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15. November 2013

Bitte keine Polizei!

Mit weit aufgerissenen Augen sah mich Tamara erschrocken an – sie hatte die Erklärungen eines Security Beamten falsch verstanden und hatte Angst, dass wir die Polizei rufen würden, was wir natürlich nicht taten, denn dazu es gab überhaupt keinen Grund. Die 28-jährige Tamara aus Polen saß auf dem nackten Fußboden vorm Eingang einer Bank im angesagten Kiez Prenzlauer Berg und bot Selbstgebasteltes und aus Zeitungen ausgeschnittene Bilder zum Verkauf an. Um sie herum brodelte das normale Gedränge der jungen Party People, die sich auf dem Weg zum Club noch schnell Bares aus dem Geldautomaten zogen.

Sophie und ich waren besorgt um die junge Frau, die ein paar Straßen weiter in einem leer stehenden Hausflur schlief, wenn sie müde wurde – eine junge, obdachlose Frau alleine auf Berlins Straßen, gibt Anlass zur Sorge. Wir boten Tamara heißen Tee an, den sie gerne annahm. Das war aber auch schon alles, was sie von uns annahm. Lächelnd schlug sie das Angebot aus, sie zu einem Schlafplatz in eine Notübernachtung zu fahren. Auch für andere Hilfsangebote hatte sie kein Ohr. Tröstlich war nur, dass die Security Mitarbeiter die junge Frau vor der Bank sitzen ließen und ein Auge auf sie hatten.

Vertrauen braucht Zeit

Die Frau, die sich unter einer dünnen Wolldecke auf dem gegenüberliegenden Bürgersteig zusammengerollt hatte, wollte zunächst gar nichts annehmen. Stattdessen beschimpfte sie uns ohne erkennbaren Grund. Da aber auch eine Schimpfkanonade eine Kommunikationsform ist, hörten wir uns in Ruhe an, was die Frau bewegte. Wir haben zwar keine wirklichen Zusammenhänge verstanden, aber nach einer Weile beruhigte sich die Frau und nannte uns sogar ihren Namen – Elena aus Rumänien. Wir leisteten Elena noch eine Weile Gesellschaft und wünschten ihr eine gute Nacht. Bei der Verabschiedung boten wir ihr nochmals Tee an, den sie diesmal annahm.

Einen heißen Tee nahmen auch Maria und Bernd gerne an, die wir im Schatten des Busbahnhofs in der Schloßstraße in Steglitz trafen. Eigentlich hatte Bernd ja eine möbliertes Zimmer, aber dann und wann fiel ihm die Decke auf- den Kopf und er schlief lieber draußen auf der Straße – auch bei 4 Grad minus. Da Maria sich nur mit einer dünnen Decke gegen die empfindliche Kälte schützen konnte, versorgten wir sie mit einem dicken, wasserdichten Bundeswehrschlafsack – schönen Gruß an den II. Zug aus Bad Segeberg. Da Maria kalte Finger hatte, drehte ich ihr noch eine Zigarette, dann verabschiedeten wir uns von den beiden.

Leere Teekannen und kalte Vorboten des Winters

Mit 4 Grad war es eigentlich nicht dramatisch kalt, aber ich stellte im Verlauf der Nacht fest, dass ich besser eine dickere Hose hätte anziehen sollen. Wenn es mir in den frühen Morgenstunden schon fröstelte, wie musste es dann erst dem jungen Mann gehen, der auf einer dünnen Isomatte in einem Hauseingang der Frankfurter Allee campierte? Er behauptet zwar, dass ihm nicht kalt sei, aber so recht konnte ich es ihm nicht glauben, als ich ihm Tee eingoss. Da es kurz vor halb drei war und wir bereits viel Tee ausgeteilt hatten, waren unsere Kannen so gut wie leer, sodass ich seinen Becher nur zur Hälfte füllen konnte. Glücklicherweise befand sich auf der anderen Straßenseite eine Tankstelle und ich kaufte am Nachtschalter einen heißen Becher Tee für den Mann.

Insgesamt war diese Nacht eine ruhige Nacht mit erträglichen Temperaturen, aber der Winter schickte bereits seine kalten Vorboten – kommenden Dienst ziehe ich mir vorsichtshalber eine Winterhose an!

Dirk Trost, Kältebusfahrer

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