SPENDENKONTO

IBAN:
DE63 1002 0500 0003 1555 00
BIC: BFSWDE33BER

Bank für Sozialwirtschaft
Verwendungszweck:
Kältehilfe

Ansprechpartner

Ulrich Neugebauer

Nummer für Spendenanfragen:
Tel.: 030-690 33-510

Spenden-Button
Button Mission
Button Gästehäuser

18. Januar 2011

Liebe ist ...

Dass Obdachlose auch Menschen sind wie du und ich, wird einem in der Notübernachtung immer wieder von Neuem deutlich.

Ein großer Teil unserer Gäste sind durch Schicksalsschläge oder lange Prozesse in einen Teufelskreis gelangt, aus dem sie aus eigener Kraft nicht wieder herauskommen können. Sogar dafür, um Hilfe zu bitten fehlt oftmals Kraft, zudem Motivation für einen Neuanfang.

In einigen Fällen ist es eine zerbrochene Liebe, die einen Menschen an den Abgrund ihres Lebens stellt. Durch eine Trennung werden sie wohnungslos, sehen in ihrer Wut und Trauer keinen Ausweg mehr. Dann greifen sie zu anderen Mitteln, die ihre Situation zumindest erträglicher machen soll, sie aber in Wahrheit nur noch verschlimmert – zum Beispiel Alkohol. Nach unseren Erfahrungen zeigen sich dann oftmals nur wenige Perspektiven, die ihnen heraushelfen können. Hinzu kommt, dass sich die Menschen auf der Straße auch helfen lassen müssen.

Überraschend zeigte sich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Notübernachtung am Ende des vergangenen Jahres noch eine andere Lösung. Eines Abends – es war schon sehr kalt in Berlin – standen schon die ersten Gäste an der Tür. Darunter auch eine junge Frau. Immer wenn ein Mitarbeiter durch die Tür lugte oder die Treppe hoch und runter lief, hielt sie ihnen ein weißes Papier vor die Nase. Jeder schaute kurz darüber und strahlte sie und ihren Begleiter an.

Darauf wurde ich aufmerksam und ging zu ihr und ihrem Begleiter. Als sie auch mir das Formular zeigte hatte ich ebenfalls ein Lächeln auf dem Gesicht. Das Formular erwies sich als eine Antragsstellung auf Eheschließung. Die beiden hatten sich in der Notübernachtung kennen gelernt und ineinander verliebt. Das ist wunderschön an sich, aber mit ihrer Hochzeit würden sie außerdem internationale Brücken schlagen, denn sie war Russin und der Pole. Wann und wie der Satz: „Kocham Cię“(„Ich liebe Dich“ auf Polnisch) – das Fundament für diese Brücke – ausgesprochen wurde und ob es überhaupt Polnisch war, können wir nicht wissen. Aber dieses Erlebnis war für mich besonders schön, da mir dadurch neu gezeigt worden ist, dass die Menschen, die auf der Straße leben eben nicht nur ausschließlich auf sich selbst schauen, sondern dass sie sich auch untereinander unterstützen und wir manchmal dort ansetzen können.

- Monica Tjards, Mitarbeiterin der Kältehilfe