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24. Dezember 2011

Ein warmes Herz

Weihnachtlich nieselt der Regen. Einige Menschen stehen vor dem Haupteingang des Stadtmissionszentrum. Vorsichitg schlängle ich mich hindurch. Plötzlich hält ein Mann meine Hand fest. Ich drehe mich in seine Richtung. "Frohe Weihnachten!", ruft der Mann freudig aus und schüttelt meine Hand. "Frohe Weihnachten, Sigi!"
Es ist Heilig Abend. Wie ich als Kind, auf die Bescherung am Abend gewartet habe, so warten auch unsere Gäste auf den Start der Weihnachtsfeier. Weihnachten liegt in der Luft.

Ich betrete das Gebäude der Stadtmission und lenke meinen Schritte in die Richtung des Großen Saals. Vor mir erstrecken sich fünf lange Tafeln - alle weihnachtlich gedeckt und bestückt mit Weihnachtssüßigkeiten. 250 Menschen können hier nun einen Sitzplatz finden.

Langsam treffen alle ehrenamtliche Helfer ein. Der Vorraum des Saals füllt sich. Ich bin fasziniert! Ungefähr 35 Ehrenamtliche stehen hier, um uns unter die Arme zu greifen! 35 Leute investieren lieber ihren Heilig Abend in eine Feier für Menschen, die sonst niemanden oder nichts bzw. nicht viel haben, als in eine traditionelle, familäre Feier!

Dann ertönt das Startsignal. Es ist 16.00 Uhr. Der Einlass beginnt. Innerhalb einer halben Stunde füllt sich der Saal zu 2/3. Unsere Gäste lachen, schlemmen und lassen sich mit Kaffee und Kuchen verwöhnen. Es herrscht eine gelassene Stimmung.
Alles läuft auf Hochbetrieb. In der Küche wird das Dinner, Gänsekeule mit Klößen und Rotkohl, vorbereitet, fleißig Kuchen geschnitten und leere Tabletts mit vollen ausgetauscht. Die Garderobe ist eine scheinbare ewige Maschine, die Jacken und Gepäck frisst und Kleidernummern wieder ausspuckt. An den Tischen eilen die Tischbetreuer hin und her, damit ihre Gäste weder verdursten, noch deren Magen sich langweilen muss.

17.00 Uhr startet der Gottesdienst. Während weiterhin eine leise Unruhe herrscht, werden wir mit in die Geschehnisse von vor 2000 Jahren hinein genommen. Was damals passiert ist, ist anscheinend heute noch wichtig und aktuell.
Es wird gesagt, das Weihnachten ein Fest der Liebe sei. Doch man merkt, dass viele liebende und warme Herzen unserer Gäste bereits erfroren sind durch die Kälte der Straße. So stellt Ulrich Neugebauer, Leiter der Notübernachtung, eine Box für kalte Herzen auf, damit Weihnachten bzw. die Geburt Jesu die Herzen erwärmt und unsere Gäste heute die Möglichkeit haben zumindest für ein paar Stunden den Raum für ein paar warme Moment zu haben.

Direkt nach dem Gottesdienst wird weiter geschlemmt! Nun kommt der Hauptgang: Gänsekeule mit Rotkohl und Klößen. 350 Essen finden einen freudigen Abnehmer. Den Gottesdienst über hat sich der Saal noch weiter gefüllt. Nun scheint es, als seien die Kapazitäten langsam erschöpft, denn jeder findet hier einen Platz. Keiner wird weggeschickt, besonders nicht an Weihnachten.

Langsam belebt sich die Bühne wieder. Zu jeder guten Weihnachtsfeier gehören Showacts: So folgt ein Weihnachtslied dem nächsten, ein Gedicht dem anderen. Auch unsere Gäste wagen sich auf die Bühne und schmettern Weihnachtsschlager. Zum krönenden Abschluss präsentieren zwei Mitarbeiter der Notübernachtung eine Inszenierung des Sylvesterklassikers "Dinner for one". Unter viel Gelächter lichtet sich die Bühne. Nahezu von jetzt auf gleich kippt die Stimmung von ausgelassenem Gelächter zu erwartender Spannung. Unsere Gäste wissen nun, was kommt.

Auf der Bühne stapeln sich Geschenke über Geschenke. In den Wochen zuvor haben fleißige und engagierte Schüler aus vier Schulen Berlins Päckchen zusammengestellt und liebevoll in Geschenkpapier eingewickelt. Bei dem Anblick dieser Geschenkeberge werden die Augen unserer Gäste größer. Wie kleine Kinder rutschen diese unruhig auf ihren Plätzen hin und her.

Dann ist es endlich soweit, die Päckchen werden von den Tischbetreuern verteilt. Wie es Weihnachten üblich ist, sieht man enttäuschte und freudige Gesichter. Gesichtszüge, die erst einordnen müssen, ob das Geschenk gelungen ist oder nicht. Doch zum Schluss verlassen alle zufrieden mit ihrer "Beute" den großen Saal.

Es war ein gelungenes Fest und vor allem einmal eine andere Art und Weise, wie man Heilig Abend feiern kann.

- Anne, Freiwillige