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8. März 2018

Blitzlichter aus einer Nacht mit dem Kältebus

Kältebus-Namensschild von Matze

Ich darf in dieser Dienstagnacht mit Matze und Kamil, dem zweiköpfigen Team im Kältebus 1, mitfahren.

Für sechs Stunden fahren wir quer durch Berlin, manchmal nach Gefühl, meist aber auf Anrufe hin von aufmerksamen Bürgern. Kamil kümmert sich um die Anrufe, Matze fährt und wir alle halten Ausschau. Von mehr als 20 Anrufen können wir nur wenige Personen anfahren, dafür reicht die Zeit einfach nicht aus oder die Wege sind zu weit. Einen Mann holen wir von der Unfallstation ab und fahren ihn zur Notübernachtung 1 in der Lehrter Straße.

Kältebus

Immer wieder muss Kamil den Anrufenden erklären, dass der Kältebus eigentlich nicht als Transport-Unternehmen gedacht ist und dass bei vielen Anrufen Prioritäten gesetzt werden müssen. Der Kältebus ist für Menschen da, die es selber nicht in eine Notübernachtung schaffen. Er ersetzt keine Krankentransporte oder Rettungswagen.

Wir steigen aus dem Kältebus und suchen erst mal eine komplette U-Bahn-Station ab, um einen Hinweis nachzugehen. Ein anderes Mal den Humboldthain. Oder den Parkplatz um ein Schwimmbad. In dieser Nacht haben wir sechs Kontakte, bzw. Personen, die wir mit dem Kältebus ins Warme fahren.

Nicht jeder möchte mit in eine Notübernachtung

Kältebus 1

Einen anderen Mann auf der Bank einer Haltestelle schüttelt Matze wach und mir gelingt es, ihn vom Mitfahren zu überzeugen.

Eine junge Frau, die sehr verwirrt ist über ihre Reise, holen wir vom Bahnhof Zoo ab. An einer Sparkasse hat ein Passant mit einem wenig mobilen Mann gewartet. Wir fahren ihn zur Unterkunft in Tempelhof, weil das die nächstgelegene Notunterkunft ist.

An einem Platz finden wir neben einem Treppenabsatz auf zwei dünnen Isomatten eine Frau. Sie ist misstrauisch über das Angebot des Mitfahrens, von dem Kamil erzählt. Es ist ihr erster Kontakt zum Kältebus der Berliner Stadtmission. Sie lehnt es ab, mitzufahren. Matze fragt noch nach, ob es okay ist, wenn mal wieder jemand von der Stadtmission bei ihr vorbei schaut. Er fährt noch mal in ihrer Nähe vorbei, damit sie den Kältebus sehen kann.

Wir fahren auch einmal durch den Humboldthain und suchen mit den Scheinwerfern nach einem Mann. Diesen finden wir auch, einsam im Park, er will allerdings hier schlafen und nicht ins Warme. Bei der obligatorischen Frage, ob er einen Schlafplatz hat, sagt er ja. Allerdings meint er damit seinen Schlafplatz im Park.

Viele lehnen es ab, ihren Schlafplatz zu verlassen und mit dem Kältebus in eine warme Unterkunft zu fahren. An manchen Leuten fahren wir einfach vorüber, Kamil und Matze kennen sie schon seit Jahren und wissen, dass diese kein Interesse an dem Angebot haben. Auch wenn es nur sechs Kontakte sind, ist jeder einzelne Kontakt wichtig und die Verbindung, die wir zu ihm herstellen. Es geht darum, Menschen zu begegnen und ein erster Anlaufpunkt zu sein, durch direkten Kontakt zu einer Organisation, die ein ganzes Hilfenetz anbietet. Dann ist der Kältebus auch für die Menschen wichtig, die z.B. eine Gehbehinderung haben. Du triffst sie in ihrem Leben, in ihrer Umgebung und bist quasi „Ihr Gast“. Das schafft die Möglichkeit der Gespräche auf Augenhöhe und schenkt Vertrauen.

Elisabeth Hannapp
(FSJlerin der Berliner Stadtmission)

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