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28. Februar 2011

Lebenslanges Lernen 

Die Notübernachtung ist ein Beispiel für lebenslanges Lernen. Es beginnt an einem ganz normalen Arbeitstag schon lange vor Öffnung der Notübernachtung (also vor 21 Uhr). Eine Gruppe bestehend aus Ehren- und Hauptamtlichen stehen grübelnd in einem Kreis zusammen. Um sie herum stehen Kisten gefüllt mit Lebensmitteln in allen Farben und Formen. In dem Kreis der Grübelnden wird ab und an die Stille durchbrochen durch Worte wie: „Litschis?“

Das Fach heißt hier: „Gemüse- und Obst-Identifizierung“. Neben der Berliner Tafel gibt es immer wieder einzelne freiwillige Essensspender, die uns jede Woche in die Geheimnisse der Frucht- und Gemüsewelt hineinnehmen. Mit der Identifizierung ist es jedoch meist noch nicht getan.

Wenn eine Frucht erst einmal erkannt ist, folgt dann eine Diskussion über ihre Verarbeitungsform: das Fach „sinnvolle Gemüse- und Obst-Verarbeitung“. Und schon packen unsere Küchenfeen und Küchenzauberer schon längst vergessene Rezepte aus und jeder, der bis dahin glaubte, er könne nicht kochen, nimmt nun an einem kostenlosen Kochkurs teil. Denn auch die Kreativität ist in der Küche der Notübernachtung nicht fehl am Platz. Kreationen in allen Kombinationen kommen dabei zu Stande, sodass die Notübernachtung bald eine eigene Kochshow und/oder ein Kochbuch herausgeben könnte.

Neben diesem Fach steht auf dem Stundenplan der Notübernachtung aber noch eine ganz andere Fachrichtung: „Fremd- und Zeichensprachen-Entwicklung“. So kommt es jeden Abend vor, dass vor allem die Mitarbeitenden, die an der Tür die Gäste begrüßen, oftmals Antworten in Form eines verständnislosen Lächelns bekommen. Das liegt nicht daran, dass die Mitarbeiter den Gästen unfreundlich gegenübertreten oder ihre Begrüßung gar flüstern. Bei einem zweiten Versuch der Begrüßung auf Englisch ist in einigen Fällen das Problem nämlich gelöst: Unsere Gäste kommen aus allen Erdteilen der Welt zu uns. Dazu gehören Inder, Australier und vor allem natürlich Osteuropäer.

Wenn das Englisch nicht mehr ausreicht, nehmen unsere hochmotivierten Mitarbeitenden Hand und Fuß zur Hilfe, um sich zu verständigen. Mit der Zeit lernt man welche Gesten am ehesten verstanden werden. Wie eine eigene Zeichensprache entwickeln sich Bewegungen heraus, die allgemein gültig werden. Aber auch das Wissen in anderen Sprachen, wie Russisch oder Polnisch, kann hier spielend leicht erweitert werden. Zu meinem Wortschatz sind Wodku, Kurva, Kubic sowie das zählen bis Fünf auf Russisch hinzugekommen.

Kochen und Sprachen sind auf dem Stundenplan also abgehakt. Es folgt das Fach „Bewegungsmangel ausgleichen“. Als Springer ist man den ganzen Abend als Transport-Begleiter unterwegs. Man bringt im gefühlten fünf Minuten-Takt Gäste ins Schlafhaus und andere aus dem Schlafhaus wieder zurück. Die Beine werden dabei ganz schön beansprucht und ich könnte schwören an einem Tag sogar Muskelkater davongetragen zu haben.

Übrigens kann man als Springer auch seine mathematischen Fähigkeiten trainieren im interdisziplinären „Gäste zählen“ – eine Mischung aus Mathe und Pädagogik. So viele Gäste wie man mitnimmt, müssen am Ende auch ankommen. Klingt einfach - ist schwierig! Der allgemein bekannte Spruch: „Man lernt nie aus!“ ist also durch die Notübernachtung bestätigt.

Von den strebsamen Schülerinnen
Monica mit Jule (beide Teilnehmerinnen am Freiwilligenjahr)