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18. Dezember 2010

Abenteuer Missverständnis

Von jedem Abend/Nacht in der Notübernachtung könnte man eine ganz eigene Geschichte schreiben. So auch die Geschichte eines Letten, der durch seine Abenteuerlust eines Abends bei uns in der Notübernachtung landete und dort seine Geschichte erzählte.

Der Lette, so erzählte er, wurde 5 Wochen zuvor in seiner Heimat von einem fremden Mann angesprochen. Dieser bot ihm eine einwöchige Touristenreise nach Deutschland an, die er für ihn finanzieren wollte. In jugendlicher Euphorie schloss er sich dieser merkwürdigen Gruppe an, die nur aus dem Veranstalter und seinem Partner zusammengestellt war. Durchaus verunsichert durch die kuriose Zusammenstellung der Gruppe, die nicht zufällig schien, ließ er alles zurück und machte sich nur mit dem Nötigsten auf in das Abenteuer Deutschland.

Auf der Fahrt gab es reichlich Verköstigung und alles schien nach einer ganz normalen Kaffeefahrt auszusehen, wie es auch wir Deutschen kennen. In Deutschland angekommen wurden die Gäste von den beiden Organisatoren mit Geld versorgt, mit dem sie sich selbst versorgen sollten. Der Lette erforschte nun das deutsche Gebiet und vor allem das deutsche Rechtssystem. Dieses lernte er auf besondere Art und Weise kennen, da er am Ende der Woche ohne einen Cent in der Tasche auf der Straße stand, aufgrund fast täglicher Bußgelder. Wer kann denn auch ahnen, dass das öffentliche Urinieren strafbar ist?

Als er seine missliche Situation dem Veranstalter telefonisch schilderte, wusste auch dieser sich in seiner Wut nicht zu helfen und teilte ihm mit, dass er sich ab nun selbständig um seine Rückreise zu kümmern habe. Da stand er nun hilflos in einem Land, dessen Sprache er nicht beherrschte. Was tun in einer solchen ausweglosen Situation? Durch kleine Diebstähle und betteln hielt er sich die nächsten Wochen über Wasser. Durch Zufall wurde er auf die Notübernachtung in der Lehrter Straße aufmerksam und hoffte dort auf Hilfe. So fuhren unsere Mitarbeiter gemeinsam mit dem Letten an einem Samstag zu einem Rasthof nahe Berlin, um dort nach Lkws mit lettischem Kennzeichen zu suchen. Doch scheinbar wollten sich die Fahrer in den Führerhäuschen nicht finden lassen. So drehten die Mitarbeiter mit dem jungen Letten schon enttäuscht ab, als sie im Vorbeifahren ein Pkw am Ende des Rasthofes mit einem lettischen Kennzeichen entdeckten. Der Fahrer dieses Pkws schlief ruhig, ohne von seinem besonderen Auftrag, den er erhalten würde, zu wissen.

Als die Mitarbeiter ihn weckten und ihm die Situation des jungen Letten schilderten, zeigte er sich sofort bereit, den jungen Abenteurer wieder zurück in seine Heimat zu nehmen. Sogar eine Aufwandsentschädigung lehnte er ab, denn für ihn schien dies eine Selbstverständlichkeit.

In der Hoffnung, dass der Lette wieder zu seinem Zuhause zurückfindet und nie wieder eine solche Reise antritt, gaben die Mitarbeiter den jungen Letten in die Obhut des lettischen Pkw-Fahrers. Zumindest an diesem Wochenende konnten die Mitarbeiter der Kältehilfe einem Menschen sein Zuhause zurückgeben.

- Monica Tjards, Mitarbeiterin der Kältehilfe