SPENDENKONTO

IBAN:
DE63 1002 0500 0003 1555 00
BIC: BFSWDE33BER

Bank für Sozialwirtschaft
Verwendungszweck:
Kältehilfe

Ansprechpartner

Ulrich Neugebauer

Nummer für Spendenanfragen:
Tel.: 030-690 33-510

Spenden-Button
Button Mission
Button Gästehäuser

07. April 2016

My songs know what you did in the dark

Musik ist eine Sprache, die jeder versteht.
Deshalb biete ich unseren Fahrgästen im Kältebus die Möglichkeit, aus den unterschiedlichsten Musikrichtungen auszuwählen. Rock, Pop, Blues, Disco, Klassik, Metal, Hip-Hop…nicht selten nahm ich resignierte Menschen auf und konnte sie nach einer guten Portion Musik mit guter Laune in einer Unterkunft absetzen.
Oft fiel mir dabei auf, wie treffend viele Lieder in die verschiedensten Situationen passten und möchte anhand dieser Lieder meine Kältebussaison zusammenfassen.

BB King – Better Not Look Down

„You better not look down if you want to keep on flying Put the hammer down keep it full speed ahead You better not look back or you might just wind up crying You can keep it moving if you don't look down“ Ich sitze im Auto, eben habe ich am Bahnhof einen Mann eingesammelt. Auf der Fahrt zur Lehrter fängt er an: „Bring mich nicht in die Lehrter. Bring mich in mein Libelingscafé. Dort steht ein Klavier, und darauf will ich mich umbringen, denn das alles hier ist scheiße.“
Was kann ich junger Mann einem alten Herrn erzählen, der sich umbringen will? Auf der Fahrt wiederholt er seinen Todeswunsch mehrmals. Ein Stoßgebet zum Himmel: Vater, pass auf ihn auf!

Kältebusfahrer Tobias kümmert sich um einen Mann auf der Straße.

Bob Marley – Three Little Birds

„Dont worry abaout a thing, because every little thing’s gonna be alright.“ Nach 8 Jahre Beziehungsarbeit durch den Kältebusses habe ich das Glück, ein zartes Pärchen auf dem falschen Fuß (unser richtiger Fuß;) zu erwischen, sodass sie sich zum ersten Mal trauen, in eine Unterkunft zu gehen. „Wird man dort auch wirklich nicht verprügelt? Ich habe Angst...“ „Don’t Worry!“, antworte ich. Seit dieser Nacht kommen sie regelmäßig von selbst.

 

Eminem – Lose Yourself / Till I Collapse

„You better lose yourself in the music, the moment you own it, you better never let it go“ Ich finde Alexa am Bahnhof Zoo, total aufgelöst, verheult, am Boden zerstört. „Was kann ich dir Gutes tun?“, frage ich. „Hip-Hop, bitte!“, stammelt sie. Kaum zu glauben, wie nun Party auf dem Rücksitz abging. Lachend und dankbar verlässt sie das Auto vor der NÜ. Durch Musik kann man sich im Moment verlieren. Alles vergessen, was um einen rum ist und war.

 

DJ Antoine – Ma Chérie

Okay, der Text passt hier nicht. Aber ich erinnere mich an die Situation mit Enrico Engel, als wir zusammen im Auto vor einem Krankenhaus in Spandau warteten, während meine Beifahrerin im Krankenhaus nach der anderen Person sah. Was haben wir nur im Auto abgedanced, begleitet von Enricos freudigen „Yeeeaa’s“ und „Ooooh’s“. Wie kann man in seiner Situation eine so ansteckende Freude aufbringen?

Jonny Lang – Before You Hit The Ground

„You better look up or you're gonna be gone, before you hit the ground“ Ich bekomme einen Anruf aus einem U-Bahnhof. Als wir dort ankommen, riecht es in der ganzen Station nach Verwesung und Fäulnis. Am anderen Ende entdecken wir einen Mann, dessen linker Arm nicht nur auf das Dreifache geschwollen ist, sondern zudem noch vom Handgelenk bis zum Ellbogen auf den sichtbaren Knochen heruntergefault ist. Ins Krankenhaus lässt er sich nicht bringen, da sei er gerade abgehauen. Die Schmerzen hat er sich mit Heroin weggeballert. Ich kann ihn überreden, sich vom Arzt in der Lehrter Straße untersuchen zu lassen, als Gegenzug bekommt er dort Essen und einen Schlafplatz. Dass es mit ihm in diesem Zustand nicht mehr lange weitergeht, realisiert er nicht.

 

Coldplay – Fix You

Über dieses Lied hatte ich mal eine ganze Andacht gehalten. Inspiration dafür war folgende unspektakuläre, aber für mich denkwürdige Situation: Ich bin auf dem Weg in die NÜ3 in der Frankfurter Allee. Müde und ausgelaugt legt er sich direkt auf der Rückbank schlafen. Ich mache leise dieses Lied an und habe das Gefühl, Coldplay singt nur über ihn.

When you try your best but you don't succeed
When you get what you want but not what you need
When you feel so tired but you can't sleep
Stuck in reverse

And the tears come streaming down your face
When you lose something you can't replace
When you love someone but it goes to waste
Could it be worse?

Lights will guide you home
And ignite your bones
And I will try to fix you

Samuel Harfst – Amazing Grace

„Amazing Grace, beautiful, beautiful to me
Amazing Grace, beautiful to me“
Die Zeit in der Kältehilfe war die schönste Zeit meines Lebens und ich habe immer wieder erfahren dürfen, wie Gott den Kältebus und mich versorgt hat. - Sei es eine riesige anonyme Spende an Isomatten, pünktlich an dem Abend, als wir die letzte rausgegeben hatten. - Oder als ich mit Denis unterwegs war, und wir beide im Tunnelblick die rote Ampel übersahen und mit 80 über eine mehrspurige Kreuzung rasten, die in diesem Moment wie leergefegt war. - Eine Eingebung im Kopf sagte mir, Joe sei am Hauptbahnhof und bräuchte Hilfe. Ohne dass es dort einen Anruf oder einen Hinweis gegeben hätte lag Joe dort auf dem Boden und konnte sich nicht mehr bewegen. Eine Gemeinde in Westend - die letzte Einrichtung, in die er noch reindurfte - hatte noch exakt einen einzigen Platz frei.

 

Xavier Naidoo – Bitte hör nicht auf zu träumen

„Bitte hör nicht auf zu träumen / Von einer besseren Welt Fangen wir an aufzuräumen / Bau sie auf, wie sie dir gefällt“ Für was mache ich das eigentlich? Habe ich diesen Winter die Welt ein Stückchen besser gemacht? Habt ihr diesen Winter die Welt ein Stückchen besser gemacht?

 

Tobias Hanßmann
Teamleitung Kältebus