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27. März 2013

Die "Taschen-Erna"

Sonst sitzt sie immer am Kreisel in der Fußgängerzone am S- und U- Bahnhof Steglitz mit einer Unmenge an Taschen und dies schon seit mehreren Jahren. Diese Frau ist selbst für mich, der nicht aus dem Süden von Berlin kommt, ein Begriff. In ihrem Umfeld ist sie als „Taschen-Erna“ bekannt Wenn ich mich dorthin verirrte, saß sie in ihren Exkrementen.

Am 26.3.2013 kurz nach 8 Uhr rief hier, in der Bahnhofsmission, die Polizei unseres zuständigen Abschnitts an, sie seien gerade in der Notübernachtung Franklinstraße und sollten dort eine ältere Frau hinausbringen. Am Abend vorher solle sie von der Polizei Mitte aus einem Krankenhaus in die Franklinstraße gebracht worden sein. Aufgrund der gut vorangegangenen Zusammenarbeit und aufgrund der Witterungsbedingungen, sagte ich den Beamten sie könnten sie hierher bringen. Als sie die Dame, die weder Ausweis noch andere Papiere bei sich hatte, dann her brachten, sah ich eine vollkommen gezeichnete, verwirrte Frau, die nicht wusste welches Jahr wir haben, wo sie gerade eigentlich ist und sie hatte die Hosen erneut vollgekotet.

Nach intensiver Recherche beim sozialpsychiatrischen – Dienst(SPD) Steglitz - Zehlendorf wurden Name und Geburtsdatum ausfindig gemacht. Sie leidet aus meiner Sicht an Demenz und braucht dringend Pflege und Hilfe. Auch beim SPD Steglitz-Zehlendorf ist wenig über sie bekannt. Der zuständige Kollege, der unter anderem an diesem Fall schon mal dran war, ist momentan im Urlaub und somit gab es keine ausreichenden Informationen. Auch über einen bereits vor Monaten gestellten Betreuungsantrag gibt es bislang kein Ergebnis. Desweiteren ist das Einkommen, die Krankenversicherung, etc. bislang ungeklärt. In Anbetracht der Tatsache, dass sie hier in Jogginghose, dünner Jacke und Hausschuhen saß, entschied ich mich den SPD Charlottenburg hinzuzuziehen, damit wir noch vor der Nachmittagsessensausgabe eine adäquate Lösung finden konnten. So fuhr ich mit ihr dort hin.

Sie wurde dann sofort in die Friedrich von Bodelschwingh - Klinik eingewiesen, wo sie heute immer noch war. Natürlich fehlen den dort behandelnden Ärzten auch Informationen über sie. Um diese mit Informationen zu versorgen, beziehungsweise um eine langfristige Lösung für diese Frau zu finden, fuhr ich heute dort hin und brachte ihr neue Sachen und 3 Vanillepuddings, die ich ihr gestern versprochen hatte, als sie freiwillig mit den Rettungskräften in die Klinik fuhr.

Zwischenzeitig wurde sie in der Klinik von Läusen und anderen Parasiten befreit, desweiteren wurde sie einem Dermatologen vorgestellt, der sie weiterführend behandelt aufgrund von verschiedenen Hautkrankheiten. Was ich dann aber sah bewegte mich dazu 30 Euro für die Fußpflege dort zu lassen, denn die Füße waren verbunden und es guckten nur schwarze, lange, abgestorbene Fußnägel heraus. Als ich mich dann mit der zuständigen Schwester unterhielt sagte mir diese, dass man erst klären müsse wie und wo und ob überhaupt sie versichert sei und wer das bezahlen sollte. Ich denke, dass in diesem Ausnahmefall natürlich die Füße jetzt gemacht werden müssen und nicht in 4 Wochen. Die Schwester wollte gleich die Fußpflege anrufen und einen zeitnahen Termin vereinbaren. Ich denke, dass auch diese alte Frau es verdient hat würdig zu leben. Weiter ist nun angedacht die Betreuungsfrage zu klären, eine Pflegestufe zu beantragen, sowie ein adäquates Pflegeheim zu finden. Außerdem bin ich der Meinung, dass die Zusammenarbeit mit der Klinik sehr gut ist. Ich werde die Sache weiterhin im Auge behalten.

Dann heute ein weiterer Fall: Heute Vormittag erschien hier zum Spieletag ein Herr, Baujahr '34. Er war abgängig aus seinem Pflegeheim in Wedding, in dem er aufgrund seiner Demenz untergebracht war. Auch er war unzureichend gekleidet und in einem schlechten Gesundheitszustand. Nach einigen Recherchen mit der Polizei, nahm ich Kontakt mit dem Pflegeheim und dem Betreuer auf. Dieser erschien kurze Zeit später hier. Wir überredeten ihn gemeinsam, in sein Pflegeheim zurückzukehren. Von uns wurde er dorthin gebracht und war wieder heil in seinem gewohnten Umfeld. Außerdem brauchte er nicht in die Psychiatrie zu gehen. In diesem Sinne, schönen Feierabend.

Ralf Sponholz,

Hauptamtlicher Mitarbeiter der Evangelischen Bahnhofsmission

 

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