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4. Januar 2012

Haben Sie bitte etwas zu essen für mich?

In der heiligen Nacht mit dem Kältebus durch das nächtliche Berlin zu fahren und den unterschiedlichsten Menschen zu begegnen, ist schon ein besonderer Nacht“dienst“. Wobei ich “dienst“ als einen Dienst an den Menschen verstehe, an denen wir oftmals in der hektischen Vorweihnachtszeit achtlos oder betriebsam vorüberhasten. Besonders, wenn es in der dunklen Jahreszeit schon früh am Nachmittag dunkel wird und es nass und kalt auf den Straßen Berlins ist.

Am Heiligabend lädt die Berliner Stadtmission obdachlose Menschen zu einer besinnlichen und stimmungsvollen Weihnachtsfeier ein, die von vielen Mitarbeitern und ehrenamtlichen organisiert und durchgeführt wird. Wenn diese gemeinsamen Feierstunden im Warmen und Trockenen, bei guten Essen und besinnlichen Momenten dann gegen 21 Uhr zu Ende gehen, übernachten viele Menschen ohne eigene Wohnung in Notübernachtungen. Es gehen aber auch Menschen wieder auf die Straße, hinaus in die Kälte und Dunkelheit.

Einige Menschen haben es aber erst gar nicht zur Weihnachtsfeier geschafft - weil sie es nicht wussten, weil ihnen der Weg zu weit war oder sie vielleicht die Anwesenheit anderer Menschen nicht ertragen können. Diese Menschen in der Heiligen Nacht zu finden, mit ihnen zu sprechen, ihnen etwas Gutes tun oder einfach nur signalisieren, dass sich andere Menschen auf der Suche nach ihnen befinden und sie wichtig sind, halte ich persönlich für einen wichtigen und menschlichen "Dienst".

Diese Sichtweise teilte in dieser Nacht auch Christine, die zum ersten Mal als Beifahrerin mit dem Kältebus unterwegs war. Wir boten den Teilnehmern der Weihnachtsfeier zum Ende der Veranstaltung eine Mitfahrgelegenheit zur „Notübernachtung 2“ der Berliner Stadtmission in der Johanniterstraße an, um die Kapazitäten in der Lehrter Straße ein wenig zu entlasten.

Kaum, dass wir mit unseren Gästen losgefahren waren, sahen an der Bushaltestelle Ecke Invalidenstraße einen Gast der Weihnachtsfeier hilflos auf den Bänken liegen und boten auch ihm eine Mitfahrt und eine Schlafmöglichkeit an, die der Mann dankbar annahm. In der Johanniterstraße angekommen, sahen wir bereits eine lange Menschenschlange ungeduldig auf Einlass warten. Während wir unsere Gäste zum Eingang brachten, kam es zu Rangeleien in der Warteschlange, in deren Verlauf ein Mann die Treppe hinunterstürzte und sich mehrere Rippen brach. Wir unterstützen die Kollegen noch kurz an der Eingangstür und fuhren dann mit einem weiteren Fahrgast die Notübernachtung in der Franklinstraße an.

Nachdem wir unserem Fahrgast eine gute Nacht gewünscht hatten, machten wir uns auf dem Weg zum Kurfürstendamm und suchten dabei beidseitig Hauseingänge und Vorräume nach wohnungslosen Menschen ab. In einer Bank sahen wir einen einsamen Mann der Security sitzen und hielten ganz spontan an. Der Mann war mehr als überrascht, als wir ihm in seinem Bankvorraum eine Weihnachtstüte überreichten und ihm ein gesegnetes Weihnachtsfest wünschten.

In dem Bereich des Ku’dammes, wo sich die teuersten Geschäfte unserer Hauptstadt befinden, fanden wir im Vorraum der Commerzbank einen obdachlosen Menschen auf einer dünnen Decke liegend vor. Der Mann hatte einen wilden Bart und zeigte sich uns gegenüber sehr schüchtern. Außer zwei Plastikbechern schwarzen Kaffees mochte er nichts von uns annehmen. Da der Mann zerrissene Schuhe an seinen nackten Füßen trug, hätten wir ihm gerne Socken und Schuhe dagelassen, hatten aber nichts Passendes in seiner Größe im Kältebus dabei. Als ich den Mann auf einer späteren Tour aufsuchen wollte, konnte ich ihn nicht mehr finden.

Gegen Mitternacht rief uns die Polizei auf dem Notruftelefon an, um uns ein ruhiges Weihnachtsfest zu wünschen und wir plauderten einen Moment miteinander. Gegen 2 Uhr Morgens rief dann wieder die Polizei an, diesmal allerdings um uns zu fragen, ob wir aus einem U-Bahnhof einen am Boden liegenden, frierenden Mann abholen würden, was wir natürlich sofort taten. Wir wurden von einer freundlichen Polizistin und ihrem Kollegen begrüßt, die rote Weihnachtsmützen auf dem Kopf trugen und den frierenden Mann fürsorglich mit einer Wolldecke zugedeckt hatten. Mit vereinten Kräften stellten wir den Mann, der nicht alkoholisiert war und ganz dünn angezogen war, auf die Beine und brachten ihn zum Kältebus.

Wir verabschiedeten uns von den netten Polizisten mit Handschlag und machten uns mit unserem Fahrgast auf dem Weg zur Notübernachtung. Der Mann war offensichtlich sehr hungrig und fragte, ob wir bitte etwas zu essen für ihn hätten. Wir hielten kurz an und versorgten unseren Fahrgast mit Süßigkeiten, Keksen und einer Minisalami aus den Weihnachtstüten, die Senioren und Kinder im Rahmen eines Spendenprojektes dreier Seniorenzentren für den Kältebus gepackt hatten. Der Mann bedankte sich höflich und Christine war total von seiner Höflichkeit überrascht und meinte aus ihrer Erfahrung als Mutter, dass so manch Jugendlicher nicht so höflich sagen würde, wenn er Hunger hätte. Als wir dann später die Notübernachtung verließen, sahen wir unseren letzten Fahrgast zufrieden auf einer Holzbank sitzen und einen Eintopf löffeln.

Wir beendeten eine besondere Nacht mit anrührenden Begegnungen und hoffen sehr, dass wir für den einen oder anderen in dieser Nacht ebenfalls eine gute Begegnung waren...

- Dirk, ehrenamtlicher Kältebusfahrer