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15. März 2012

Das Nachtcafé in der City-Station

Es ist Donnerstag. Jetzt ist es bereits März und die Saison geht bald zu Ende. Es ist meine zweite Saison, im Januar 2011 habe ich begonnen, als Ehrenamtlicher bei der Stadtmission im Nachtcafé der City-Station in der Joachim-Friedrich-Straße in Berlin zu arbeiten.

Ich habe in diesem Winter nahezu alle meine Termine so legen können, dass ich abends am Donnerstag Zeit habe. Nur selten klappt es nicht. Ich eile vom Dienst nach Hause, ziehe mich rasch um, eine letzte Zigarette im Auto und dann geht es los. „Du bist 10 Minuten zu spät, sonst bist Du immer um sieben da!“, begrüßt mich Marika, die gute Seele und hauptamtliche Mitarbeiterin der Stadtmission in dieser Saison. Sie meint es nicht so; sie weiß, dass ich einen full-time-Job habe. Ich ziehe rasch meine Jacke aus, verstaue diese.

Das Nachtcafé hat vom 1. November eines Jahres bis zum 31. März an zwei Abenden in der Woche – diese Saison Mittwoch und Donnertag – geöffnet. An diesen Abenden bieten wir wohnungslosen Gästen zur Übernachtung 20 Schlafplätze im Andachtsraum, bei großer Kälte und Bedarf werden bis zu 25 weitere Plätze im Gastraum angeboten. Es kommen aber auch Gäste, die nur ein wenig verweilen möchten, einen Tee oder Kaffee trinken und etwas essen. Die überwiegende Zahl der wohnungslosen Gäste bleibt jedoch über Nacht.

Um 19.00 Uhr fangen wir mit den Vorbereitungen an, ab 20.00 Uhr ist Einlass, der Abenddienst geht von ca. 19.00 Uhr bis 0.30 Uhr, manchmal können wir früher gehen, ich bleibe meistens bis zum Schluss. Der Nachtdienst – zwei MitarbeiterInnen - kommt gegen 23 Uhr und bleibt bis morgens 8.00 Uhr.

Ich bin also heute ausnahmsweise 10 Minuten zu spät dran, doch auf unser Team ist Verlass. Hajo, Nico, Volkan und Irene sind schon eifrig bei der Sache; Stefan von der Mittwoch-Schicht ist heute auch da. Der Kaffee ist gekocht, das Essen und der Tee ebenfalls. Wir legen im Andachtsraum die Iso-Matten aus, beziehen diese mit Laken und legen bezogene Decken auf. Im Gastraum beziehen wir zwei Sessel und eine Couch. 3 bis 4 Plätze im Schlafraum reservieren für späte Gäste, die vom Kältebus gebracht werden. Auf dem Tisch im Eingangsbereich werden die Anwesenheitslisten ausgelegt – „Essen“ oder „Essen und Übernachtung“ – Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel und die Etiketten für’s Gepäck stehen bereit.

Um 19.30 ruft uns Marika zur Andacht. Dies ist immer ein besonderer Moment; obwohl ich so religiös nicht veranlagt bin, kommen wir in diesem Moment zur Ruhe, schöpfen Kraft und wünschen uns und unseren Gästen eine ruhigen Dienst bzw. einen ruhigen Abend. Dann erfolgt die Einteilung: 2 Mitarbeiter an der Tür, 2 Mitarbeiter im Aufenthalts- und Schlafraum sowie 2 Mitarbeiter an die Theke. Die Aufteilung klappt reibungslos, wir sind ein sehr gut eingespieltes Team.

Um 20.00 Uhr wird geöffnet, immer 2 Gäste werden gleichzeitig im Nachtcafé begrüßt. Sie tragen sich in die Listen ein, Gepäck wird für die Nacht abgegeben, unser Mitarbeiter im Aufenthaltsbereich verstaut die Sachen in der Gepäckkammer. Taschen und Tüten möchten wir nicht im Gastraum sehen. Es folgt ein kurzes Abtasten: Waffen, Alkohol, Drogen sind strikt verboten. Geraucht werden darf auch nur außerhalb des Cafés. Wer sich nicht an die Regeln hält, muss gehen. Viele Gäste kennen das Ritual bereits. Wir begleiten die Gäste zunächst zu einem Schlafplatz, damit dieser reserviert ist. Dann wird getrunken und gegessen. Für’s Essen sind 50 Cent, für den kleinen Kaffee 40 Cent, für den großen 60 Cent zu bezahlen. Das hat System: Es soll hier nicht alles umsonst gereicht werden.

Manche Gäste möchten Duschen oder Wäsche waschen; beides ist im Nachtcafé möglich. Auch verteilen wir bei Bedarf Schuhe, Hosen oder Jacken aus der gut sortierten Kleiderkammer. Viele unserer Gäste haben gesundheitliche und/oder psychische Probleme. Letzten Donnerstag haben wir für einen Gast ein Fußbad bereitet, manchmal helfen wir auch beim Duschen. Ärztliche Versorgung können wir nicht leisten, aber Beratung und Gespräche. Es wird uns viel Gutes entgegengebracht, die Gäste freuen sich, dass wir da sind. Obwohl es in dieser Nacht mit 8-10 Grad nicht besonders kalt ist bleiben wieder 26 Gäste über Nacht. Ich glaube, unsere „Beliebtheit“ liegt daran, dass wir im Nachtcafé stets eine gute, freundliche Stimmung erzeugen und die Zahl der Schlafplätze nicht zu groß ist. Das Nachtcafé ist im Vergleich zur den zwei großen Notübernachtungen schon ein kleines Schmuckstück. An den kalten Tagen kommt oft der Kältebus und bringt noch einen Gast, der auf der Straße angetroffen wurde.

Weitere Stammgäste lesen Zeitung, unterhalten sich oder spielen Skat oder Schach. Sie gehen gegen 23.00 Uhr nach Hause, wenn wir das Licht in der City-Station zur Nachtruhe dimmen.

Gegen 23.00 Uhr kommen Helge und Filip zum Nachtdienst. Ich freu mich auf die beiden, wie ich mich die ganze Saison darüber freue, gleichberechtigt in einem Team toller Mitarbeiter zu arbeiten. Marika macht Übergabe: Was war wichtig, wer möchte geweckt werden, wo finden wir die Vorräte für’s Frühstück und so weiter. Und so endet der Dienst: ruhig, die meisten Gäste schlafen und ich gehe zufrieden und erfüllt nach Hause.

Es hat mir diese Saison wieder viel Freude bereitet. Ich werde im nächsten Jahr wiederkommen und freue mich jetzt schon auf die zahlreichen guten Begegnungen und Gespräche mit meinen Mitstreitern und unseren Gästen.

- Oliver Stemmann, Ehrenamtlicher