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5. Januar 2012

Die Straße macht krank

Am Mittwochabend trat mir ein Mann entgegen. Sein Gesicht war mit einem Weiß überzogen, dass mich zum Nachdenken zwang. Es schien, als sei eine Salbe dick aufgetragen worden, die nun einziehen müsse. Doch im Trubel der Notübernachtung verlor ich diesen Mann aus den Augen und damit vorerst auch den Gedanken an ihn.

An diesem Abend arbeitete ich im Schlafhaus. Im Schlafhaus gibt es ingesamt 60 Betten auf 6 Räume verteilt - drei für Männer, einen für Frauen, einen für Kranke und einen für Hundebesitzer und deren Hunde. Dort haben unsere Gäste die Möglichkeit sich zu duschen, zu rasieren und die Zähne zu putzen.
Es gibt einen weiteren stark genutzten Raum im Schlafhaus und zwar das Arztzimmer. Dieser Raum ist von immenser Wichitgkeit. Wie man sich vorstellen kann, hinterlässt das Wetter, besonders die Kälte, Spuren auf dem menschlichen Körper. Ich kenne einige Gäste, bei denen ich beobachte, dass sie gefühlt die ganze Saison einen Husten und eine laufende Nase haben.
Einmal saß ein junger Mann vor mir, der mir erzählte, dass seine Beine offen seien. "Es tut so weh, das kannste dir nicht vorstellen. Ich versuche den Schmerz mit Drogen zu betäuben, aber ich gehe heute zur Ärztin", meinte er zu mir.
Viele unserer Gäste haben mit Wunden zu kämpfen, die nicht verheilen und im schlechtesten Fall sich entzünden. Denn durch das Verbringen der Tage in der Kälte und durch die schlechte und unausgewogene Ernährung wird es dem Körper erschwert, diese schnell wieder verheilen zu lassen. Es ist ein Teufelkreis.

An diesem Abend begegnete mir der Mann mit dem weißen Gesicht erneut im Schlafhaus. Die Ärztin schickte ihn ins Behandlungszimmer, wo wir, ein weiterer Mitarbeiter und ich, ihm helfen sollten. Mit Entsetzen stellte ich fest, dass sein ganzer Oberkörper mit dem selben Weiß überzogen ist wie sein Gesicht. Er fing an seine Brust abzurubbeln und mit jedem Handstrich fiel eine Wolke von Haut ab. Nun erkannte ich, dass die oberen Hautschichten sich ablösten, sodass die Haut darunter rot war, teilweise sogar blutig. Wir halfen ihm, seinen Rücken mit Salbe einzureiben, damit er wenigstens ein wenig Linderung erhält. Doch mich bewegte dieser Anblick sehr. Das Erstaunlichste war hingegen, dass der Patient seine Krankheit mit sehr viel Humor nahm und sich nicht viel daraus machte.
Die Straße macht krank. Wenn man bereits körperlich angeschlagen ist, dann drückt sie erbarmungslos noch einmal ihren brennenden Finger dort hinein.

- Anne, Freiwillige