SPENDENKONTO

IBAN:
DE63 1002 0500 0003 1555 00
BIC: BFSWDE33BER

Bank für Sozialwirtschaft
Verwendungszweck:
Kältehilfe

Ansprechpartner

Ulrich Neugebauer

Nummer für Spendenanfragen:
Tel.: 030-690 33-510

Spenden-Button
Button Mission
Button Gästehäuser

10. März 2013

„Du bist hier nicht willkommen“ oder: 27,30.- Euro helfen

Da saß er nun im Vorraum der Bahnhofsmission Zoo, in sich gesunken, hängende Schultern, erinnerte mich an einen ausgesetzten Hund. Nicht ganz ausgewachsen, 18 Jahre jung – so sehen keine Gewinnertypen aus. Ein hübscher Mensch, mittellange Haare, die ihm ständig ins Gesicht rutschten, kleiner Vorhang: wollte er nicht sehen oder nicht gesehen werden? Schlank und etwas feminin, sehr weich, zart. Er war trendy gekleidet, Kapuzenshirt, alles farblich gut aufeinander abgestimmt und jung eben – junge 18 Jahre. Wer passt hier schon her, an den Zoo, in die Bahnhofsmission? Ein Klischee und dennoch – er sicher nicht! Tobias stammt aus Magdeburg und dort lief alles gut, bis die Stimmungen immer gedrückter wurden, dichter, kaum noch etwas anderes blieb. Das kann das Wesen eines Menschen schon vereinnahmen, Besitz ergreifen, eine fremde Macht, die Konturen verwischen – übrig blieb die Diagnose: Depressionen. Wollte schließlich nicht mehr leben, fand keinen richtigen Platz. Selbstmordgefährdet. Mit dieser Diagnose begab er sich ins Krankenhaus, geschlossene Abteilung, erhielt auch Hilfe und es ging ihm besser. So gut, dass nach Wochen die Kraft für Träume reichte und diese brachten ihn nach Berlin.

Fang neu an!

Die ersten Tage hier waren gut, spannend, neue Menschen, viele Eindrücke, etwas Hype, nicht Magdeburg, Metropole, Berlin hat ja was, David Bowie wusste und weiß das auch. Bei einer Freundin war Platz und sie kamen gut miteinander aus. Doch schnell kamen die Stimmungen wieder, alles verlangsamte sich erneut, wurde zur Zeitlupe, tropfte zäh. Das überforderte seine Freundin, die so gar nicht damit umgehen konnte und es überforderte auch Tobias, der zwar Hilfe suchte, aber nicht wusste, welche?

Tobias wollte nicht zur Last fallen und zog aus. Kannte aber niemanden in Berlin, keine Zuflucht, keine echte Hoffnung, die Stadt kann so schnell zur Bedrohung werden. So rennen hier viele in Berlin herum, sie kennen sich aber deutlich besser aus. Wo gibt es was zu essen, wo kann ich schlafen, wie komme ich ohne Geld klar? Es war schon spät, ich hatte keine Zeit mehr und schickte ihn zum Schlafen in ein Übernachtungsheim, vertraute dort auf meinen erfahrenen Kollegen und seine Beratung. Mit Recht, er schickte Tobias am nächsten Morgen in ein Krankenhaus, zur fachärztlichen Behandlung.

Diese dauerte, Berlin ist da gelegentlich recht ruppig, einen Tag, dann saß Tobias wieder auf der Straße. Er wiederholte das mit einem anderen Krankenhaus noch mal selbst, wollte behandelt werden, der Versuch wurde auch hier nach einem Tag wieder abgebrochen. Mit dem Verweis auf Wartezeiten. Und so kam er wieder in die Bahnhofsmission. Mein Kollege wollte ihn gerade in eine weitere Einrichtung vermitteln, eine weitere vermeintliche Hilfe.

Keine Stadt, ich meine das durchaus liebevoll, für angeschlagene Weicheier. Schon manchmal was von Dschungel. Gut, wenn es dir gut geht, aber auch immer für den totalen Absturz geeignet.

S Bahn Gleise.

Manchmal hilft Klartext. Sterben in Berlin oder Leben in Magdeburg? Wir kauften Tobias für 27,30.- eine Fahrkarte nach Magdeburg, brachten ihn zum Zug. Er ist heil in seiner Heimatstadt angekommen und hat sich sofort in sein vertrautes Krankenhaus begeben, erhält Besuch von Freunden und Verwandten.

Und Berlin ist nicht aufgehoben, sondern lediglich aufgeschoben.

 

Dieter Puhl, Leiter der Evangelischen Bahnhofsmission

 

nächster Eintrag

vorheriger Eintrag