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"Badelatschen" - Januar 2021

Blick auf den Kältebus

Es ist einer dieser sehr kalten Tage Anfang Januar, irgendwas um die - 10 Grad. Felix und ich hatten bisher eine entspannte Fahrt im KB4. Wir haben hauptsächlich Menschen besucht, die wir schon kennen und die der Situation entsprechend auch relativ gut versorgt sind und nicht mitkommen wollen. In Absprache mit dem KB1 beschließen wir noch einen Ort anzu-fahren und dann Feierabend zu machen. Also wir dort fertig sind, kommt noch ein Auftrag in der Nähe rein: Mann in der U-Bahn Hermannplatz, der mitkommen möchte. Wir nehmen den Auftrag, sind in 5 Minuten dort und parken. Wir steigen aus und sehen beide auf eine Frau, ca 150 Meter entfernt, die in unsere Richtung läuft. Wir werden nur aufmerksam, weil sie etwas leise ruft, was wie Hilfe klingt, aber auch gar nicht gezielt an uns gerichtet ist. Wir wollen kurz warten. Als sie näherkommt, sehen wir, dass sie nur eine Feinstrumpfhose, eine Jacke drüber und Badelatschen trägt.

Sie ist noch relativ jung, vielleicht Mitte zwanzig, voll drauf. Ihre Beine haben den Durchmes-ser meiner Arme. Sie zittert stark, was bei den Temperaturen auch nicht verwunderlich ist. Als sie bei uns ankommt, fragen wir, ob alles ok ist, ob sie einen Tee haben möchte oder viel-leicht in eine Unterkunft mitkommen will. Sie sagt zitternd ja; steigt sofort ein. Im Nachhinein bin ich mir nicht sicher, ob es bei ihr ganz ankam, wer wir sind; ich kann mir vorstellen, dass sie nicht nur bei uns eingestiegen wäre. Im Auto drehen wir erstmal die Heizung auf und tele-fonieren rum für einen Platz für sie. Ich frage sie, wo sie die letzten Nächte gepennt hat. Sie sagt, sie war immer unterwegs oder in der U-Bahn. Auf meine Nachfrage, sagt sie, dass sie auch noch nie in einer Notübernachtung war. Die Fraueneinrichtung in der Großbeerenstra-ße hat noch einen Platz für sie, wo wir sie dann auch hinbringen.

Dieser Auftrag war wichtig, obwohl es ja gar kein Auftrag war. Für uns beide war es der wich-tigste und sinnvollste Kontakt in dieser Nacht. Felix und ich sprechen darüber, war es Zufall, Schicksal, Glück oder vielleicht doch irgendeine übermenschliche Kraft, die man auch Gott nennen könnte. Wir wissen es beide nicht so recht.

Ich denke am nächsten Tag noch an diese Frau und an die vielen Anrufe die wir in diesen sehr kalten Tagen bekommen. Wer ruft für wen bei uns an. Meistens werden Menschen "ge-meldet", die in ihrem Schlafsack auf ihrer Matratze liegen und für den Normalo so in die Ka-tegorie Obdachlos gesteckt werden. Und deshalb brauchen sie in der Auffassung der Anru-fer*innen automatisch auch Hilfe. Aber was ist mit dieser jungen Frau, die bei - 10 Grad in Badelatschen seit Tagen durch Berlin läuft. Hat sie mal jemand gefragt, ob alles ok ist, ob Mensch ihr irgendwie weiterhelfen kann?

Lasst uns im Kältebus mit offenen Augen durch die Stadt fahren. Ich weiß, viele von uns ma-chen das schon, aber ich glaube gerade in diesen kalten Nächten, wenn es auch mal stressig werden kann, müssen wir uns immer wieder da dran erinnern.

 

Alina lenkt ehrenamtlich den Kältebus der Berliner Stadtmission