Kaligrafie-Schrift aus, während immer wieder Erwachsene mit weiteren Töpfen und Platten voll wohlduftender und appetitlich aussehender Speisen auf ihrem Weg zum Buffet um die frischen Kreidezeichnungen auf der Straße herumtänzeln. Denn das Willkommensfest der Gemeinschaftsunterkunft für geflüchtete und asylsuchende Menschen am Senftenberger Ring hat zum Kennenlernen und Begegnen eingeladen, in dessen Zuge über dreißig Familien und weitere Fleißige eine kulinarische Bandbreite an selbstgemachten Spezialitäten gezaubert haben - so vielfältig wie die Bewohnenden selbst.

Bereits seit Oktober 2018 gibt es diese Gemeinschaftsunterkunft im Märkischen Viertel. Eigentümer der zwei Wohnhäuser des Senftenberger Ring 37/39, welche 109 Appartements für insgesamt 400 Personen bereitstellen, ist die Wohnbaugesellschaft GESOBAU AG. Diese vermietet ihre Wohnressourcen an das LAF, das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten, welche wiederum die Berliner Stadtmission ausgewählt hat, den Betrieb an diesem Standort – vorerst auf drei Jahre mit Verlängerungsperspektive - zu übernehmen.

Die Gemeinschaftsunterkunft gilt dabei als Antwort auf den Bedarf und Auf- bzw. Ausbau von sogenannten „MUF’s“, also „Modularen Unterkünften für Geflüchtete“, als angemessene eigenständige Wohnmöglichkeiten – weg von Massenunterkünften und prekären sowie belastenden Wohn- und Lebensverhältnissen. Die Architektur und Aufteilung der Häuser und Wohneinheiten kommt dabei besonders Familien zu Gute, da jede Wohnung einen eigenen Zugang zu Bad und Küche besitzt sowie durch ihre Abgeschlossenheit eine Schutz- und Privatsphäre für ihre Bewohnenden darstellt und dadurch Handlungsspielraum für ein selbstbestimmtes und eigenständiges Leben bietet. Denn ihre Eigenständigkeit mussten viele der Bewohnenden über die letzten Jahre im Rahmen von riesigen und ausgelasteten Notunterkünften aufgeben. Sie nun wieder zu einem selbst- und eigenständigen Leben zu befähigen und auf diesem Weg zu begleiten, wird in den nächsten Jahren die Aufgabe und das Ziel der Mitarbeitenden der Gemeinschaftsunterkunft darstellen. Das heißt beispielsweise, dass Sozialarbeit und Sozialbetreuung angeboten werden, jedoch möglichst in reduziertem Umfang in Aktion treten, um den Menschen so viel Raum für selbstständiges Handeln wie möglich einzuräumen. Des Weiteren wird das Team der Unterkunft durch Hausmeister, die Leitung, eine Ehrenamtskoordination sowie zahlreiche Ehrenamtliche und externe Kooperationen unterstützt.

Diese gut ausgebaute Infrastruktur an Angeboten, Trägern und Projekten in Reinickendorf, welche sich vernetzen und in Kooperation treten, wird auch auf dem Willkommensfest sichtbar. Schirm an Schirm reihen sich kleinere und größere Stände der Kooperationspartner aneinander, welche über ihre Arbeit und Angebote informieren oder Aktivitäten für die jungen als auch älteren Festbesucher anbieten. Darunter finden sich unter anderem das Kinder-, Jugend- und Familienzentrum ComX, Gangway im Rahmen eines Projektes aufsuchender Sozialarbeit, das Spielmobil des „kein Abseits! e.V., welches die kleinen Besucher und Besucherinnen des Festes mit vielfältigem buntem Spiel und Spaß versorgt sowie das Projekt BENN – „Berlin entwickelt neue Nachbarschaften“.  Dieses Programm des Berliner Senats gibt Raum und Möglichkeiten für Begegnungspunkte der „alten“ sowie „neuen“ Bewohnenden im Kiez, bietet gemeinschaftliche Aktivitäten sowie Beteiligungsmöglichkeiten an, um sich gegenseitig zu unterstützen und ein vielfältiges, buntes sowie friedliches Miteinander zu fördern.

Neben der Unterstützung und Begleitung durch Sozialarbeitende und der Kooperation mit externen Trägern, existieren hausintern weitere Angebote für die Bewohnerschaft. Einmal in der Woche trifft sich die Frauengruppe „Biyallah“ beispielsweise zu gemeinsamen Aktivitäten. Da etwa die Hälfte der Bewohnenden Kinder oder Jugendliche unter 18 Jahren darstellen, wird außerdem eine Kinderbeaufsichtigung für jene im Vorschulalter, als auch eine Hausaufgabenbetreuung für Schulkinder angeboten. Dazu kommen andere Aktivitäten wie Bastelstunden, Ausflüge sowie Musik- und Sportaktivitäten. Diese Programmpunkte für Kinder entlasten wiederum die Eltern und ermöglichen ihnen während dieser Zeit Behördengänge, Sprach-bzw. Alphabetisierungskurse oder andere Termine wahrzunehmen.  Die Sprachkurse werden dabei von der Volkhochschule Reinickendorf angeboten und finden zunächst einen Monat lang innerhalb der Unterkunft statt, bevor sie daraufhin in die externen Räumlichkeiten der Volkshochschule verlegt und dort weitergeführt werden.

Um ein vielfältiges und ausreichendes Unterstützungsangebot für die Bewohnenden bereitstellen zu können, ob Kinderbetreuung, Veranstaltungen wie das Willkommensfest, Sprachmittlung für die Mitarbeitenden der Sozialen Arbeit als auch der Verwaltung oder der Hilfe in der Hauswirtschaft, werden stets Ehrenamtliche, Neugierige und Tatendurstige gesucht. Diese können sich gerne beim Ehrenamtskoordinator Christoph Braun unter braun@berliner-stadtmission.de zurückmelden und dazu beitragen Vielfalt, Gemeinschaft und Nachbarschaft im Märkischen Viertel zu leben und mitzugestalten.

Lissy Kraft