Alles wird gut! Oder? - Gedanken zur Jahreslosung 2026
"Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!"
Die Bibel | Offenbarung Kapitel 21, Vers 5
Wir erleben eine Beschleunigung der Katastrophen. Wir haben nicht eine Krise, sondern mehrere Krisen. Nicht nur die Erde erhitzt sich, sondern es werden bewusst Brände gelegt, Angst geschürt, gehetzt und gehasst. Wir befinden uns schon mitten im Kampf über die Zukunft: Wem wird sie gehören? Wer wird am meisten unter der Klimakrise leiden? Welche Mächte werden sich durchsetzen und das zukünftige Weltgeschehen bestimmen?
"Ich wär gern voller Zuversicht, jemand, der voll Hoffnung in die Zukunft blickt. Der es schafft, all das einfach zu ertragen. Ich würd dir eigentlich gern sagen: Alles wird gut!"
So singt Felix Brummer alias KUMMER zusammen mit Frederik Rabe in seinem "Letzten Song".
Ich kann KUMMER verstehen. Die Hoffnung kann verloren gehen, sie kann alt und matt werden. Nicht nur aufgrund der Weltlage, sondern auch aufgrund eigener Lebenskämpfe, den trostlosen Momenten, die man selbst erlebt. Es gibt Krisen, die lassen sich nicht wegreden. Es gibt Traurigkeit, der wir nicht einfach ausweichen können. Unsere Aufgabe als Christen und Christinnen ist deshalb auch nicht, Menschen, die uns von ihrer Hoffnungslosigkeit und ihrem Schmerz erzählen, einfach mit leeren Floskeln zu vertrösten: "Alles wird gut! Glaub an dich, geh deinen Weg! Gott macht das schon..." Floskeln wollen das Leid oft nur wegschieben, damit die Situation angenehmer wird. Aber wir haben als Christen und Christinnen die Tränen nicht wegzuwischen, bevor sie geweint wurden. Tränen und Trostlosigkeit brauchen Raum und Verständnis. Wir sind da und hören zu.
Siehe, er macht alles neu! - Denn wir dürfen selbst aus einer (neuen) Hoffnung Kraft schöpfen, die nicht aus uns selbst kommt und sich nicht in Floskeln erschöpft. In dem Buch der Offenbarung aus der Bibel (Offb 21, 1-5) wird dem Seher Johannes eine Zukunftsversion von einem neuen Himmel und einer neuen Erde geschenkt, die nichts mit Vertröstungsfloskeln oder Zweckoptimismus, nach dem Motto "Alles wird gut!" oder "Das wird schon noch!" zu tun haben, sondern sie ist ausgestattet mit der Kraft, die Traurigen aufzurichten. Denn Gott wird jede einzelne (!) Träne abwischen (Off. 21,4). Jede Träne darf geweint werden. Die Vision ist ausgestattet mit der Kraft, das Leid auszuschalten, mit der Kraft, Menschen gegen die Trostlosigkeit dieser Welt auszurüsten, sie zu ermächtigen, diese Welt nicht einfach so hinzunehmen! Johannes kann die neue Welt sehen als eine Stadt, das heilige Jerusalem, in der Gott den Menschen vollkommen nah ist, weil er bei ihnen wohnt; in der die Völkergrenzen aufgehoben sind hin zu einer Gemeinschaft in einer neuen Stadt, in der sich alle begegnen, alle miteinander reden können.
Johannes erfährt die Hoffnung, dass es noch eine gute Zukunft gibt, indem er die neue Welt sieht. Diese Hoffnung hält ihn am Leben, sie hilft ihm das Leben auszuhalten und zu meistern. Die alten Worte des Johannes haben nicht die Kraft, diese Welt neu zu erschaffen, aber sie weisen auf eine Kraft hin, die alles in ein neues Licht rückt: die Hoffnung, dass die alte Welt nicht das letzte Wort hat, sondern eine neue Welt, die in der Gemeinschaft Gottes mit den Menschen und der Menschen untereinander besteht. Aus dieser Hoffnung entsteht die Kraft, gegen das Kriegsleid zu protestieren, Brände der Angst zu löschen, zu lieben, wo der Hass um sich schlägt. So bekommen wir neue Kraft, uns nicht mehr von dem alten Weltgeschehen, sondern von der neuen Welt, die auf uns zukommt, bestimmen zu lassen.
Johannes will dir nicht die Angst nehmen,
er will dir nicht sagen, dass das gegenwärtige Leid irgendeinen Sinn macht.
Sein Text taugt nie für Parolen an den Wänden,
er will keinen Trost spenden in trostlosen Momenten.
Er ist nämlich voller Zuversicht,
jemand, der voll Hoffnung in die Zukunft blickt,
der es schafft, all das einfach zu ertragen.
Und er will dir sagen:
Alles wird neu
Der Text stammt von Eva und Nicolas Viziotis. Eva ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Neutestamentliche Wissenschaft der Universität Leipzig. Nicolas ist Diplomtheologe und arbeitete als Stadtmissionar bei der Gemeinde Frankfurter Allee der Berliner Stadtmission, macht derzeit sein Vikariat und ist gerne unter Leuten, die mit Jesus (noch) nichts anfangen können. Der Text ist einer von vielen zur Jahreslosung 2026 aus dem Buch "Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu! - Die Jahreslosung 2026. Ein Arbeitsbuch mit Auslegungen und Impulsen für die Praxis, bei dem viele derzeitige und ehemalige Mitarbeitenden der Berliner Stadtmission und des TSB Texte beigesteuert haben.
Bei Interesse an dem Buch gerne eine E-Mail an cafeblattgold[at]berliner-stadtmission.de oder im neuen Jahr einfach in unserem Café Blattgold in der Lehrter Straße 68 vorbeikommen!