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14. Februar 2019

Begegnungssalat

Manchmal erinnert mich die Notübernachtung an einen Salat. Das mag im ersten Moment komisch klingen. Ist es auch. Man begegnet den unterschiedlichsten Menschen in den unterschiedlichsten Situationen. Halt ein großer Salat aus Begegnungen zu später Stunde. Daher habe ich liebevoll ein paar meiner hängengebliebenen Salatgeschichten für Euch zusammengefasst.

Salat 1:
Das dreckige, laute Berlin, welches ich liebe, malt durch Emotionen jeden Tag neu für mich. Für mich ist es normal jemanden anzulächeln, während er mit einem dicken Joint an mir vorbeiläuft, weiße Pulver Päckchen zu ignorieren und mit Betrunkenen zu lachen, tanzen und über tiefgründige Themen zu reden. Neulich setzte sich ein angetrunkener Mann neben mich in der Notübernachtung, was keine Seltenheit ist. Gegen Mitternacht fragte er mich, welches Buch ich denn eigentlich da lese. Ich entgegnete „Die Hütte“. Er verzog sein Gesicht und sagte er habe früher sehr viele Bücher besessen, fast eine ganze Bücherei!! Nun hat er aber alles verloren. Als ich den Untertitel meines Buches sagte „Ein Wochenende mit Gott“ vernahm ich ein Schimmern von Salzwasser in seinen Augen, das drohte sich zu einer Träne zu formen. Er habe Gott tief im Herzen aber die Kirche sei nichts für ihn, sagte er in gebrochenem Polen-Deutsch, klopfte sich auf seine linke Brust und lächelte mich an. Ich entgegnete, dass das gut sei und drückte aus, dass es mir zur Hälfte genauso geht. Stolz zeigte er mir seine Kreuz Kette – leeres Kreuz natürlich- und verwies mich daraufhin, dass ich meine auch tragen sollte. Er freute sich sichtlich einen anderen Christen getroffen zu haben und wünscht mir eine gute Fahrt nach Hause. Ich entgegnete „dir auch“, verschluckte mich im gleichen Moment und korrigierte mich sofort: „..also, also zu deinem Zimmer“. Darauf er: „Nun, das ist wohl mein Zuhause.“

Salat 2:
Mein vorheriger Besucher am Tisch, der oft betont, dass man ihn auch als „Unioner Matze“ kennt, sah ich nicht mehr. Nachdem wir (Eine Ehrenamtliche, ich, er und seine Fahne) Galgenmännchen gespielt hatten war er irgendwann ins Bett gegangen. Sein letztes Wort zum Buchstabieren war „Fransi“ gewesen. Er wollte eigentlich „Franzi“ schreiben, aber in seinem Zustand war ihm das wohl nicht zu verübeln. Als die Ehrenamtliche fragte wer diese Franzi sei, rollte er seine Augen, kniff seine Lippen zusammen, hauchte gefühlt 1 Promille auf einmal aus, hob seine Hand und zeigte gen Himmel. Daraufhin küsste er seine Faust und ihm rollten 2 Tränen runter. Wer auch immer sie war, sein Alkoholrausch ließ sie nach 2 Minuten wieder sanft aus seinen Gedanken verschwinden und er grölte fröhlich weiter durch unsere 120 Mann Traglufthalle.

Illustrator zeichnet die Menschen in der Notunterkunft

Salat 3:
Vor Kurzem hatten wir einen netten Illustrator bei uns in der Frankfurter Allee. Wir alle dachten zu erst, er wäre ein Helfer, fragten uns aber gleichzeitig, warum er denn zum Helfen eine große Mappe dabei hatte. In einer gewissen Art und Weise war er an diesem Abend auch ein Helfer. Ein ganz Besonderer sogar. Er half auf seine Weise, durch die Kunst, zur großen Freude unserer Gäste. Ich hatte den ganzen Abend die Szene aus Titanic im Kopf, in der Rose ihren berüchtigten Satz zu Jack sagt "Draw me like one of your French girls". Die Gäste durften sich nämlich zeichnen lassen und sogar Präferenzen abgeben auf welche Art und Weise. Die Freude in den Augen eines Hoffnungslosen sind unerwarteter Balsam für die Seele.

Illustrator: Sebastian Lörscher

Salat 4:
Wer liebt Waffeln? Richtig, jeder. Eines Freitag abends nahm ich meine Jugend aus der Stadtmission Gemeinde Tegel mit in die Frankfurter Allee. Wir brachten 10kg Teig mit und versorgten unsere hungrigen Gäste. Unser aller liebster Stammgast bestellte sieben Waffeln. Sechs von ihnen nutze er als Kopfkissen für ein Nickerchen. Am Schluss wurden wir fast unseren gesamten Teig los und sahen zu wie ein arabischer Gast, mit eigens mitgebrachtem Gemüse und Fladenbrot ein arabisches Gericht zubereitete. Er lud alle ein und bot unserem Stand Konkurrenz. Aber wer hat schon bitte nicht gerne Konkurrenz, die aus einem Armen besteht, der sein Hab und Gut teilt. Ein Mensch, der nichts besitzt und trotzdem teilt, mit einem Lachen im Gesicht ist reicher als so manch anderer.

Ich hoffe, Euch hat das Salat Buffet zugesagt. Wenn Ihr es selber live erleben wollt, meldet Euch bei der Stadtmission. Wir freuen uns immer über Helfer! :) 

Mareike Müller, FSJlerin