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Aktuelles

28.02.2019

Zeit für kleine und große Neugierde

Die Traglufthalle von außen

Ein bisschen erinnert sie an ein Iglu, an einen riesigen und gut gepolsterten Schildkrötenpanzer. Und vermutlich ist sie dem gar nicht so fern: einem Ort, der Schutz spenden soll, auch vor den kältesten und gefährlichsten Witterungsbedingungen, einem Ort der Zuflucht, zum Zurückziehen, Ankommen, Aufwärmen und Aufgehobensein, wenigstens für eine Nacht. Ich senke meinen Blick wieder, der sich wie bei einem Kind, welches einen Luftballon am Horizont erblickt, staunend an den überdimensionalen Ballon vor mir geheftet hat und betrete ihn durch den geöffneten Eingang.

Es ist Samstag, der 23. Februar und der „Ballon“ bzw. die Notübernachtung der Berliner Stadtmission, welche unweit des Ring-Centers am Containerbahnhof ihre weißen Planen gen‘ Himmel ausstreckt, hat Neugierige und Interessierte eingeladen zum „Tag der offenen Tür“.

Kleidung an Kleiderstange

Liebevoll wird jeder Gast willkommen geheißen, auf Wunsch durch die Einrichtung geführt, darf Mitarbeitende mit jeglichen Fragen und Anliegen zum Thema Wohnungslosigkeit und der Arbeit löchern und sich einmal selbst ein Bild von einer der größten Notübernachtungen in Berlin machen. Eine kleine Flohmarktecke auf Spendenbasis, ein spielerisch und gleichzeitig aufklärerisch gestalteter Infotisch als auch der zwischenmenschliche Austausch bei Kaffee, Kuchen und den melodischen Klängen einer Ziehharmonika sorgen für eine angenehme und ausgelassene Stimmung.

gemütliche Sofa-Ecke in der Traglufthalle

Generell ist es bemerkenswert, welche gemütliche, friedliche sowie wertschätzende Atmosphäre innerhalb der weißen Planen geschaffen werden konnte, die durch die hohen Decken, die Weitläufigkeit und Offenheit der Traglufthalle, viele Holz- und Farbelementen sowie die wohnliche und aufmerksame Einrichtung bedingt wird. Um die hundert Menschen, Männer und Frauen, finden hier im Rahmen der Berliner Kältehilfe über die Wintermonate einen warmen und trockenen Platz für die Nacht, Hygienemöglichkeiten, medizinische Versorgung, eine Kleiderkammer und Essensausgabe sowie Sozialberatung, während seit Juni 2018 darüber hinaus auch über den Sommer rund sechzig bis siebzig Plätze geboten werden können. Schließlich sind – irrtümlicherweise - nicht nur Kälte und Frost für einen wohnungslosen Menschen lebensbedrohlich, sondern auch Hitze, kein Schutz vor Sonneneinstrahlung sowie der fehlende Zugang zu ausreichend kostenlosem Trinkwasser und Abkühlungsmöglichkeiten. Hinzu kommt, dass kalte Nächte oder Regen- und Unwettertage ja durchaus auch im Sommer existent sind.

Êingangsbereich in der Notübernachtung

Und genau aus diesem Grund, wegen Irrtümern wie diesen, wegen Vorurteilen oder schlicht aus Unwissenheit und zum Zwecke der gesellschaftlichen Aufklärung, veranstaltet das Team der Notübernachtung am Containerbahnhof gerne jede Saison aufs Neue solch‘ einen Tag der offenen Tür. Um ins Gespräch zu kommen, um Fragen rund um Wohnungslosigkeit zu beantworten, um sich auszutauschen und womöglich vorgefertigte Urteile durch ein eigenes Bild vor Ort korrigieren zu können. Und – wer weiß – um vielleicht auch Neugierde und die Herzenslust zu wecken, einmal selbst mit anzupacken.

Lissy Kraft