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10. Januar 2018

Schöne Momente in der NÜ3

Mittwoch ist für mich NÜ-Tag und in irgendeiner Weise auch ein kleines Highlight im Alltag. Nicht weil die Notübernachtung so ein schöner Ort ist, sondern weil man im Voraus nie weiß, was am Abend passiert, aber ich trotzdem immer mit einem guten Gefühl nach Hause gehe.

Eingangsbereich der Notübernachtung 3

Heute Abend war ein entspannter Abend. Wir waren durch viele Ehrenamtliche gut besetzt, deshalb habe ich mir den Posten an der Türe mit Liesel geteilt. Ich mag die Arbeit an der Türe besonders, weil es der erste Platz in der NÜ für unsere Gäste ist, an dem sie sich für einen längeren Moment aufhalten und man somit der erste Gesprächspartner für den Abend ist. Kurze Gespräche darüber mit den Gästen, wie der Tag war und wie es ihnen geht, gehören immer mit zur Arbeit. Ganz stolz erzählt mir ein Stammgast, der alle immer mit "Princessa" begrüßt, dass er ab nächster Woche einen Wohnheimplatz hat.

Zwei befreundete, schon angetrunkene Berliner berichten mit guter Laune, dass sie heute ein Kuscheltier gefunden haben, dass sie mir natürlich gleich zeigen. Da wir uns die Position geteilt haben, hat Liesel (eine andere FSJlerin bei der Berliner Stadtmission) das Gepäck und die Jacken im Gepäckraum verstaut und ich habe das Gepäck zuvor kontrolliert und die Gäste abgetastet. Meine Aufgabe war jedes einzelne Portemonnaiefach, jede Zigarettenschachtel, jedes Dokument und alle anderen Orte zu durchsuchen, an denen man Drogen, Alkohol oder gefährliche Gegenstände verstecken kann und dann mit in die NÜ mit hinein schmuggeln könnte. All die aufgezählten Dinge sind nämlich verboten, da die Notübernachtung ein Rückzugs- und Schutzort für unsere Gäste sein soll.

Sofaecke in der Notübernachtung 3

Wenn die Gäste ankommen, ist die Begrüßung ganz unterschiedlich. Der eine bekommt gerade so ein mürrisches Hallo über Lippen, ein anderer begrüßt einen überschwänglich mit Handkuss. Wenn es um die Taschenkontrolle und das Abtasten geht, sehen die Reaktionen auch ganz verschieden aus. Einer möchte nicht verstehen warum er die Wodkaflasche nicht mit hinein nehmen darf, ein anderer fragt, ob er mich denn dann auch abtasten darf, wenn ich ihn abtaste. Man muss sich für jeden einzelnen Gast Zeit nehmen, denn bis er alle Hosen- und Jackentaschen entleert hat, können schon einmal einige Minuten vergehen. Verrückt, was da oft zum Vorschein kommt.

Auch bei einem russischen Gast wusste ich schon, als er zur Tür herein kam, dass es bei ihm ein paar Minuten länger dauern würde. Er hatte eine Hose mit gefühlt 1000 Taschen und drei Jacken übereinander an, die er natürlich alle mit in die NÜ nehmen wollte. Und das Prinzip lautet: Alles was ein Gast mit hinein nehmen möchte, muss durchsucht werden. Als er anfing jede Tasche zu leeren, zeigte er mir jede Centmünze (von denen er reichlich besaß) mit großem Stolz. Irgendwie schön, dass man sich auch über so wenig freuen kann.

Der Abend verging ohne große Vorkommnisse, und als wir mit unserer Arbeit fertig waren, waren alle Gäste bis auf vier Stück schon im Bett - scheint ein anstrengender Tag für alle gewesen zu sein.

Alina Reger
(FSJlerin bei der Berliner Stadtmission)