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9. Zwiesel(Bay) - Wo geht's zum Strand?

Die Anreise

Plötzlich war er da. Der Tag. Der Tag an dem wir morgens um 8 Uhr gesammelt in der WG gefrühstückt haben, um dann um 9.24Uhr den ersten Zug Richtung Zwiesel zu nehmen. 12 Stunden Zugfahrt standen vor uns, als wir mit müden Augen am Bahngleis des Berliner Hauptbahnhofes standen. „Zwischenseminar im Bayrischen Wald!“ – lautete das Ziel.
Die Taschen gepackt, Reiseproviant verstaut und voller Vorfreude stiegen wir in den gerade gehaltenen Zug. Entgegen unserer Vorstellung, dass wir aus der ganzen Fahrt eine große Party machen, versuchten einige zu schlafen, hörten Musik und lasen, sodass die ‚große Unterhaltung‘, der geplante Lobpreis und das andere Gäste stören ausfiel.
Dieses müde und lustlose Verhalten zog sich über mehrere Umstiege. Es störte jedoch niemanden so wirklich, da es jedem so zu gehen schien. Als wir einen etwas längeren Aufenthalt in Dresden hatten, entschieden wir uns bei einem Fastfood Restaurant essen zu gehen. Um allen Reisenden zu zeigen, dass wir Königskinder waren, nahmen wir natürlich das Angebot, Kronen zu erhalten, gerne an und präsentierten diese dann einige Stationen lang im Zug. Kopfschüttelnde und verwirrte Blicke trafen uns, aber das war uns natürlich ziemlich egal.

Nach Umstiegen in Cottbus, Dresden  und einer weiteren Stadt, dessen Namen uns entfallen ist, kamen wir schließlich in Plattlingen, dem letzten Zwischenhalt, an.
In diesem Ort, etwa eine Stunde von Zwiesel entfernt, gab es eine große Réunion: Chrissi, Ingmar und Anne, die einige Tage in den Skiurlaub gefahren waren, trafen sich hier mit uns, um gemeinsam die letzten Kilometer bis zum Ziel zu fahren – mit der Waldbahn (kein Scherz!). Die Freude war groß, als wir unsere lieben Mitbewohner wieder in die Arme schließen konnten. Vor lauter Begeisterung machte Ingmar einen Purzelbaum über die Sitze, direkt auf den Schoß einer fremden Frau.

 

Drogenschmuggel

Diese Frau, so vermuten wir, war eine Komplizin des Zolls. Denn im letzten Kaff (Entschuldigung, Zwiesel), angekommen, kamen uns am Bahnhof drei Männer entgegen. „Darf ich bitte mal Ihren Ausweis sehen?“, sprachen sie Ingmar, Aaron und Lucas an. Wie sich herausstellte, führten die Beamten Drogenkontrollen durch. An einem Sonntag Abend. In Zwiesel. Zwiesel. Ich wiederhole es noch einmal Zwiesel. Dem kleinen Ort am Bayrischen Wald. Aber gut. Die Jungs ließen es über sich ergehen und führten brav die Anweisungen des Zolls durch.

Die Zuschauer, also der Rest der WG, musste mit einem Abstand von ein paar Metern zusehen, wie nach und nach die vermeintlichen Drogenschmuggler abgetastet und durchsucht wurden. Wir, als Vollprofis, was das Abtasten betrifft (danke an dieser Stelle an die Notübernachtungsarbeit), mussten feststellen, dass die Beamten einige vermeintliche Verstecke übersehen hatten und nicht sauber abgetastet haben.

Außerdem kam uns die Vermutung, dass hinter dieser ganzen Sache der feine Herr Neugebauer steckt. Doch nach und nach wurde uns bewusst, dass es nicht Ulrich war, der uns veräppeln wollte, sondern eine ernst gemeinte Kontrolle. Upps. Hoffentlich hatten die Zöllner unsere Rufe („Ulrich, komm raus. Wir lassen uns nicht verarschen, wir wissen, dass das deine Idee war!“) nicht gehört…

Ankommen

Mit einiger Verzögerung haben wir dann aber irgendwann auch endlich in Buchenau bei Ulrichs Ferienhaus an. Draußen war es schon dunkel und als wir dann in den Innenhof gekommen sind wurden wir vom warmen Licht von tausenden Kerzen empfangen. Auch im Haus war im Treppenhaus alles voller Kerzen. Im Wohnzimmer flackerte schon das Kaminfeuer, der Tisch war gedeckt und auf dem Herd brodelte Suppe. Caros Kinder saßen in der Küche und aßen vergnügt vor sich hin. Als ich das gesehen habe, war mir klar, dass das eine gute Zeit wird in Buchenau. Und so war es dann auch.

Schlafplätze

Nach dem ersten hin und her der Zimmerverteilung konnten wir dann anfangen unsere Matratzen zu beziehen. Wir Mädels teilten uns jeweils zu zweit oder zu dritt ein Zimmer und die Jungs durften ihr Domizil hinter einem Vorhang einnehmen, wo sie eingepfercht lagen. Gut, dass Aaron sich nach zwei Tagen dazu entschloss aufgrund seiner intensiven Hausstauballergie seinen Schlafort zu verlagern. Was eignet sich dafür besser als ein Balkon? Abend für Abend räumte er in mühevoller Arbeit sämtliche Lebensmittel, die zum kühlen draußen lagen, an den Rand des Balkons, drapierte seine Matratze auf den freien Quadratmeter Liegefläche und mümmelte sich in seinen Schlafsack, wo er dann nur darauf wartete, dass jeder aus der WG noch einmal die Balkontür öffnete um ihn zu fragen, ob es ihm noch gut ginge und um ihm gute Nacht zu wünschen.

Selbst nachts bekam er den ein oder anderen Gast zu sehen. Z.b. Anne, die irgendwann so schrecklichen Durst hatte, dass sie in die Küche geschlichen ist (was man bei Dielenboden ja kaum merkt) und dann von Aaron erschreckt wurde, der an die Tür klopfte.

Tagesablauf

Zum Tagesplan lässt sich nur so viel sagen – es gab keinen. Also offiziell gab es schon einen Wochenplan, aber ich glaube es gibt so gut wie nichts, was wir dann auch wirklich so gemacht haben. Die einen fanden diese Flexibilität gut, die anderen weniger. Aber so wurde aus einem vermeintlichen Spaziergang ein Ausflug in eine Glasbläserei und danach in die Bärwuzerei. Ein Ausflug ins Erlebnisbad wurde zum Filmabend oder ein Spieleabend zu einer Nachtrodelaktion.

Apropos Rodeln

In den letzten Jahren lag in Buchenau meterweise Schnee. Wir hatten nicht das Glück im Schnee zu versinken. Wir sind eher von Schneefleck zu Schneefleck gehüpft. Und auch der übliche Rodelhang war nicht mehr mit Schnee bedeckt. Dafür aber ein anderer Hang, der zwar nicht so lang und steil war wie der andere, aber dafür direkt hinter dem Haus lag. Mit zwei Reifen und mehreren Schlitten und Bobs bewaffnet sind wir also am zweiten Tag losgestiefelt, um uns ins Rodelvergnügen zu stürzen. Lucas und Aaron hatten die Ehre als erste mit dem großen Reifen runterzufahren. Anfangs war noch alles voller lockerem Schnee, aber nach dem zweiten und dritten Mal ergaben sich richtige Rodelbahnen. Und dort probierten wir verschiedene Techniken aus, wie wir am Effektivsten unten ankommen. Dabei haben wir uns auf einen Reifen gestapelt, haben Anlauf genommen und sind einfach auf den Reifen gesprungen, wurden angeschoben, sind manchmal einen Meter gefahren und dann stehen geblieben und manchmal fast in den Zaun gekracht, weil wir so ein Tempo drauf hatten.

Nachts am besagten Tag sind dann Mareike, Lynn, Anne, Lucas, Aaron, Fränk(Caros Mann) und ich dann noch mal auf den Rodelhang gegangen. Die vorgefahrenen Bahnen waren in der Zwischenzeit vereist und boten auf der einen Seite ein riesiges Rodelvergnügen und brachten auf der anderen Seite eine nicht einschätzbare Gefahr mit sich. Das erkennt man aber erst, wenn man dann mit dem Kopf im Busch landet, weil man nicht bremsen kann- oder aber wenn man nicht bremsen kann, versucht vom Reifen zu springen und sich die Hände aufschlitzt, wenn man mit ihnen übers Eis schliddert. Alles in allem hat es aber einfach unglaublich viel Spaß gemacht.

Verpflegung

Ein absoluter Luxus war, dass Caro und Ulrich sich unglaublich fürsorglich um uns gekümmert haben. Sie haben morgens für uns Frühstück vorbereitet und mittags und abends für uns gekocht. Nachmittags gab es dann unter anderem einen leckeren Hefezopf und leckeren Kakao mit Sahne. Es fehlte uns wirklich an nichts und vor allem nach der Zeit, die wir jetzt zusammen hier in Berlin wohnen, war es einfach mal wieder schön so verwöhnt zu werden!

Generell war es schön, dass wir so viel Zeit für uns als WG hatten. Einfach zusammen saßen und gequatscht oder gepuzzelt haben, spazieren waren, Musik gemacht haben oder nebeneinander saßen und gelesen haben. Hier in Berlin verliert man sich und die Zeit schnell aus den Augen- sieht sich als WG nur zum WG- Frühstück oder zum WG-Abend und dazwischen hat man manchmal das Gefühl jemanden eine halbe Ewigkeit nicht zu sehen.

Das Geländespiel

Mit der Zeit hat sich auch die Idee entwickelt ein Geländespiel zu machen. Mitten im Wald- natürlich bei kompletter Dunkelheit! Auf unser „Mörder-Spiel" vom Anfangsseminar musste ja noch was drauf gelegt werden. Durch viele Gespräche wurde die Grundidee immer konkreter und für mich stand relativ schnell fest: Ich werde nicht mitmachen. Aber auch für mich wurde eine Rolle gefunden, bei der Maike mich dann im Endeffekt auch unterstützt hat. Am letzten Abend haben wir uns auf den Weg in den Wald gemacht, wo wir tags zuvor schon ein Spielfeld ausgemacht hatten. Dort wurden bei absoluter Dunkelheit Knicklichter in Bäume gehängt.

Die Tatsache, dass es tagsüber geregnet hatte und alles nass war sorgte nicht für bessere Grundvoraussetzungen. Auf Maikes und mein Startsignal hin verteilten sich Schmuggler und die drei vom Zoll im Wald und es fing ein lustiges Suchen und Verstecken von Knicklichtern und ein Herumirren im Wald an. Ziel der Schmuggler war es so viele Knicklichter wie möglich zu Maike und mir zu bringen. Wir haben die Knicklichter dann in einen Baum gehängt.

Die drei vom Zoll, also Aaron, Uli und Fränk, sollten die Schmuggler daran hindern. Was ihnen durch ihre Verkleidung als Baum (Aaron hat sich einfach in den Wald gestellt, einen Arm ausgestreckt, ein Knicklicht festgehalten und wollte damit so aussehen wie ein Baum an dem ein Knicklicht hängt) unter anderem recht gut gelungen ist. Mit recht gut meine ich aber nicht, dass sie gewonnen haben. Der Baum hing am Ende voller bunter Knicklichter und war aus der Ferne schon gut auszumachen. Am Ende war also klar, wer gewonnen hat: die Schmuggler.

Die Rückreise

Die Rückreise verlief ähnlich wie die Hinreise. Ähnliche Anzahl von Zügen und von Umstiegen. Diesmal aber in vergrößerter Gruppe, da wir jetzt vollständig waren. Im letzten Zug ließ dann aber bei allen die Motivation bei einigen nach und die Müdigkeit siegte. Bei drei WGlern jedoch, war die Motivation noch so groß, dass sie einen Zwischenstopp in Dresden einlegten und sich die Gruppe somit trennte. Wir, die wir weitergefahren sind, waren froh in der WG anzukommen, wo wir erst einmal fürstlich unsere frisch eingekauften Minipizzen verspeist haben.

Was uns zum Schmunzeln verleitete, war die Tatsache, dass wir es wieder einmal geschafft hatten: Schimmel. Wir dachten, wir hätten aus den letzten Malen gelernt und all das, was in unserer Abwesenheit schlecht werden könnte, an Nachbarn verteilt, selbst aufgegessen oder (leider) weggeworfen. Nur eines haben wir vergessen: Brot. Mist…

Lucas & Mareikes Geburtstag

Kopfzerbrechen haben uns in diesem Monat auch unsere WG- Geburtstage bereitet. Was schenken wir, wie feiern wir, was gibt es zu Essen… alles wichtige Fragen, die es zu beantworten gilt. Lucas Geburtstag fiel dann auch noch auf den Superbowl und so gab es eine Geburtstagsparty, die von der amerikanischen Kultur  geprägt wurde. Somit gab es Burger zum Essen, Football im TV und eine dicke Geburtstagstorte. Als er nach seinem Konzertbesuch  in die WG kam wurde er von einer singenden und grölenden Horde gut gelaunter Menschen begrüßt, es gab es ein Wunderkerzen- Feuerwerk und anschließend eine Runde Geschenke auspacken und essen, essen, essen. Und dann wurde der Superbowl geguckt. Extra zu diesem Anlass kramten wir den Fernseher hervor und schlossen ihn im Wohnzimmer an, um dort das Riesenspektakel mitzuverfolgen.

immer mehr WGler verkrümelten sich nach und nach, bis am Ende nur Lucas, Timo, Corni und ich durchhielten. Man muss die anderen entschuldigen- nicht alle konnten halbwegs ausschlafen…
Abends haben wir eine Art Schnitzeljagd organisiert. Mit Plakat vor dem Hauptbahnhof und Wegbeschreibung,  um dann schließlich in Maikes Zimmer  mit allen, die Zeit hatten, Lucas Geburtstag weiterzufeiern.

Mareikes Geburtstag fiel ausgerechnet auf ihren NÜ-Abend. D.h. um 12 Uhr kam sie gerade ihren Aufgaben nach und versteckte sich bewusst zu diesem Zeitpunkt, indem sie den Müll wegbrachte. Auf jeden Fall haben wir es wie immer gemacht- wir haben den wichtigen 00.00Uhr Punkt nachgefeiert. Den Moment an dem man laut runter zählt und dann alle anfangen zu singen und das Geburtstagskind freudig umarmen. Es gab leckeren American Cheese Cake und Bananen Torte. Ein riesiges Lob an die Kuchen, entschuldigt, Tortenbäcker Lynn& Chrissy!

 Abends haben wir uns als WG getroffen und zusammen gegessen. Da Mareike Schafskäse liebt, gab es Blätterteig- Schafskäsetaschen (unter anderem). Leider haben an dem Abend viele in der NÜ gearbeitet und konnten nicht dabei sein, als die WG von fünf Feuerwütigen unterhalten wurde…. Die Ergebnisse waren angeschmorrte Kerzenstummel und ein Teller mit Schaumküssen, von denen einer „veredelt“ war. Alles in allem kann ich nur hoffen, dass den beiden ihr Geburtstag in guter Erinnerung bleibt.

Was für eine Aussicht