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03. Dezember 2015

Hast du Angst vor mir?

Es ist die erste Tour dieser Kältesaison, eine noch recht warme Sonntagnacht am ersten November. Mein Beifahrer und ich bereiten den Abend vor, laden Schlafsäcke, Isomatten, Süßigkeiten und Tee in das Auto und fahren los. Erwartungsgemäß klingelt das Kältebushandy in den ersten Tagen kaum, sodass wir uns viel Zeit nehmen konnten, um bekannte Personen aus den letzten Jahren zu (be-)suchen, oder selbst auf Erkundungstour zu gehen.

 

Der Kältebus fährt jeden Abend durch Berlin.

Auf dem Weg vom Bahnhof Zoo zum Savignyplatz entdecken wir links am Straßenrand unter der S-Bahnbrücke eine Person, halten an und steigen aus. Ich bin, da mein Beifahrer noch den Tee holt, zuerst vor Ort und gehe auf ihn zu, als er mich abwertend von unten anbrummt: „Na, da bin ich ja mal gespannt..“ Ich trete auf ihn zu und betrachte ihn flüchtig. Wenig Zähne, wenig Haare, dreckige Finger, aber viel Bass in der Stimme. Sein rechter Arm ist mit einem glänzenden, lila Stulpen bedeckt, der sich später als das Symbol seines Drachenkönigdaseins entpuppen wird. Ich spreche ihn freundlich an, worauf er verwundert erwidert, ob ich denn vor ihm keine Angst hätte. Nun, ich war noch nie einem Drachenkönig begegnet, also nein. Das könne sich noch ändern.

Wir kommen auf die Musik zu sprechen, denn er offenbart mir, ein begnadeter Gitarrist zu sein, der schon mit Joe Cocker gesungen habe und dem lediglich das Instrument fehle. Ich verspreche ihm, die Augen offen zu halten, verabschiede mich und fahre weiter.

Bereits 2 Tage später kehre ich zurück, mit einer anonymen Spende im Kofferraum. Er begrüßt mich ähnlich abgeneigt wie zuvor, scheint mich sogar schon vergessen zu haben. Ich stelle mich erneut vor und spreche ihn auf sein Hobby an, während ich aus dem Kofferraum eine gebrauchte, aber funktionsfähige Gitarre herausziehe und ihm überreiche. Seine finsteren und eindringlichen Augen weichen auf. Er schaut auf mich, dann auf die Gitarre und wieder auf mich. Alle Abneigung scheint vergessen, er drückt mich an sich und sagt: „Das vergesse ich dir nie!“ Tatsächlich kann er recht gut Gitarre spielen und seine kratzig-tiefe Bluesstimme erfüllt die Umgebung. Seit diesem Tag besuche ich ihn immer wieder und ein Lächeln geht über seine aufgerissenen Lippen, sobald er den Kältebus sieht.

Tobias Hanßmann
Kältebusfahrer