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11. Dezember 2012

Wackelig auf den Beinen…

Mit dem Kältebus im Schneegestöber unterwegs zu sein, ist noch einmal etwas ganz anderes als in einer „normalen“ Nacht. Nicht nur, dass die Autofahrer schneckengleich durch Berlin schleichen. Über der Hauptstadt mit ihren unzähligen Lichtern und bunten Treiben liegt eine besondere Atmosphäre. Auch im dunklen Schillerpark im Wedding fiel der Schnee, als wir einem verlassen Schlafplatz einen Kontrollbesuch abstatteten.

Wir hatten in dieser Nacht allerdings nicht viel Zeit, der weihnachtlichen Stimmung Bedeutung zu schenken – dafür sorgte schon das unablässig klingende Kältetelefon. Auch in dieser Nacht waren wir den Menschen die uns anriefen, sehr dankbar für ihre Hinweise auf wohnungslose Mitmenschen, die ihnen aufgefallen waren. So auch der Mann, der im Schnee auf einer Parkbank schlief,. Zwar hatten wir auf unser To Do Liste noch andere Aufträge und Anlaufpunkte vorgesehen, aber einem auf einer Parkbank liegenden Menschen räumten wir natürlich oberste Priorität ein und machten uns sofort auf den Weg.

In dieser Nacht wurden wir von einem Kamerateam begleitet, die von der Situation wohnungsloser Menschen auf der Straße berichten wollten. Wenn Kameras dabei sind, ist das immer eine zweischneidige Sache. Zum einen brauchen wir die Spenden, die über Berichte in der Presse oder im Fernsehen ausgelöst werden - zum anderen liegen uns die Intimsphäre und der Schutz, der auf der Straße lebenden Menschen sehr am Herzen. Deshalb gelten für die Presse unbedingt zu beachtende Regeln. Wir fanden den Mann auf einer Parkbank liegend, inmitten eines kleinen, verschneiten Innenstadtparks. Nachdem wir uns vorgestellt hatten, fragten wir ihn, ob es in Ordnung sei, wenn die Fernsehleute ihre Aufnahmen machen. Mit dem zuerst gegebenen Einverständnis war es in dem Moment vorbei, als das Kameralicht anging. Der Mann wurde aus dem Stand heraus sehr ungehalten und wir gaben sofort das Zeichen, die Kamera abzuschalten. Da der Mann weiterhin ziemlich ungehalten war, sich nicht beruhigen ließ und auch keine Hilfsangebote von uns annehmen wollte, verabschiedeten wir uns von ihm.

Auch wenn der Einsatz hier in die Hose ging, muss doch gesagt werden, dass sich das RTL – Team in dieser Nacht sehr rücksichtsvoll und verantwortungsvoll verhalten hat. Wir fuhren weiter in die Bahnhofsmission, wo ein schlaksiger Mann auf uns wartete, der nach eigenen Angaben auf Heroinentzug war, sich aber noch sehr gut unter Kontrolle habe. Da er derart wackelig auf den Beinen war, dass er alleine nicht laufen konnte, stützten Katja und ich den großen Mann beidseitig und bugsierten ihn in den Kältebus. Schwierig wurde es beim Aussteigen, da konnte er sich fast gar nicht mehr alleine auf den Beinen halten. Trotzdem schafften wir es, ihn wohlbehalten an die Kollegen der Notübernachtung in der Johanniter Straße zu übergeben, wo er etwas Warmes zum Essen und einen Schlafplatz für die eiskalte Nacht bekam.

Auch die polnische sprechende Frau, die wir aus der Notaufnahme eines nahegelegenen Krankenhauses abholten, konnten wir für die Nacht gut unterbringen. Ihr war es wichtig,, dass sie eine heiße Dusche und trockene, warme Kleidung bekam. Offenbar war die Frau hingefallen, worauf die Schrammen und das verkrustete Blut im Gesicht hindeuteten, und dabei ziemlich durchnässt worden. Wir fuhren sie von der Notaufnahme mit dem Rollstuhl zum Kältebus, bekamen sie erstaunlich unkompliziert hineinbugsiert und gaben ihr einen großen Schokoladenweihnachtsmann für den ersten Hunger.

Obwohl es in dieser Nacht zum ersten Mal richtig schneite und das Notruftelefon unablässig klingelte, wurde unsere Hilfe in dieser Nacht nicht übermäßig in Anspruch genommen. Was meiner Meinung nach dafür spricht, dass viele der wohnungslosen Menschen die Witterung gut einschätzen können und rechtzeitig Notunterkünfte aufsuchen.

Beten wir zu Gott, dass es in diesem Winter allen obdachlosen Menschen gelingen möge, am Abend rechtzeitig eine Notunterkunft zu erreichen – wir können nachts nicht alle Menschen finden, die uns brauchen. Deshalb sind wir so dringend auf Hinweise von Mitmenschen angewiesen, die uns den Weg zu hilflosen Menschen zeigen, die sich irgendwo auf den Straßen, Hinterhöfen, U-Bahnhöfen oder in den Parks unserer Stadt befinden.

 

Dirk Trost, Ehrenamtlicher Kältebusfahrer

 

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