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März 2015

2 Freiwillige mit Kindern aus Haus Leo

Hallo liebe Leser, Freunde, Neugierige, Interessierte oder auch nur Verlaufene,

denken Sie doch auch einmal kurz an den Anfang dieses Monats März zurück. Sonnenstrahlen auf der Haut, nur kleine Wölkchen, die sich ab und an dazwischenschieben, ansonsten wunderbare Wärme, die man auf den grünen Wiesen der Stadtmission vor unserem Wohnhaus perfekt genießen kann. Ach ja, da haben wir uns alle täuschen lassen und gedacht „Jetzt beginnt der Frühling! Schnee ade“. Euphorie und gute Laune, Glücksgefühle. Das macht die Sonne mit uns. Der Schnee ist wieder da, die Euphorie spielt Verstecken - und das macht sie gut. Aber immerhin konnte am 8.März somit vielleicht nicht der Frühling auf Dauer beginnen, aber unserem neuen, nein jetzt aktuellen, Stadtmissionsdirektor Herr Lenz konnte ein durch und durch schöner Start ermöglicht werden, über den sich keiner beklagen kann. Das Festzelt zum 138. Jahresfest der Stadtmission, Happy Birthday!, war bereits vor 11 Uhr rappelvoll. Als hätte die Sonne ihre Strahlen durch Berlin wandern lassen und alle Menschen Richtung Lehrter Straße gezogen: Kinder, Ältere, Mitarbeiter, Familien, Anwohner, Bewohner unseres Haus Leo und quer darunter verteilt erkannte man auch den ein und anderen Gast unserer Notübernachtung wieder - eine kunterbunte Mischung, einfach schön anzusehen! Da wir zum Stadtmissionsgeburtstag auch noch einen eigenen WG-Geburtstag zu feiern hatten, konnten wir es uns als Gruppe, ausgestattet mit genügend selbstgebackenem (natürlich, immer, ausnahmslos!) Kuchen und Getränken, bis Abends noch zum Picknick gemütlich machen.

Und wieder einmal wurde uns dieses wunderbare Etwas bewusst, das dieser Ort rund ums Zentrum besitzt und verströmt. Diese Eigenschaft, Menschen zu verbinden und einen Weg teilen zu lassen, der sich im Normalfall nie gekreuzt hätte. Der Kuchen wurde fleißig weitergereicht an Flüchtlingskinder, Passanten, Nachbarn und Gäste der Notübernachtung, die bereits jetzt schon auf den abendlichen Einlass warteten. All diese nahmen kurz Platz auf unseren quietschpinken und -grünen Picknickdecken und durften sich eine kleine Auszeit gönnen.

Aber nicht, dass Sie sich jetzt vorstellen, wir lagen jeden Tag faul auf der Wiese herum und schlugen uns die Bäuche voll. Klingt verlockend, aber abgesehen davon, dass uns das Wetter im März so einige Male wieder im Stich gelassen hatte, sind wir als WG auf Dauer viel zu tatendurstig, aufgeweckt und unter Strom, als dass wir nicht doch wieder etwas anpacken möchten. Besonders von einer unserer Einsatzstellen, an die, wie ich denke, jeder von uns Zwölf in irgendeiner Weise wenigstens etwas sein Herz verschenkt hatte, mussten wir uns nämlich zum 31. des Monats verabschieden. Unsere geliebte Nü! ( Für die, die sich verlaufen hatten: Das ist die Notübernachtung Lehrter 68.) Ich finde, es ist ein Privileg für uns gewesen, in unserem Alter solche lebensnahen und realen, zum Teil krassen Erfahrungen mit Menschen in verschiedenen Notsituationen machen zu dürfen. Wir haben Kopf-und Kleiderläusen den Kampf angesagt, sind vor Krätze nicht zurückgeschreckt, mussten selbst Handlungen ausüben, die stets entscheidend waren für den Ausgang eines Konflikts, haben Menschen auf Entzug erlebt, sie vielleicht auch dadurch begleitet, mit Händen, Armen, Kopf und was sonst noch übrig bleibt, gestikuliert, neue Sprachen erfunden, Polnisch gelernt, Hoffnung und Hoffnungslosigkeit kennengelernt. Es waren schöne, lustige, traurige, hässliche, bewegende und faszinierende Momente und es gab ebensolche Begegnungen. Wertvolle Erfahrungen, die wir im Herzen behalten werden. Mach's gut, liebe Nü!

Aber Hallo Deutscher Bundestag! Am 12. März hatten wir Zwölf die Möglichkeit einen Bundestagsabgeordneter hautnah, live und in Farbe zu treffen und ihn auszuquetsch....ehm höfliche, gebildete und kluge Fragen zu stellen. Dafür wurden wir ins Paul-Löbe-Haus geladen. Geteilt in eine Gruppe sportlicher Fahrradflitzer und einer handvoll fauler Eine-Station-Bahnfahrer trafen wir uns laut unserem Mentor Uli am Seiteneingang des Reichstagsgebäudes. Wir sollten ja pünktlich sein, darf ja nicht peinlich werden,ne. Bis wir uns gefunden hatten, war's schon knapp. Bis Uli einsehen musste, dass wir doch am falschen Eingang standen ( wie letztes Jahr, deswegen hatte er diesen Eingang auch leider wieder im Kopf), wars schon knapper als knapp. Also eilten wir im Gänsemarsch unserem WG-Papi hinterher doch zum Paul-Löbe-Haus und wurden dort aber noch empfangen. Geschafft! Das Gespräch mit Frank Heinrich (CDU Chemnitz) lief dann doch echt super, vor allem weil der Bezug zur Flüchtlingsproblematik hergestellt werden konnte, die uns in unseren Arbeitsstellen ja selbst begegnet und beschäftigt. Im Anschluss bekamen wir von Christian Grewing noch eine Führung quer übers Paul-Löbe-Haus durch den Tunnel bis in die verwinkelten Gänge und die Parteisäle des Reichstagsgebäudes (und weiter bis auf den Platz von Sigmar Gabriel). Eine Reise in der Zeit, Geschichte und Politik unseres Landes, die uns sehr gefallen hat!

Welche Frage sich noch durch die WG und den Monat März zog, war diese nach dem Fasten. Möchte jemand fasten, was fastet derjenige und mit welchem Hintergrund? Elli entschied sich fürs Fleisch, Tobi für Facebook, Frank setzte sich selbst auf strikten Kaffeeentzug (Ja, in Tiramisu ist leider Kaffee, hart aber wahr), und einige andere versuchten es mit Süßigkeiten, was im Angesicht von Geburtstagen und Co. wirklich fies sein kann. Dennoch war der Wunsch nach einem übergreifenden besonderen Fastenprojekt der gesamten WG vorhanden. Womit unser 17h Gebetsprojekt startete. Freitagabends beginnend, fand man sich entweder alleine, zu zweit oder manchmal zu dritt ( wer gerade Zeit und Lust hatte ) zum Beten ein. Auch unsere Mentoren Uli und Caro leisteten uns dabei Gesellschaft. Gebetsanliegen wurden in einer Box gesammelt oder ergaben sich aus dem Moment. Ich glaube auch die Welt allein bietet genug Stoff dazu. Mit dem Ergebnis waren alle Teilhabenden überaus zufrieden und begeistert.

Und um einmal den zahlreichen wunderbaren Köchen und Bäckern in unserer WG gerecht zu werden, sollte das nun wirklich auch einmal erwähnt werden. Wie heißt das immer, ach die Jugend von heute? Die Jugend von heute kennt nur Backmischungen und McDonalds? Kann ich widerlegen. Der Frank von heute kann eine Schwarzwälder-Kirsch-Torte, die ist nicht von dieser Welt. Die Sammy von heute kann ein Walnussbrot zaubern, dass das Goldstück unseres WG-Frühstücks ist. Und bereitet Lena (Magda) dazu noch ihren Hefezopf und Bekki ihren Milchreis ist das ein perfekter Morgen. Die Sandra von heute leitet einen Kochkurs für Wohnungslose und schickt uns mit ihrem Himbeertraum am WG-Abend wortwörtlich träumen und die Katha von heute steckt in die Deko ihrer Muffins so viel Liebe und Kleinarbeit, dass man sich nicht traut, in das Kunstwerk rein zubeißen. Apropos Tiramisu vorher, wir haben einen waschechten Italiener, den Robbie, in unserer Mitte, der ein perfektes Tiramisu auf Lager hat und uns auch um 2 Uhr Nachts Pfannkuchen bereitet, weil wir etwas Trauriges in der Notübernachtung erlebt haben.
Ist das nicht rührend?

Die Elli von heute haut einen allein mit einem wunderbaren Mix-Salat um, und der Tobi und Arnd, auch beide von heute, bereiten dazu zum ersten Mal, aber dafür krossleckere selbst panierte Schnitzel. Und zum Nachtisch dazu? Kreirt die Mimi einen herzallerliebsten Schaumkusskuchen. Das ist die Jugend von heute in unserer WG. Klingt gar nicht so schlimm, oder? :)

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen, die tapfer durchgehalten haben, den Text bis zum Ende zu bringen, alles erdenklich Gute für die Osterzeit und ein gesegnetes Osterfest im Kreise der Familie oder Freunde!

Bin dann mal weg, Eure Lissy