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11. März 2014

Halle(-)lujah

19:07 Uhr. 37 Minuten zu spät zum vereinbarten Treffpunkt in der Notübernachtung 3 am Innsbrucker Platz.  Vor uns erbaut sich ein riesengroßes weißes Etwas. Das ist also die Wärmelufthalle,  von der alle sprachen. Das UHO (Unbekanntes Hilfs-Objekt). Oder auch die Halle-Luja. Gespannt auf das Innere dieser Halle gehen wir durch die grüne Tür, die, wie uns berichtet wurde, erst am heutigen Tage eingebaut worden war.

Als wir dann drinnen waren, staunte ich nicht schlecht. Von innen war es noch viel größer als es von außen schien.  Grüner Rollrasen erstreckte sich über den mittleren Bereich der Halle. Es war ziemlich warm im Vergleich zu draußen, sodass ich schnell meine Jacke ablegte. Neugierig sah ich mich um. Wenn man reinkommt, befindet sich gleich rechts der Bereich für das Gepäck und links ein abgetrennter Raum für die Frauenbetten. Es waren drei  Stück an der Zahl. Ein paar Schritte weiter rechts war ein Container aufgestellt, indem sich das „Büro“ und der Mitarbeiterraum befinden. Als Nächstes folgten der Thekenbereich und daneben die kleine Notkleiderkammer.  Gegenüber standen auf einer kleinen Empore viele Tische und Bänke und dahinter strahlte die grüne Rasenfläche an.  Liebevoll waren einige Stellen mit Pflanzen und Blumen bestückt, was die Atmosphäre noch einmal erwärmte. Am Ende des Rasens war eine kleine Raucherecke abgegrenzt, die direkt neben einer Luftregulierung war, sodass der Rauch sofort abgezogen und nach draußen weitergeleitet wurde. Clever.

Am Ende der Halle waren noch zwei weitere blaue Container aufgestellt, in denen sich Toiletten und Duschen für Männer und Frauen befanden. Gegenüber von diesen Sanitäranlagen saß eine Mitarbeiterin an einem Tisch, um Shampoo und Handtücher auszuteilen. Direkt schräg hinter ihr war ein Bereich abgegrenzt, in dem 57 Feldbetten standen, die als Männerschlafplätze dienten.

Alles in allem war die Notübernachtung einfach riesengroß, übersichtlich und hatte den Flair eines Feriencamps. Ein Gast selbst sagte in einem Interview, das wir mit ihm führten: „Das ist wie Zelten im Winter“. Ich denke, dass diese Beschreibung sehr passend ist.


Der Auftrag

Interview. Genau. Der Grund, weshalb wir, und das sind Ingmar und ich, eigentlich gekommen waren, war der, dass wir den Auftrag erhalten hatten, eine kleine Dokumentation über die NÜ3 der Berliner Stadtmission drehen sollten. Wir machten vor Öffnung für die Gäste viele Aufnahmen von den Räumlichkeiten, Interviews mit Ludwig und Matthias, die Leiter der Halle-Luja, und lauschten der Mitarbeiterandacht.

Der Ablauf und die Regeln waren mit denen der Notübernachtung 1 in der Lehrterstraße, wo ich jeden Mittwoch mitarbeite, identisch. Der Unterschied: die Lokalität. Am Eingangsbereich war hier viel mehr Platz zum Abtasten und Taschen durchsuchen. Ein Pluspunkt für die NÜ3.

Bei der Frage, ob die Gäste damit einverstanden waren, gefilmt zu werden, waren die Reaktionen unterschiedlich. Entweder sie waren vehement  dagegen oder wollten unbedingt im Bild sein. Leider überwog die Ablehnung, was es uns erschwerte Aufnahmen von einer großen Gruppe zu machen. Letztendlich konnten wir dann doch gute Aufnahmen machen und auch zwei Gäste interviewen.

Bewegende Momente

Ein besonderes Highlight für mich war an diesem Abend die Gästeandacht. Ludwig hatte sich seine Gitarre genommen und sich im Schneidersitz ins Gras gesetzt und viele Gäste setzten sich einfach dazu. Er sang und spielte das Lied „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“. Einige der Gäste hatte scheinbar viel Spaß daran, Ludwig musikalisch zu unterstützen und trommelten auf den als Aschenbecher fungierenden Keksdosen und sangen laut – wenn auch den falschen Text, in der falschen Tonlage und der falschen Melodie – mit. Viele Male musste ich meinen Gesang wegen eines Lachens unterbrechen. Aber die Stimmung war unglaublich. Nachdem Ludwig fertig war, wollten zwei weitere Gäste ihr musikalisches Talent unter Beweis stellen und spielten etwas auf der Gitarre. Doch das genügte den Gästen nicht, sie wollten unbedingt „Hallelujah“ von Jeff Buckley singen. Also suchte ich die Akkorde mit dem Handy heraus und gab sie Ludwig, der den Zuhörern dann ganz spontan diesen Wunsch erfüllte. Im Refrain stimmten alle mit ein und sangen aus voller Brust heraus – wenn auch schief und nicht im Takt – die Zeilen und ich spürte, wie ich wirklich bewegt von diesem Moment war.

Das sind diese Momente, in denen ich all den Frust, den ich aus Misserfolgen in der Arbeit in der Notübernachtung ansammle, vergessen kann und wieder weiß, warum ich diese Arbeit so sehr liebe.  


Maike Ahlers, Freiwillige der Berliner Stadtmission

 

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