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30. Oktober 2011

Goodbye, Tikwa

Liebe Kältehilfe-Freunde,

diesen Eintrag zu schreiben, fällt mir schwer, denn er ist traurigen Inhalts. Vielleicht kennt Ihr sie, unsere "Kältebus-Hündin" Tikwa - die Medien nannten sie auch die "Helden-Hündin". Sie gehörte unserem Kältebus-Fahrer Artur, der sie seit Welpentagen hatte. Nun kam der plötzliche Abschied: Tikwa hatte einen Tumor und musste eingeschläfert werden. Tikwa war eine Hündin mit einer ganz besonderen Gabe - sie konnte Menschen auf der Straße trösten und erreichen, wie es wir Menschen oft nicht geschafft haben. Sie wird uns und unseren Gästen fehlen. Mehr über Tikwas tolle Art könnt Ihr hier lesen, im Eintrag vom 30. November 2009 - Da, wo der Mensch nicht kann, kann der Hund

- Sabine, Internet-Redakteurin

Hier folgt nun noch ein Brief mit Details von Artur, unserem traurigen Kältebus-Fahrer.


Liebe Freunde,

in dieser Saison – und auch in allen weiteren – ist meine Tikwa nicht mehr mit dabei. Völlig unerwartet konnte sie von einem Tag auf den anderen nicht mehr richtig laufen und sich auch nur mit Mühe auf den Beinen halten. Als ein böser Tumor in ihrem Rückenmark gefunden wurde, musste ich sie leider einschläfern lassen. Das war ein schwerer Schlag für mich, denn meine Tikwa hatte ja einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Sie war einfach immer an meiner Seite, hat mich im wahrsten Sinne des Wortes "auf Schritt und Tritt begleitet". Ob das die Treffen bei „Neustart“, „Teen Challenge“, der Berliner Stadtmission oder bei der Arbeit auf der Baustelle war: Tikwa hatte nie gefehlt!!!

Im Kältebus war sie regelrecht meine "Partnerin" wenn wir beide des Nachts loszogen um die Obdachlosen zu treffen und gegebenenfalls mitzunehmen. Tikwa war immer die erste, die einen zarten Annährungsversuch wagte und einen ganz ungezwungenen sozialen Kontakt ermöglichte – zu Menschen, deren Vertrauen zu anderen Menschen schon gebrochen war. Schließlich ließen sich die wohnungslosen Mitmenschen dann auch auf ein Gespräch mit mir ein.

Tikwa meisterte, ganz leicht und spielerisch, aber dennoch professionell gekonnt, dass Vertrauen überhaupt aufgebaut werden konnte und Beziehungen entstanden. Sie schaffte die Basis. Und sie schaffte das ganz einfach und unkompliziert durch ihr Wesen, durch das, was sie war. Niemand musste ihr irgendetwas beibringen oder sie lehren, sie musste sich keine langen Verhaltenregeln überlegen, Texte im Kopf einüben und durchsprechen. Nein sie lief geradewegs und direkt auf jeden einzelnen Obdachlosen zu und ihr feines, sensibles Gespür fand ganz schnell heraus, was jeder einzelne gerade brauchte und war unmittelbar bereit es zu geben: Nähe.

Da war der eine, bei dem sie ganz genüsslich alle zehn Finger lecken durfte als er eifrig eine Anekdote aus seinem Leben erzählte, aber da war auch die Andere, die gar nichts erzählte und nicht einmal wagte Tikwa zu streicheln, weil sie so verängstigt war. Da blieb die Hundedame ebenfalls distanziert als Ausdruck der Rücksichtnahme. Aber sie schaute mit ihren treuherzigen Augen und rief mit einem einzigen warmen Hundeblick in der verängstigten Person ein Gefühl des Gut-Aufgehobenseins, der Geborgenheit und der inneren Sicherheit hervor.

Tikwa ließ mich zu jeder Zeit spüren, dass ihr die Verantwortung bewusst war, in die sie bei ihrer Aufgabe als Trostspenderin und Hoffnungsträgerin hineinwuchs und sie immer genau wusste, was sie tat. Das gab auch mir wiederum Sicherheit und macht sie vielleicht so einzigartig. Nach Dienstschluss gingen wir oft noch in den Park, wo sie den Kaninchen nachjagte und sich in dem Spiel völlig hingab und verlor, frei von Verantwortung, und ein Hund sein konnte wie jeder andere auch. Sie konnte auch das.

Dennoch möchte ich an diese Stelle noch einmal betonen, dass meine Tikwa einzigartig war und unersetzbar. Kein anderer Hund – und ich möchte auch gar keinen anderen – kann das in meinem Herzen werden, was meine Tikwa für mich gewesen ist. Die Lücke bzw. das Loch, das sie in meinem Herzen hinterlässt, wird einzig und allein die Liebe selbst Füllen können.

Liebe Grüße

Artur - Kältebusfahrer