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18. November 2011

Von Spendern und Empfängern

Unser hauptamtlicher Kältebusfahrer Artur rief mich kurz vor meiner nächtlichen Tour Zuhause an und erzählte mir, dass er "Birgit" und "Stephan", um die sich die Kältebusteams oftmals gesorgt hatten, wohlbehalten wieder gefunden hat. Deshalb fuhren Katja und ich in der Freitagnacht nach Moabit, wo das obdachlose Pärchen ihre Nächte auf einer Parkbank an einer viel befahrenen Hauptstraße verbringt.

Obwohl das Leben auf der Straße sehr hart und auch gefährlich ist, machten "Birgit" und "Stephan" einen verhältnismäßig guten Eindruck, denn wir sind ja schon froh, wenn die beiden keine akuten Erkrankungen haben. Wir versorgten die beiden mit frischen Obst, Kaffee und ein paar Süßigkeiten.

Obwohl ich seit einigen Jahren nicht mehr rauche, habe ich nachts immer Zigaretten dabei und ließ "Birgit" und "Stephan" ein Päckchen Tabak da. An der Parkbank trafen wir auch einen jungen, türkischen Mann, der uns erzählte, dass er in den Markthallen arbeitet und "Birgit" und "Stephan" oft mit Kaffee und Essen versorgt. Wir unterhielten uns noch eine Weile über das Problem, keine Hilfe anzunehmen zu können, die obdachlose Menschen oft haben.

Kurz nachdem wir uns wieder auf den Weg gemacht hatten, meldete sich eine Bäckerei aus Carlottenburg, die sich großzügiger Weise bereit erklärt hatte, die Backwaren, die sie zum Ladenschluss am Abend nicht verkauft haben, der Kältehilfe zu spenden. Nachdem wir lecker duftende Baguette, Brötchen, Croissants und Pfannkuchen eingeladen hatte, brachten wir sie zur Notübernachtung in die Lehrter Straße, wo die Pfannkuchen auch gleich an die Frauen und Männer verteilt wurden.

Es war sehr berührend, zu sehen, wie sich Gäste und Helfer über die Backwaren freuten. Ein Gast der Notübernachtung hielt einen mit weißem Puderzucker überzogenen Pfannkuchen in der Hand und ich fragte ihn, warum er ihn den nicht essen würde. Der Mann schaute mich strahlend an und meinte, dass der Pfannkuchen so schön aussieht, dass er zum Essen viel zu schade sei.

Vielen herzlichen Dank an die großzügigen Spender der Bäckerei! Sie haben vielen Frauen und Männern der Notübernachtung eine ganz, ganz große Freude gemacht!

Auf unserer weiteren Fahrt durch das nächtliche Berlin sahen wir auf dem Bürgersteig vor einer Sparkasse einen Mann sitzen, der in einem kleinen Plastikbecher ein paar Cent sammelte. Wir versorgten den Mann mit heißem Tee und einem Schlafsack und erklärten ihm, wo er in den kalten Winternächten schlafen kann.

An unserem Bus wartete bereits ein Passant auf uns, der sich sehr begeistert von der Arbeit des Kältebus zeigte und uns ganz spontan zehn Euro spendete. Herzlichen Dank vom Kältebusteam für die spontane Hilfsbereitschaft an Roland aus Hannover!

Erst bei unserer anschließenden Weiterfahrt wurden wir an einer U-Bahn Station auf einen am Boden sitzenden Mann aufmerksam. Bei unserer Begrüßung stellten wir fest, dass es sich offenbar um den Gast einer vorgezogenen Weihnachtsfeier handelte, der aufgrund seines Alkoholkonsums zwar ansprechbar aber orientierungslos und hilflos war. Er konnte uns zwar noch seine BerlinCard mit seinen Personalien zeigen, aber selber nicht mehr seinen Namen nennen. Da wir davon ausgingen, dass er weder von Polizei noch Feuerwehr mitgenommen werden würde, wenn wir diese alarmierten, weil er ja nicht unansprechbar war und wir einen hilflosen Mann natürlich nicht allein auf der Straße sitzen lassen wollten, machten wir einen kleinen Umweg, um ihn Zuhause abzusetzen.

Beim Aussteigen allerdings fiel der Mann wie eine gliederlose Stoffpuppe in sich zusammen und wir hatten keine Chance, ihn wieder auf die Beine, geschweige in den Bus zu bekommen. Katja rollte vor dem Kältebus eine Isomatte aus und ich legte den Mann in die stabile Seitenlage. Wir legten ihm eine dicke Winterjacke unter den Kopf und deckten ihn mit drei weiteren Jacken provisorisch zu. Da keine akute Gefährdung bestand und der Mann friedlich auf dem Bürgersteig schlief, informierten wir die Polizei und baten um Unterstützung. Offenbar war in dieser Nacht sehr viel los in Berlin und wir mussten ziemlich lange auf die Beamten warten, die sich bei ihrem Eintreffen freundlich für die Verspätung entschuldigten.

Da auch die Polizei der Meinung war, dass der Mann kein Fall für die Feuerwehr war, wollten sie eigentlich den Liegendtransport der Polizei anfordern und ihn in die Ausnüchterungszelle bringen. Aber offenbar hatte dem Mann das Nickerchen auf dem Bürgersteig gut getan, denn er wurde mit einem Mal halbwegs wach! Die Polizei entschied, ihn hoch in seine Wohnung zu bringen. Da wir uns für das Wohlergehen des Mannes verantwortlich fühlten, halfen Katja und ich den gut gelaunten Beamten, den Mann sicher nach oben zu bringen. Höchstwahrscheinlich würde der Mann am nächsten Morgen rätseln, wie er denn nach Hause gekommen war - vielleicht würde es ihm ja einfallen, wenn er unsere Visitenkarte vom Kältebus findet, die wir ihm in die Tasche gesteckt hatten.

Unterdessen hatte sich das Elisabeth Krankenhaus auf unserem Notruftelefon gemeldet und angefragt, ob wir einen Mann mitnehmen würden, der noch keinen Schlafplatz für die Nacht hat. Wir fuhren auf dem direkten Wege zur Notaufnahme der Klinik und holten unseren Fahrgast direkt aus der Ausnüchterungszelle ab. Während unserer Fahrt in die Lehrter Straße erklärte uns unser Fahrgast nachdrücklich seine Sichtweise zur Innenpolitik. Da es mittlerweile schon nach 3 Uhr morgens war, hielt sich unser Interesse an politischen Diskussionen eher in Grenzen.

Nachdem wir unseren Fahrgast den Kollegen von der Notübernachtung übergeben hatten, füllten wir unser Fahrtenbuch aus und räumten den Kältebus noch auf, bevor für uns eine Nacht mit guten und interessanten Begegnungen zu Ende ging.

- Dirk, ehrenamtlicher Kältebusfahrer