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30. Dezember 2012

"Hermann aus dem Grunewald"

 

Hermann W., 54 Jahre alt, ein netter, freundlicher, sympathischer Zeitgenosse ist seit mehreren Monate wohnungslos, übernachtete nun schon länger draußen im Grunewald. „Alles kein Problem, ich fühle mich frei und unabhängig, genieße das Leben so wie es ist“. Diese Botschaft kam an – mehrere Medien berichteten über den Einsiedler aus dem Grunewald. Ich mag Hermann, er ist echt nett und ein fairer, hilfsbereiter Mensch, dennoch dachte ich gelegentlich „Eh Hermann, du bist ein Blödmann, so schön und gemütlich ist es da draußen auch nicht, erzähle doch bitte nicht so einen romantischen Stuss.“

Am 6.12. wachte Hermann morgens auf, spürte seine Füße nicht mehr, konnte nicht aufstehen, sich nicht bewegen. Drohte zu erfrieren. Eine Joggerin verständigte die Feuerwehr, Hermann wurde in ein Krankenhaus gebracht. Diagnose: Erfrierung beider Füße 2. Grades. Hermann wurde vernünftig im Krankenhaus behandelt, am 12.12. (die Füße waren etwas verheilt, dennoch waren sie taub, ohne Gefühl) wurde er entlassen. „Begeben sie sich in ambulante Behandlung, zur regelmäßigen Nachsorge“; Ein frommer Wunsch bei einem wohnungslosen Menschen, ohne Krankenversicherung, mit abgelaufenem Ausweis, ohne 10.- Praxisgebühr. Es gibt einige wenige Angebote der ärztlichen Versorgung. Hermann ging ihnen nicht nach. Zog in eine Friedhofstoilette, versuchte, seine Füße leidlich selbst zu versorgen. Viele wohnungslose Menschen sind wie große Kinder, gehen ihren Angelegenheiten leider nicht zielgerichtet nach, wären sonst ja gar nicht wohnungslos.

Das ging echt nach hinten los. Am 27.12. waren Hermann und ich in der Bahnhofsmission Zoo verabredet, ich hatte ihn zwischenzeitlich über das Betreute Wohnen informiert, wir wollten gemeinsam ein Wohnprojekt aufsuchen. Hermann kam zu spät, war in schlechter körperlicher Verfassung, die Füße/Beine versagten ihren Dienst, waren wund, blutig, offen. Beide. Die Haut löste sich an vielen Stellen. Wir riefen die Feuerwehr an, die schnell zur Stelle war, Hermann ins Krankenhaus bringen wollte. War so abgesprochen. Tatsächlich ging die Fahrt bis in die Budapester Str. – hier hielt der Rettungswagen. „Bitte steigen sie aus, sie sind doch kein Notfall, können gut allein laufen“. Das mögen so die Grundbedingungen des Rettungsdienstes sein; Hermann gab aber an, die Sanitäter hätten vergessen, sich seine Füße überhaupt anzuschauen. Obwohl er mehrfach darum bat. Mühselig und sehr langsam, ohne Schmerzen, er spürt seine blutigen Füße ja gar nicht mehr, suchte Hermann danach ein nahes Krankenhaus auf. Wurde hier vom Pförtner abgewiesen: „Sie sind kein Notfall, können doch noch laufen.“ Auch der Pförtner vergaß einen Blick auf die Füße zu werfen, ein Arzt wurde nicht hinzugezogen.

Hermann suchte seine Friedhofstoilette wieder auf, versuchte über Tage, seine nässenden Füße an der Heizung zu trocknen. Heute nun kam er, es fiel ihm sehr schwer, wieder in die Bahnhofsmission, deutlich abgemagert, gezeichnet. Wir geben ihm über die Feiertage, das ist im Normalfall so gar nicht vorgesehen, ein Notbett, erweitern unsere Konzeption schnell mal hin zur Krankenstation. Um 21.00 wird unser Kältebus ihn in unsere Notübernachtung in der Lehrter Str. transportieren. Hier hat dann auch eine Ärztin Dienst. Mal sehen, was sie dazu sagt?

Dem „normalen Bürger“ wäre das so erst gar nicht passiert, falls doch, wäre er sicher in ambulanter Behandlung. Würde mit sauberen Verbänden im Warmen auf dem Sofa liegen, liebevoll versorgt von einem nahen Menschen. Über Wochen krankgeschrieben – Auszeit. Bei wohnungslosen Menschen fehlen diese Angebote leider. Und wir kennen viele! Die Auswirkungen sind schlimm bis tödlich.

Dieter Puhl – Leiter der Bahnhofsmission Zoo (0163 7918717)

 

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