Was ist deine Passion?
Gedanken zur Passionszeit
„Was ist deine Passion?“ Das ist eine Frage, die ich gerne Menschen stelle, die ich noch nicht so gut kenne. Gemeint ist: Was ist deine Leidenschaft? Wofür brennt dein Herz? Die Antwort sagt häufig unheimlich viel über mein Gegenüber aus. Ich lerne nicht nur Hobbys kennen, sondern bekomme einen Einblick in eine Haltung, die sich durch alle Lebensbereiche zieht.
Der Begriff Passion hat zwei Dimensionen. Er wird vom lateinischen passio abgeleitet, was zunächst „Leiden“ oder „Erdulden“ bedeutet. Im Laufe der Sprachgeschichte verschiebt sich die Bedeutung jedoch: Leidenschaft, Hingabe, brennendes Interesse. Auf der einen Seite erleben wir Begeisterung und Hingabe, auf der anderen Seite Leid und Schmerz. Wie nah diese Extreme beieinander liegen. Das können Sportler bestätigen, die wissen, dass es ohne Schmerz keinen Fortschritt gibt, oder Musiker, die sich erinnern, wie sehr ihre Fingerkuppen schmerzten, als sie das Gitarrespielen lernten.
Wir befinden uns in der Passionszeit – der Zeit, in der wir uns an den Leidensweg Jesu erinnern. Doch Passion ist nicht allein ein Weg des Leidens, sondern auch eine Haltung. In der Verletzlichkeit Jesu dürfen wir erleben, dass ein Gott sich darauf eingelassen hat, unser Leben zu leben. Ein Gott, der leidenschaftlich liebt und bis zum Schluss authentisch bleibt. Jemand, der nicht wegläuft, wenn es schwierig wird.
Wenn wir glauben können, dass sich in der Person Jesu das Wesen Gottes widerspiegelt, dann dürfen wir davon ausgehen, dass uns jemand treu zur Seite steht, wenn wir den Schrecken dieser Welt begegnen. Wenn das Kreuz ein Symbol für Leid und Schmerz ist, dann finden wir diese Anteile auch in unserer Welt und in unserem Leben wieder. Und in all dem stellt sich eine Gotteskraft an unsere Seite, die nicht geht, die bleibt, die tröstet und uns zuruft: „Ich bin da!“
Passion bedeutet für mich, auszuhalten – in der Hoffnung, dass daraus etwas Schöneres und Stärkeres erwächst. Das wünsche ich mir für mein eigenes Leben, und das wünsche ich mir für die Gesellschaft, in der ich lebe. So wie ich daran glaube, dass aus der Leidenszeit Jesu durch das Ostergeschehen neue Hoffnung erwächst, so möchte ich daran glauben und darauf hinarbeiten, dass es auch für diese Welt eine hoffnungsvolle Zukunft gibt.
Es beginnt damit, das Beste in mir zu suchen und es zum Strahlen zu bringen. Dann suche ich das Beste in meinem Kiez und begegne anderen, die ebenfalls auf der Suche sind. Gemeinsam suchen wir dann nach dem Besten unserer Stadt.
Was ist deine Passion? Was ist deine Leidenschaft? Wofür brennt dein Herz?
Euer Daniel Scharf
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