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13. Januar 2015

Klang der Jugend

Nächte mit klarem Himmel sind selten in Berlin. Schon allein die Lichtverschmutzung lässt einen die Sterne nur erdenken. Aber nach klaren Himmeln schauen wir als Kältebus auch gar nicht. Viel mehr haben wir das Privileg, die ebenso raren klaren Momente mancher unserer langjährigen Wohnungslosen zu erleben. Matze und ich fahren auf der Autobahn und wollen Fred in die Lehrter Straße bringen. Fred kennt die Lehrter Straße und den Kältebus gut, wir ihn auch. Manchmal ist er einfach nur total fertig oder zugedröhnt oder beides - meistens beides.

Er sitzt mit hängendem Kopf auf seinem Platz und ich bin mal wieder erstaunt, wie schnell einige Menschen einschlafen können. Das Radio säuselt leise Hits der vergangenen Jahre. Die Werbung ist vorbei und ein neues Lied wird gespielt. Schon nach den ersten Tönen rührt sich der schlafend geglaubte Fred und bittet das Radio lauter zu machen. Nach ein paar Takten entpuppt sich das Lied: "The Wild Boys" von Duran Duran. Ich muss schmunzeln, als ich den schmächtigen, schlappen Fred ansehe, wie er das Lied seiner Jugendzeit genießt.

Single-Platte von Duran Duran-Wild Boys

Ich komme ins Grübeln, an welchem Punkt in seinem Leben er wohl stand, als er dieses Lied mit seinen Kumpels gehört und mitgesungen hat. Es scheint, als zeuge dieser Moment von dem Abenteuer, das er als „wild boy“ einmal erwartet hat; von dem er Jahre zuvor vielleicht mehr erhofft hatte als Obdachlosigkeit und Abhängigkeit. Er singt nicht mit. Es wirkt, als schwelge er in Erinnerungen. Ob Freudige oder Melancholische, weiß ich nicht. Ich frage ihn nicht, lasse ihn das Lied genießen und freue mich auf einen anderen Abend, an dem ich ihn in einem klaren Moment nach seiner Lebensgeschichte fragen werde. Heute Nacht darf er mit diesem Lied und einer warmen Suppe im Bauch schlafen gehen.

Ludwig Grünert, Kältebusfahrer

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