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21. Februar 2011

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es ...

Gutes tun. Menschen helfen. Das ist meine Motivation für mein Freiwilligenjahr bei der Berliner Stadtmission. Laut dem oben genannten Zitat von Erich Kästner kann man durch Wort und Tat Gutes tun. Viele ehrenamtliche Mitarbeiter der Notübernachtung machen diesen anstrengenden Nebenjob, da sie es sinnvoll finden den Menschen durch ihre Arbeitskraft zu dienen.

Was aber wenn man plötzlich selbst nicht mehr erkennen kann ob die Arbeit dem Menschen wirklich gut tut. Was ist, wenn man Dinge entscheiden und tun muss, die einem Gast eben nicht zum Guten gereichen?

  • Man spricht ein Hausverbot gegen einen schwer Krebskranken aus, der jeden Tag mit Katheter aus dem Krankenhaus flüchtet, um sich abends in der Notübernachtung, seinem Zuhause, zum Sterben hinzulegen.
  • Man ruft gegen den Willen des gebrochenen Mannes mit stark blutender Kopfwunde einen Krankenwagen, obwohl er dich weinend anfleht es nicht zu tun.
  • Man lächelt den einsamen Männern nett entgegen um ihnen Freundlichkeit zu schenken und löst damit die Sehnsucht nach so viel mehr aus, das man nicht geben kann (und will).

Leider ist man (bin ich) als Mitarbeiterin der Notübernachtung auch in der Situation, unangenehme Entscheidungen treffen zu müssen. Bei aller Nächstenliebe darf man nicht die Regeln, welche die Sicherheit der Institution wahren, vergessen. Wenn die Regeln besagen, dass wir todkranke Menschen nicht beherbergen dürfen, da wir Mitarbeiter keine medizinischen Fachkräfte sind, dann müssen wir den Gast, so gut wir ihn auch kennen und so leid er uns auch tut, des Hauses verweisen. Wenn die Platzwunde nicht zu bluten aufhört, müssen wir als Sicherheit für die anderen Gäste den Herrn ins Krankenhaus einliefern lassen, wie verzweifelt er uns auch anflehen mag. Oftmals fällt es mir sehr schwer solch harte Entscheidungen zu treffen, da man sich wie ein Buhmann fühlt.

Ich wollte doch Gutes tun, den Menschen helfen und jetzt treffen mich die verbitterten Beschimpfungen des Gastes, der meint, wie unfair und bösartig man doch sei. Ich kann in einer Minute dem Gast eine Suppe an den Tisch tragen und ihm aufmunternde Worte schenken (dann bin ich ein "Engel" für denjenigen) und im nächsten muss ich ihn mit ernsthaften und lauten Worten in die Schranken weisen (was meist mit einem "Kurva!" gewürdigt wird… zu Deutsch "Schlampe").

Man muss sich von der Vorstellung verabschieden, dass man Freund und Helfer für jeden Einzelnen ist. Hauptsächlich ist man Verantwortliche für die Sicherheit und Funktionalität der Notübernachtung. Man beschützt die Masse an "friedlichen" Obdachlosen indem man störende, regelübertretende in die Schranken weist oder im schlimmsten Falle des Hauses verweist.

Für mich war es schwierig zu akzeptieren dass Gutes tun auch heißt Menschen vor den Kopf zu stoßen, abzuweisen oder böse anzusprechen. Doch wenn wir das nicht tun, könnten wir die Notübernachtung schließen, was zufolge hätte, dass unsere 150 Gäste kein Dach über dem Kopf, kein „Zuhause“, hätten.

Das Beste was wir für die Menschen tun können ist ihnen die Möglichkeit des Besuches der Notübernachtung zu erhalten, auch wenn das manchmal zu einem schwer zu akzeptierenden Preis ist.

- Jule, Teilnehmerin am Freiwilligenjahr der Berliner Stadtmission