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22. Januar 2019

Ein überraschendes Ende

Um so viel wie möglich in meinem Freiwilligen sozialen Jahr bei der Stadtmission mitzunehmen, entschied ich mich nach knapp zwei Monaten in der NÜ1 noch eine weitere Notübernachtung kennenzulernen, nämlich die Notübernachtung am Containerbahnhof. Und so hatte ich am 23. Januar meine letzte Schicht in der NÜ1, die anders endete, als ich erwartet hätte.

Mein Wunsch war es schon seit Längerem in der Registrierung am Eingang eingesetzt zu werden. Bei der abendlichen Einteilung der Positionen wurde mir allerdings die Kleiderkammer als mein Reich für den Abend zugewiesen. „Wie langweilig …“, dachte ich.

In der NÜ- Lehrter Straße gibt es eine Notfallkleiderkammer für Menschen, die beispielsweise mit Läusen, Kleiderläusen, Krätze oder einfach mit wenig, kaputter oder zu kalter Kleidung zu uns kommen.
Die Position in der Kleiderkammer ist nicht immer einfach. Eine Problematik ist es, Gästen die Kleidungsausgabe zu verweigern, wenn sie noch gute Kleidung oder Schuhe haben und es sich nicht um einen Notfall handelt. Wir weißen die Gäste dann immer auf unsere große Kleiderkammer auf dem Gelände hin, aber nicht jeder kann nachvollziehen, warum er oder sie für diesen Abend auf ein neues Kleidungsstück verzichten muss. Hin und wieder musste ich mir auch Beleidigungen auf fremden Sprachen für meine Entscheidungen anhören, die ich aber nicht verstand. Wahrscheinlich war es besser so …

Der erste inkontinente Gast kam, der zudem noch Läuse hatte. Ich suchte ihm neue Kleidung raus und ein anderer Mitarbeiter behandelte die Läuse. Der Abend bestand, abgesehen von der Kleiderausgabe, noch aus der Sortierung der Socken. In unseren Kisten muss manchmal gewühlt werden und deshalb ist selbst so eine Aufgabe, die passenden Sockenpaare wieder zusammenzuführen, wichtig für die Arbeit in der NÜ.
Kurz vor halb 12 kam eine Mitarbeiterin aus dem medizinischen Team aus dem Arztzimmer, welches direkt neben der Kleiderkammer ist und teilte der Abendleitung mit, dass sie eine Frau braucht, die ihre Patientin nach oben ins Frauenschlafhaus zum Duschen bringt und danach den ganzen Körper mit „INFECTOSCAB 5% Creme“ eincremt, da die Patientin Krätze hat und der ganze Körper mit den sogenannten Krätzmilben Befallen ist. (Die Haut entzündet sich und es entsteht ein starker Juckreiz.)

Da die Abendleitung noch mit dem Läusepatienten beschäftigt war, der seine Schuhe und Jacke erst nicht einsprühen lassen wollte, sich über das Shampoo hat in seinen Augen beschwert und generell sehr viel zu meckern gefunden hat, wurde ich gebeten, diese Aufgabe zu übernehmen.
Ich war erst mal ein bisschen überfordert, weil ich mir das so gar nicht vorstellen konnte. Mir wurde erklärt, wie ich sie eincremen sollte, da die Dame schon älter war und ihre rechte Hand nicht wirklich bewegen konnte. Sie brauchte Unterstützung und die sollte ich sein.
Außerdem hatte sie eine größere Wunde am Knie, die das Treppen steigen in den 3. Stock erschwerte. So lief ich mit ihr Stufe für Stufe langsam hoch bis in den Frauenschlafsaal. Ich holte Ihr Handtücher und Duschgel, sie konnte alleine duschen und ich räumte solange ihre alten Klamotten in den Müllsack und suchte ihr neue Kleidung aus.

Nachdem sie fertig war, half ich ihr beim Abtrocknen. Danach cremte ich sie vom Hals bis zu den Füßen ein. Ich dachte gar nicht wirklich drüber nach, ich sah nur die Frau, die mich mit dankbaren Augen ansah und mich fragte, ob das auf ihren Körper je wieder weggehen würde. Danach zog ich ihr die frischen Klamotten an, was sie sichtlich genoss. Wahrscheinlich hatte sie ihre Alten schon länger an. Nachdem ich sie wieder ins Arztzimmer gebracht habe, damit ihre Wunde am Knie versorgt werden konnte, war meine Schicht, die um 00:30 endet, vorbei.

Ich ging nach Hause und dachte nur, dass es wirklich einen Grund hatte, warum ich nicht bei der Registrierung eingesetzt wurde.

Janina Schneider, FSJlerin