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Advent

Auf Anregung aus dem Mitarbeiterteam möchte ich ein Format, das es früher schon mal bei der Berliner Stadtmission gab, wieder aufleben lassen: Jeweils zu Beginn eines neuen Abschnitts im Kirchenjahr möchte ich Ihnen ein paar Denkanstöße und Hintergründe mitgeben, um Ihre Fachkompetenz zu diesen Themen zu fördern und das Besondere des jeweiligen Zeitabschnitts bewusst zu machen.

I. Advent - Zeit der Erwartung

Ich beginne damit heute, am Tag nach dem 1. Advent, weil mit diesem Sonntag das neue Kirchenjahr angefangen hat. Man könnte sagen: „Bei Christen beginnt die Zukunft früher“. Und das ist in der Tat ein wichtiger Aspekt der Adventszeit: Wer sich auf das, was kommt, ausrichtet, wer wach ist und offen für die Zukunft, verschläft sie nicht, wenn sie kommt. Mit diesem Gedanken hat das alte Kirchenjahr am Ewigkeitssonntag geendet und damit beginnt das neue:

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit: Es kommt der Herr der Herrlichkeit“. So beginnt das erste Lied im Gesangbuch zum Advent. Und der Wochenspruch erinnert an den umjubelten Einzug Jesu nach Jerusalem (kurz vor seinem Tod): „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer“.

Wieso denn Zeit der Erwartung, wenn an uralte Geschichten erinnert wird?

Weil mit diesen Geschichten der Glaube verbunden ist, dass Jesus Christus lebt und wir ihm heute und in Zukunft neu begegnen können. Nicht sichtbar, aber spürbar, mit genau den Eigenschaften und der Haltung, womit er damals den Menschen begegnet ist.

Der zweite Adventssonntag macht bewusst, dass diese Weltzeit begrenzt ist. Und wenn wir uns sorgenvoll fragen, wie das noch alles enden soll, was wir an Kriegs- und Kastastrophennachrichten erfahren, dann ändert der Wochenspruch unsere Blickrichtung und gibt uns Hoffnung: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Ein Satz Jesu an die, die ihm vertrauen. Luk 21,28)

Am dritten Sonntag im Advent steht Johannes der Täufer im Mittelpunkt, der mit der Botschaft aus dem Alten Testament die Menschen seiner Zeit wachgerüttelt und auf das Kommen Jesu vorbereitet hat: „Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig.“ (Jes 40,3.10) Er ist zugleich ein Vorbild für Christen, die heute andere Menschen darauf vorzubereiten versuchen, dass Jesus auch in ihr Leben kommen möchte.

Und am letzten Adventssonntag heißt es: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!“ (Phil 4,4.5b) Und dazu wird der Lobgesang der Maria gebetet und gesungen (das sogenannte Magnifikat), in dem die werdende Mutter Jesu ihre Begeisterung darüber ausgedrückt hat, dass Gott sich auf die Seite der Armen, Schwachen und Benachteiligten stellt und sich ihnen besonders zuwendet.

Advent ist noch nicht Weihachten!

Dieses inhaltliche Programm der Adventssonntage bietet eine echte Alternative zum vorweg-genommenen Weihnachtsfest, durch das die meisten in diesen Wochen stolpern. Denn es orientiert sich nicht an dem gemütlichen und Glühwein-gesättigten oder Weihnachtsfeier-gestressten Weihnachtsrummel. Sondern rückt die Frage in den Vordergrund, worum es wirklich geht, und nennt die Punkte, für die DER steht, der an Weihnachten geboren ist: Gerechtigkeit, Hilfe, Hoffnung, Freude, Gottesnähe. Und das kann den „stillen Stunden“ im Advent einen ganz neuen Sinn geben. Statt besinnlicher Soße: Klärungen, die persönlich wie gesellschaftspolitisch höchst relevant sind.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen spannenden Advent.

Ihr Gerold Vorländer