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Erntedankfest

Erntedankfest – nicht nur für Gartenfreunde!

Reifende Tomaten

In den allermeisten Religionen und Kulturen gibt es solch ein Fest im Jahreskreis, in dem den Göttern dafür gedankt wird, dass wieder einmal die Lebensgrundlage gesichert ist. Dahinter steht das tiefe Bewusstsein der Menschen seit grauer Vorzeit, wie wenig selbstverständlich das ist. Denn immer wieder gab es ja auch die bittere und lebensbedrohliche Erfahrung, dass Ernten eben auch vernichtet wurden durch Trockenheit oder Flut, Sturm oder ins Land einfallende Feinde. In unserem Land, wo man im Prinzip zu jeder Jahreszeit jede Frucht und jedes Gemüse im Supermarkt bekommt (und sei es als Tiefkühlkost), ist diese existenzielle Erfahrung für viele in weite Ferne gerückt. Es sei denn sie sind Gartenfreunde oder stehen auf Biogemüse.

Überhaupt leben wir ja in einer Gesellschaft, die unvergleichliche Sicherheiten bietet; in einem Maß, dass scheinbar alles machbar wird und garantiert werden kann. Es gibt aber Untersuchungen, die zeigen, wie in so abgesicherten Gesellschaften nicht etwa das Glücksgefühl wächst, sondern die Unzufriedenheit.

In der Regel am ersten Sonntag im Oktober (manchmal auch eine Woche früher) wird in den Kirchen das Erntedankfest gefeiert. Besonders in den evangelischen gibt es die Tradition, den Altarraum mit landschaftlichen Produkten reich auszugestalten, auch mit Früchten aus Kleingärten oder Balkonkästen von Gemeindegliedern. Es ergibt sich ein herrlich-buntes und ein wenig romantisierendes Bild. Erst recht mitten in der Großstadt. Aber der Sinn dieses Festes ist unverzichtbar. Gerade in einer nicht mehr agrarischen Gesellschaft mit ihren unzähligen Selbstverständlichkeiten.

Viel Grund für Dankbarkeit

Das Erntedankfest ist eine Bewusstseinsübung, die wesentlichen Einfluss auf unser gesamtes Lebensgefühl hat: Das Bewusstsein dafür, wie Vieles überhaupt nicht sicher ist. Wie zerbrechlich und ausgeliefert unser Leben immer noch ist und weiterhin sein wird. Wie wenig verfügbar gelingendes Leben ist. Wie sehr wir abhängig sind von Umständen, auf die wir keinen Einfluss haben. Das Bewusstsein auch, dass die entscheidenden Dinge des Lebens immer geschenkt sind (auch wenn ich vielleicht meinen Anteil daran habe). Die äußeren Lebensbedingungen wie Essen, Wohnen, aber auch Recht und Sicherheit - und die inneren Schätze wie Familie, Freunde, Liebe, Vertrauen sind nicht einfach auf unserem eigenen Mist gewachsen. Und gerade deshalb gibt es so viel Grund für Dankbarkeit. Dankbarkeit letzten Endes Gott gegenüber, der Quelle des Lebens.

Im Lukasevangelium wird erzählt, wie Jesus 10 Aussätzige heilt. Nach der Prüfung durch die Gesundheitsbehörde kommt aber nur einer zurück, um Jesus „Danke“ zu sagen. Nur zu ihm sagt Jesus: „Dein Glaube hat dir geholfen“. Dietrich Bonhoeffer, der große Evangelische Theologe und Widerstandskämpfer im 3. Reich, hat einmal formuliert: „Dem Dankbaren zeigt Gott den Weg zu seinem Heil.“

Das Erntedankfest war gestern. Aber Dankbarkeit als Lebenshaltung kann jeden Tag bestimmen und verwandeln.

Ihr Gerold Vorländer