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Warmer Otto

Besucher über uns

Besucher berichten wie ihnen der Warme Otto geholfen hat

Ralf

Als ich vor Jahren Arbeit und Dienstwohnung verlor, landete ich auf der Straße. Wie viele Wohnungslose war ich froh, dass es Einrichtungen wie den "Warmen Otto" gibt. Zunächst holte ich mir dort nur Essen und gelegentlich auch Kleidung. Den dort beschäftigten Sozialarbeitern verdanke ich es, dass sie mich nicht aufgeben ließen, sondern mich dazu ermutigten, wieder von der Straße wegzukommen. Durch zunächst ehrenamtliche und später bezahlte Tätigkeit in der Küche der Einrichtung kam ich wieder ins Arbeitsleben zurück, was mir dann auch bei der Suche nach einer Wohnung hilfreich war. Inzwischen bin ich wieder seit mehr als 10 Jahren weg von der Straße.
Ralf

Ernst

Mein Name ist Ernst, 53 Jahre alt. Ich verkehre im "Warmen Otto" und in dieser Zeit wurde der "Warme Otto" zu meinem zweiten zuhause. Durch die gute Arbeit der Sozialarbeiter ist diese Atmosphäre vorhanden. Ich hoffe nur, dass dieses auch weiterhin möglich ist.
Ernst

Oskar

Am Ende meiner früheren Existenz arbeitete ich als freiberuflicher Programmierer bei einem Finanzdienstleister. Ich mochte weder diese Tätigkeit noch meine Kollegen und zunehmend auch immer weniger mich selbst. Es war mir mittlerweile auch gleichgültig geworden, warum das alles so war und wer daran die Schuld trug und überhaupt. In meinem Kopf knirschte immer öfter nur noch ein: Ich will hier raus! Eines Montag morgens konnte mich der Gedanke an das viele schöne Geld, das ich erhielt, nicht mehr bewegen, meine Wohnung zu verlassen. Da unverheiratet und kinderlos, hinderten mich keine Skrupel, von einem Tag zum nächsten auszusteigen, aus Job, Beruf und bisheriger Existenz.

Eine ganze Weile lebte ich von Erspartem. Als mir das Geld ausging, verlor ich widerstandslos und folgerichtig die Wohnung.

Weil meine Obdachlosigkeit selbstverschuldet war, ersparte ich mir den Gang zum Sozialamt. Die Tage verbrachte ich mit der Suche nach weggeworfenen Pfandflaschen (Passanten um Geld anzugehen war ich einfach zu verklemmt) und die Nächte an versteckten und ruhigen Stellen im Tiergarten. Und in meiner Brust trieb die Selbstachtung endlich mal wieder kleine Blüten. Wie ich das doch alles schaffte! Früher war mir Obdachlosigkeit immer unfassbar erschienen. Das konnte doch nicht sein, ohne ein Dach über dem Kopf leben zu müssen! Das geht doch nicht! - Geht aber doch, ich komme damit klar, ganz alleine, ich schaffe das, das soll mir erst mal einer nachmachen. Vermutlich hatte ich inzwischen einen neuen Berliner Landesrekord in Sachen Armut aufgestellt und trotzdem ließ ich mich nicht unter kriegen.

Diese Überlegungen erfüllten mich mit einem waghalsigen Stolz, vergleichbar einem überblähten Rettungsring, der einen Nichtschwimmer vor dem Ertrinken bewahren soll.

Dann wurde es November, die Tage kürzer, die Nächte immer kälter und die gefundenen Pfandflaschen stetig weniger. "Das ist ja alles Deine eigene Sache - Schön doof aber auch - Warum hast Du das auch alles so gemacht - Das hast Du jetzt davon. Ist alles Deine Schuld" klugscheisserte es in fremden Stimmen in meinem Kopf. "Ja, ist alles meine Schuld, na und? Ist mir doch egal! Habe trotzdem Hunger und frieren tu ich auch" patzte ich mit ausgestreckter Zunge zurück.

So fand ich zum Warmen Otto, es war die dem Tiergarten nächstgelegene Wohnungslosentagesstätte. Stellte mir einen Raum vor, an dem ich mich ausruhen und aufwärmen konnte. Trat ein, sah die Getränkethermen und suchte vergeblich nach Preisschildern. Die waren nicht nötig, weil der angebotene Tee und Kaffe umsonst ausgeschenkt wurden. Damit nicht genug, wurde sogar noch eine ebenfalls kostenlose warme Mahlzeit ausgeteilt. Ich fand das alles sehr erstaunlich. Eine der Sozialarbeiterinnen verwickelte mich dann in einer sehr freundlichen, unaufdringlichen und raffinierten Weise in ein Gespräch, in dessen Verlauf ich das allermeiste über mich ausplauderte, ohne so recht zu begreifen, warum ich das eigentlich tat. Sie schien auch nicht alles zu begreifen, wenigstens nicht auf Anhieb, ließ sich aber nicht beirren, sondern erläuterte mir die diversen Angebote des Warmen Otto für Obdachlose. Zum Schluss gab sie mir noch, ganz sachlich und in der Beiläufigkeit einer Zeitauskunft, die Telefonnummer eines psychologischen Krisendienstes ("Nur so, für alle Fälle, falls Sie den mal brauchen sollten, rein theoretisch, ist 24 Stunden am Tag erreichbar!"). Ich tat es ihr gleich, ließ mich ebenfalls nicht beirren, verzieh ihr diesen überflüssigen Tipp und fand sie weiterhin total sympathisch. Und damit begann dann (ganz allmählich) mein unaufhaltsamer Wiederein- und aufstieg. Erst einmal durfte ich mir in der Kleiderkammer Wäsche aussuchen, erhielt dann ein Schließfach, in das ich diese Wäsche deponieren konnte. Das war sehr wichtig, weil ich bis dahin meine verbliebene Habe entweder mit mir herumschleppen oder unter hohem Risiko irgendwo verstecken musste. Danach wurden mir (mit meiner Einwilligung) von einer anderen Sozialarbeiterin erst einmal die Haare geschnitten. Konnte auch endlich mal wieder warm duschen. Ich schlief zwar weiterhin im Tiergarten, den ganzen und auch noch den darauf folgenden Winter hindurch, der winterfeste Schlafsack, den ich in der Kleiderkammer ergattert hatte, machte es möglich, konnte mich aber dank der Angebote des Warmen Otto so weit pflegen, dass meine wahren Lebensumstände Außenstehenden verborgen blieben. Ich wurde z. B. wieder ganz so wie früher und wie andere Fahrgäste auch in U- und S-Bahnen von Straßenzeitungsverkäufern gebeten, doch bitte ein Exemplar zu erwerben. Wenn ich dann erklärte, dass ich leider keine Zeitung kaufen könne, da ich selber obdachlos sei, erntete ich meist unschlüssige Blicke. Einmal schaute mich ein Verkäufer ganz böse von oben bis unten an und meinte dann: "Sie halten sich wohl für sehr witzig."

Ich verlagerte dann meine Erwerbstätigkeit von der Pfandflaschensammlerei mehr hin zum ehrenamtlichen Helfen in der Küche oder beim Trödel des Warmen Otto (für fünf Stunden Arbeit in der Küche gab es da früher 5 harte Deutsche Mark, ist inzwischen sogar auf 3 Euro erhöht worden, nicht pro Stunde, sondern insgesamt pro Schicht, wohlgemerkt, hat mir aber trotzdem Spaß gemacht und beim Trödel gab es sogar noch mehr Geld). Außerdem konnte ich mir immer mal wieder etwas Geld durch diverse und deutlich besser bezahlte Hilfstätigkeiten bei der Kirchengemeinde verdienen. Eine der Sozialarbeiterinnen, die sich trotz abgeschlossenem Hochschulstudium und Anstellung als Diplomsozialpädagogin nebenher noch etwas Geld als Putzfrau verdienen musste, nahm mich gelegentlich zu Ihren Arbeitsstellen mit und teilte anschließend geschwisterlich die Einnahmen mit mir. Das machte dann nicht nur Spaß, sondern lohnte sich direkt. Weiterhin stieg ich beim Blutspendedienst der Charité vom einfachen Blutspender zum Blutplasmaspender auf und wurde gelegentlich sogar für Thrombozyten angeheuert, dafür gab es dann satte 55 Euros. So verdiente ich im Laufe der Zeit immer mehr Geld.

Als die SozialarbeiterInnen des Warmen Otto dann, nachdem ich Ihnen damit beinahe ein Jahr in den Ohren gelegen hatte, endlich einen neuen Computer für ihre Bürotätigkeiten anschafften, schlug meine Stunde. Denn die SozialarbeiterInnen kamen natürlich mit diesem neuen Betriebssystem erst mal vorne und hinten nicht klar und außerdem wollten sie unbedingt wissen, wie das eigentlich mit dem Internet so ist. Da konnte ich ihnen dann viel zeigen und erklären und ihnen endlich mal die ganze Hilfe heimzahlen, mit der sie mich überschüttet hatten. Außerdem konnte ich mich dann auch mal wieder selber schlau und vertraut machen mit diesen Technologien, einfach dadurch, dass ich sie anderen erklären musste.

Und dann kamen immer häufiger Anfragen auch von anderer Seite wegen irgendwelcher Computerprobleme oder Homepage-Wünschen und da ich zu Freundschaftspreisen arbeite, die selbst die hartgesottene usbekische IT-Experten-Konkurrenz entnervt das Handtuch werfen lässt, kann ich mir inzwischen sogar aus eigener Tasche wieder eine Art von Wohnung leisten (Außentoilette, Ofenheizung, Elektrik ist inzwischen wieder betriebsbereit, schrittweise werde ich renovieren, so wie das Geld reinkommt, das Ganze für 100 Euro monatlich :-).

So, jetzt habe ich schon soviel geschrieben und trotzdem ganz viele wichtige Dinge immer noch nicht erwähnt. Zum Beispiel die Ärztin Frau Dr. Graef, die immer dienstags kommt und bei der ich auch ohne Krankenschein behandelt wurde, was aber zugegeben fast nie nötig war, weil ich wenigstens mit meiner Gesundheit fast immer Glück gehabt habe. Und die Anwältin Frau Annette Hoffmann, die kommt immer freitags und hat schon manches mal einem Besucher des Warmen Otto einen Knastaufenthalt wegen alberner, aber nicht bezahlbarer Geldstrafen erspart (der Steuerzahler könnte sich auch bedanken, denn ein Knasttag schlägt der Öffentlichen Hand so mit circa 100 bis 150 Euro zu Buche). Diese juristische Hilfe wird übrigens auch von vielen Bürgern gerne in Anspruch genommen, die sich sonst wohl nie in den Warmen Otto verlieren würden.

Was mir der Warme Otto sonst noch gebracht hat: die Einsicht, dass ich nicht immer alles alleine machen sollte, dass sich die Menschen helfen müssen, das Kennen lernen einer ganz anderen Welt und Gesellschaft, von Menschen, die in ihrem Leben weniger Glück gehabt haben, als ich. Während ich zugeben muss, meine Obdachlosigkeit selbst mutwillig herbeigeführt zu haben (worüber ich aber im Rückblick nicht traurig bin, weil ich da ohne ja alle diese Erfahrungen nicht hätte sammeln können und vielen Menschen nicht begegnet wäre, die ich liebenswert finde), sieht das bei vielen anderen obdachlosen Menschen dann doch etwas anders aus. Ich kann einem Menschen einen Fehler nur vorwerfen, wenn er die Wahl hatte, auch anders zu entscheiden. Viele haben diese Wahlmöglichkeit aber nicht, sei es wegen Suchtproblemen oder, wie ich finde, besonders bedrückend, geistigen oder seelischen Problemen, Störungen oder Behinderungen. Und die dürfen nicht einfach sich selbst überlassen bleiben, ihnen muss geholfen werden: in dem man ihnen einen Platz zum Leben lässt, ihnen das Gefühl gibt, aufgehoben zu sein, ihnen einen Halt bietet, der z. B. ein erneutes Absinken in die Obdachlosigkeit verhindert. Das und mehr leistet der Warme Otto durch seine SozialarbeiterInnen und, mein voller Ernst, auch durch viele seiner BesucherInnen. Denn mir wurde nicht nur von den SozialarbeiterInnen geholfen, manches mal steckte mir auch eine Sozialhilfe empfangende BesucherIn, die ja selber kaum etwas hat, das eine oder andere zu. Einfach, weil sie von meinen Lebensumständen wusste und glaubte, helfen zu müssen Ohne, dass ich danach gefragt hätte. Das wäre mir bei SozialhilfeempfängerInnen nun wirklich nicht in den Sinn gekommen, das traute ich mich ja nicht einmal bei Normalbürgern.

Das waren für mich einerseits beschämende und andererseits auch wieder wohltuende Erfahrungen. Es gibt Menschen, die helfen einfach. Was haben die eigentlich davon?

Ich wünsche Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr.
Oskar