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16. November 2012

Lebhafte Nacht trotz milder Temperaturen

Obwohl in dieser Nacht die Temperaturen noch deutlich über dem Gefrierpunkt lagen, konnten wir über Langeweile nicht klagen. Begleitet von der Journalistin Uta und Fotografin Manja, die dankenswerter Weise für die Leserinnen der Frauenzeitschrift „Laura“ über die Arbeit von Kältehilfe und Kältebus der Berliner Stadtmission berichteten, machten wir uns auf den Weg in die Nacht.

Katja und ich fahren bereits im vierten Jahr gemeinsam als Team den Kältebus und wir begannen unsere Tour im Wedding. Offensichtlich waren wir noch zu früh dran, denn bei unseren Abstechern im Schillerpark und den Grünanlagen des Bürgeramtes fanden wir lediglich leere Nachtlager. Auch die uns bekannten Schlafstätten unter einer nahliegenden Autobahnbrücke waren verwaist. Also besuchten wir "Birgit" und "Stephan" auf ihrer Bank in der Turmstraße. Da wir nicht auf Süßigkeiten aus Spenden zurückgreifen konnten, hatte ich privat eine Tafel „Yogurette“ für Birgit und etwas Tabak für beide besorgt. Wir vergewisserten uns, dass es dem Paar gutging und versorgten Birgit mit einem Wollpullover. Mit dampfenden Teetassen in der Hand winkte uns das obdachlose Paar zum Abschied zu.

Auf dem Weg zum Brandenburger Tor, wo wir den Asylanten Unterstützung anbieten wollten, fiel mir eine ältere Frau ein, die wir auf unserer letzten Tour an einer belebten Hauptstraße in Schöneberg gesehen hatten und die einen hilflosen Eindruck gemacht hatte. Ich hatte in jener Nacht auf der Fahrbahn gewendet und gerade den Motor unseres Kältebusses abgestellt, als drei Touristen an die Scheibe unseres Busses klopften. Die drei Herren aus Duisburg waren in Abendgarderobe und sahen aus, als seien sie gerade von einer Konzertveranstaltung gekommen. Sie zeigten sich sehr erstaunt, dass wir so schnell zur Hilfe geeilt waren, wo sie doch erst vor ein paar Sekunden einen Rettungswagen alarmiert hätten. Wir klärten den Irrtum auf und bedankten uns bei den Touristen, dass sie die Bedürftigkeit eines Menschen erkannt und sich gekümmert hatten. Der bedürftigen Frau konnten wir allerdings nicht helfen, da offenbar ein medizinisches Problem vorlag. Wenige Augenblicke später traf bereits der Rettungswagen ein, der die Frau in eine Klinik brachte.

Auch an diesem Abend waren die Asylanten offensichtlich gut versorgt und schliefen bereits im sogenannten „Schlafbus“. Wir plauschten noch kurz mit den in der Kälte bibbernden Aktivisten, als unser Kältetelefon klingelte und uns die Bahn Security bat, einen hilflosen Mann vom Ostbahnhof abzuholen. Für den Rest der Nacht stand mit einem Mal das Notruftelefon nicht mehr still – Bundespolizei, die Rezeption eines Wohnheims, die Notaufnahme der Charité, Sicherheitsdienste und viele besorgte Mitbürger baten um Hilfe für wohnungslose und hilfebedürftige Menschen. Wir sahen nach einem im U-Bahnhof Weberwiese campierenden Mann, holten einen Gast vor dem Alexanderplatz und einen anderen Gast hinter dem Alex ab. Beide Male hatte uns die Polizei angefordert. In dieser Nacht war erstaunlich viel los, obwohl die Saison gerade erst begonnen hatte. Gar nicht vorzustellen, wie sich die Nächte entwickeln werden, wenn Eis und Schnee das Leben obdachloser Menschen auf der Straße bedrohen.

Dirk Trost, Ehrenamtlicher Kältebusfahrer

 

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