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"Wärme in der NÜ1" - 18.01.2021

Gäste der Notübernachtung warten mit Abstand auf den Einlass

Montagabend, kurz vor halb Acht. Wie jede Woche um diese Zeit schließe ich mein Fahrrad an, setze meine FFP2-Maske auf und gehe vorbei an der Schlange, die sich inzwischen vor dem Eingang gebildet hat hinein in die „NÜ1“, wie die Notübernachtung für Obdachlose in der Lehrter Straße intern bezeichnet wird. 

Viel Zeit, meine Jacke in den Mitarbeiterraum zu bringen bleibt mir nicht, denn pünktlich um halb 8 treffen wir uns zur Schichtbesprechung. Wir – das sind eine Handvoll ehrenamtlicher Helfer*innen und zwei Schichtleitungen, die den Überblick über den Abend haben und wissen, was es heute zu tun gibt. Heute ist es draußen nicht nur kalt, sondern auch nass und wir wollen unsere Gäste nicht länger im Regen stehen lassen. Also verteilen wir schnell die Aufgaben. Ich darf heute im Aufenthaltsraum die Stellung halten. Das heißt: Schauen, dass alles seine Ordnung hat. Dieses Jahr vor allem, dass alle Gäste die AHA-Regeln einhalten. Aber auch: Freundlich sein, schauen, dass es allen gut geht und bei Gelegenheit das ein oder andere Gespräch führen.

Immerhin zehn Minuten früher als gewohnt können wir heute anfangen. Trotzdem dauert es, bis die Notübernachtung sich füllt, denn alle Gäste müssen sich heute wieder eine COVID- Schnelltestung unterziehen. Hinein darf nur, wer ein negatives Testergebnis bekommt. Das dauert nicht nur lang, es ist vor allem ganz schön unangenehm, wenn man den ganzen Tag schon in der nassen Kälte verbracht hat. Deshalb liegen die Nerven bei einigen Gästen blank. Darauf versuchen wir so gut es geht, mit Nachsicht zu reagieren und dafür zu sorgen, dass es trotzdem nicht zum Streit kommt.

Schild über dem Eingang der Notübernachtung

Nach einer gewissen Zeit - gut 35 Gäste sind inzwischen mit Linseneintopf aus unserer Küche versorgt – bringen wir die ersten Gäste ins Schlafhaus, welches im Keller des Jugendgäste-hauses beheimatet ist. Denn wichtig ist dies Jahr außerdem, dass nicht zu viele Gäste gleichzeitig in den Räumlichkeiten sind. Die Pandemie-Auflagen sind hier sehr klar. Und auch wenn es schmerzt, dass wir dieses Jahr nur etwas mehr als halb so vielen Menschen wie früher eine warme Nacht ermöglichen können, nehmen wir die Auflagen sehr ernst. Dann das Letzte, was Menschen auf der Straße in diesem Winter gebrauchen können, ist eine Infektion mit dem Coronavirus.

Mit der Zeit verschwindet die Schlange am Eingang. Alle Gäste konnten aufgenommen werden, die meisten konnten sich bereits stärken und viele haben sich bereits schlafen gelegt, entweder im Schlafhaus oder im Aufenthaltsraum. Dort haben wir das Licht inzwischen gedimmt, sodass man gut schlafen kann. Zwei Gäste mögen scheinbar die Musik, 80er Hits, die noch aus unserem Lautsprecher hinter der Theke erschallen. Sie fangen an zu tanzen. Spontan tanze ich ein bisschen mit. Die unbeschwerten Momente sind so wichtig an diesem Ort - besonders in dieser Saison.

Dann ist es Mitternacht und meine Schicht endet. Während ich auf dem Fahrrad nach Hause fahre, denke ich an die schlafenden Gäste, freue mich, dass wir ihnen immerhin mit dem nötigsten aushelfen konnten und realisiere wieder einmal, welch riesengroßer Segen es ist, auf dem Weg zu einem Zuhause sein zu können.

Tobias absolviert seit September ein FSJ bei der Berliner Stadtmission