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21. Dezember 2012

Wie hältst du das nur aus?

 

Wie hältst du das nur aus? Die Temperatur mit -3 ° in dieser Nacht war nicht ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Ungewöhnlich für mich persönlich war nur, dass ich mir vor Dienstbeginn Skiunterhosen unter meine Hose gezogen hatte und mir trotzdem in dieser Nacht die Kälte unter die Haut kroch. Die Frage meiner Kollegin Susannah war durchaus berechtigt, als sie meinte. >>… wie halten die Menschen die Kälte nur aus? <<

Diese Frage stellte ich auch Robert, den wir in dieser nasskalten Nacht unter einer Brücke an einem Kanal antrafen. >>Och, wieso? <<, entgegnete er und deutete auf seine kleine Kanne mit Zitronentee, die auf einer Art Nachttisch neben seinem Schlafsack stand. >>Ich hab doch alles. << Während über dem Kanal Nebelschwaden zogen und mir die Kälte unter die Kleidung kroch, drehte Robert sich von dem angebotenen Tabak eine Zigarette und erzählte, dass er schon rund 18 Jahre auf der Straße lebt und auch schon Temperaturen von minus 19 Grad erlebt habe.

Von den gleichen Erfahrungen erzählte uns auch Tom, der sein Nachtlager auf einem schmalen Bürgersteig in Kreuzberg aufgeschlagen hatte. Auf meine Frage, ob die Temperatur im Verlaufe der Nacht gesunken sei, griff er nach einem Thermometer, dass neben seinem Schlafsack lag, warf einen Blick drauf und meinte: >>Nö, ist ok. << Da auch er lieber auf dem Bürgersteig übernachten und uns nicht in eine Notübernachtung begleiten wollte, konnten wir ihm nur Kaffee und ein paar Süßigkeiten anbieten, was er auch gerne annahm.

Weniger Glück hatten wir in einer Seitenstraße nahe des bekannten Shoppingtempels KaDeWe. Eine besorgte Frau hatte uns angerufen und auf einen Mann hingewiesen, der in einem Lieferanteneingang campierte. Ihn trafen wir leider nicht an, nur sein umfangreiches Matratzenlager. Ich war total gerührt, als ich sah, dass ein unbekannter Wohltäter einen Schlafsack mit einem Zettel auf sein Nachtlager gelegt hatte, auf dem sinngemäß stand: >>...vielleicht kannst du den Schlafsack gebrauchen, wenn es dir kalt wird…<<.

Ob es an der Vorweihnachtszeit oder einfach nur am großen Herzen unserer Berliner liegt – in dieser Nacht trafen wir besonders oft auf Wohltätigkeit und Mitgefühl, für die ich mich von ganzem Herzen bedanken möchte! Ebenso überrascht und gerührt war ich von der spontanen Kleiderspende eines Wohltäters, der unseren Bus von seinem Fenster aus, in der Müllerstrasse hatte stehen sehen. Der Spender packte rasch ein paar warme Sachen in eine Tüte und brachte uns die Kleidung spontan an den Bus – und das nachts um 2 Uhr! Eine junge Frau überreichte uns in einem Bankvorraum eine spontane Geldspende mit den Worten: >>Ich finde, dass ihr eine wichtige Arbeit macht! <<. Ein anderer Wohltäter, rief uns wegen eines obdachlosen Mannes auf dem Nottelefon an. Leider mussten wir ihm sagen, dass wir nicht so schnell bei der angegebenen Adresse sein konnten, da wir noch zuerst noch andere Adressen anfahren mussten. Da setzte er den obdachlosen Mann auf eigene Kosten in ein Taxi und schickte ihn in die Notübernachtung in Johanniterstrasse.

Es war eine Nacht voller berührender und menschlicher Begegnungen. So auch die Begegnung mit einem Mann, dem es offensichtlich gesundheitlich nicht so gut ging und der sich sehr aufgeregt zeigte, als wir ihn ansprachen. Er sprach gebrochenes Englisch und als Heimatsprache Russisch. Ich probierte zum ersten Mal meine neue Errungenschaft aus – eine Translate – App, die ich mir auf mein Handy geladen hatte. Ich erklärte dem Mann, wer wir sind und wo und wann er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen kann. Gleichzeitig bot ich ihm einen Schlafplatz und eine warme Suppe für die Nacht an. Da ich kein Russisch spreche, ist diese Übersetzungs – App eine geniale Erfindung. Der Mann lauschte mit großen Augen dem Wunderwerk moderner Kommunikationstechnik, die meine Worte ins Russische übersetzen. Ok, zugegeben – die Technik funktioniert nicht völlig problemlos. Die Übersetzungen dauern teilweise recht lange und manchmal kommen auch Sätze zustande, dass >>...wir nichts kaufen…oder wir günstige Sonderangebote haben…<

Das liegt aber wohl eher an meiner zu schnellen Spracheingabe. Aber wie auch immer – die Übersetzung lohnt sich bereits in dem Moment, wenn wir gemeinsam herzlich über total schräge Übersetzungen lachen. Einen Grund zu lachen…haben die wohnungslosen Menschen, die bei diesen Temperaturen auf der Straße oder unter der Brücke leben, sehr selten.

Der Mann, der mit großen Augen der russischen Übersetzung zugehört hatte, begleitete uns übrigens mit zur Notübernachtung und erhielt dort einen Schlafplatz für die Nacht. Ob es unser gemeinsames Lachen, die Aussicht auf einen Schlafplatz oder die Zuwendung durch unser langes Gespräch war, was Vertrauen schuf – wer weiß das schon…

Dirk Trost, Ehrenamtlicher Kältebusfahrer

 

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