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22. Dezember 2012

Die dritte Fahrt

Samstag, kurz vor Heiligabend, -2 Grad, Schnee, Schneematsch. In der Nacht wird es langsam wärmer, aber auch glatt. Es ist bereits meine dritte Fahrt als Beifahrer in der Saison, zweimal mit Matze und heute mit unserer Hauptamtlichen Susannah. Im zweiten Jahr bin ich nun als Beifahrer im Kältebus unterwegs, im dritten Jahr unterstütze ich im Nachtcafe der Stadtmission in der Joachim-Friedrich-Straße, immer donnerstags.

Wer ich bin? Ich bin 53, lebe mit einer ganz lieben Frau in einer wunderschönen, WARMEN Wohnung in Friedenau und gehe tagsüber einer nicht schlecht dotierten Arbeit nach. Schlicht: Mir geht es gut!

Warum ich in der Kältehilfe aktiv bin? Weil helfen gut tut! Es macht mich froh, anderen Menschen, die es beileibe nicht so gut getroffen haben, zu unterstützen. Ich trage – das klingt jetzt unbescheiden – Sonne im Herzen, gehe gern auf Menschen zu, spreche Sie an, höre den Geschichten, Ihren Schicksalen zu und kann manchmal ein wenig Mut zusprechen.

Unsere erste Begegnung am Samstag wird mich noch lange irritieren: Wir wurden mit dem Kältebus zum Hauptbahnhof gebeten. Dort hatte sich ein Flüchtling – nennen wir ihn „Leo“ – aus Bangladesh eingefunden. Die Mission schließt früh und für Leo musste eine Unterkunft gefunden werden. Leo sprach weder deutsch noch englisch und hatte nur einen Zettel in der Tasche: Er sei vor Wochen in einem Container per Schiff in Amsterdam oder Rotterdam angekommen! Von dort sei er mit dem Zug nach Berlin gefahren! Nun war er hier im „Land der Träume“, fror, zitterte und weinte. Was dieser Mensch wohl alles durchgemacht haben muss? Er war nun auch wirklich bei uns nicht richtig, sei’s drum, wir brachten ihn in die Lehrter Straße, wo er einen warmen Platz für die Nacht und Essen bekam. Wir übergaben ihn einer Ehrenamtlichen im Schlafhaus. Ich klärte über das Wenige, was wir wussten, auf – und dann kam der Hammer: Die Ehrenamtliche sprach Leo in Hindi an! Ich mache mir viele Gedanken, wie es mit ihm weitergeht, was aus ihm werden wird.

In der Nach klingelte unablässlich das Telefon, einige Male von Polizeistationen – sogar aus Königs-Wusterhausen -, Sicherheitsdiensten und Notaufnahmen stadtbekannter großer Krankenhäuser. Kein Wunder bei dem Wetter. Wir fuhren zunächst zum „kleinen Tiergarten“ und besuchten ein bekanntes Pärchen, versorgten beide mit warmen Getränken. Dann zur Müllerstraße, ebf. zu einem bekannten Schlafplatz; wir trafen einen jungen Mann an und versorgten ihn mit Süßigkeiten. Ein seltener Moment, wie Susannah anmerkte: „Er nimmt sonst nichts an“. Weiter ging es zur Notaufnahme im Gertrauden-Krankenhaus. Wir konnten eine verletzte Frau, die zur Erstversorgung aufgenommen war, in einer Notübernachtung nur für Frauen in Mitte bringen.

Dann wurden wir zur Kulturbrauerei in Prenzelberg gebeten: Ein Wohnungsloser mit einem schlimmen Fuss suchte nach einem Schlafplatz; der Anrufer blieb bis wir ankamen! Auch das beeindruckt mich: Es ist nicht das erste Mal, dass aufmerksame Mitmenschen Menschen in Not melden und auch solange bleiben, bis wir eintreffen. Wir konnten auch ihm einen warmen Platz für die Nacht und warmes Essen besorgen.

Die Nacht verging wie im Flug. Es erreichten uns viele Anrufe von besorgten Bürgern. Beeindruckend, wie die Kältehilfe von der breiten Bevölkerung angenommen wird. Auch in dieser Nacht konnten wir nicht allen Hinweisen nachgehen, es waren zu viele. Ich hoffe trotzdem, dass alle einen guten Platz gefunden haben. Manchmal wäre es sehr hilfreich, noch weitere Unterstützung anbieten zu können.

Oliver Stemmann Ehrenamtlicher

 

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