Spenden-Button
Button Mission
Button Gästehäuser
Mit Link unterlegter Newsletter-Button

Passionszeit

Passionszeit/Fastenzeit - Vom Verlassen des Komfortbereiches

Metallfigur gekreuzigter Jesus

„Am Aschermittwoch is' alles vorbei", singt man in der Karnevalshochburg Köln. - Was soll denn vorbei sein?, fragt man sich vielleicht in Berlin, wenn man überhaupt mit dem Wort „Aschermittwoch" etwas anfangen kann. In der Nacht auf diesen Mittwoch wird im kölschen Brauchtum „dr Nubbel" verbrannt, eine mit Stroh gefüllte Puppe, die über der Tür vieler Kneipen zu finden ist. In diesem Ritus spiegelt sich ein altes biblisches Symbol wieder: Das Bild vom Sündenbock, auf den das Volk Israel seine Schuld abladen konnte.

Gute Katholiken gehen am Morgen des Aschermittwochs in die Kirche, um Sünden zu bekennen und als Vergebungszeichen ein Kreuz aus Asche auf die Stirn gezeichnet zu bekommen. - Viele der voll-aktiven Karnevalisten aber nehmen erst mal Urlaub und fahren nach „Mallorka". Und oft geht die Party da weiter.

Genau genommen markiert Aschermittwoch das Verlassen der Komfortzone. Während man vorher das Leben intensiv genossen hat, kehrt jetzt Besinnung ein – und Reduktion. „Fastenzeit" ist vielen ein Begriff, auch wenn sie wenig mit dem christlichen Glauben am Hut haben. Die meisten Menschen haben doch irgendwo noch ein Gefühl dafür, dass es uns nicht gut tut, immerzu alles Mögliche in sich rein zu stopfen. Und so überlegen viele in diesen Tagen, worauf sie für eine bestimmte Zeit verzichten sollten. Um – ja wozu eigentlich? Um abzunehmen? Den Alkoholspiegel mal wirklich auf Nullkommanull zu bringen? Macht sicher Sinn, bewegt sich aber viel zu sehr an der Oberfläche.

Erfahrungen außerhalb der Komfortzone

Eigentlich bietet diese Zeit sieben Wochen lang wieder die Gelegenheit, das eigene Leben aufzuräumen, sich selbst kritisch anzuschauen und auszumisten, was sich schon wieder an unguten Gewohnheiten, krankmachenden Verhaltensweisen und schuldhafter Oberflächlichkeit eingeschliffen hat.

Wenn man damit ernsthaft anfängt, ist man schnell raus aus dem Komfortbereich. Und das ist wichtiger, als man oft vermutet: Denn ein Leben nur im Komfortbereich ist vollkommen fruchtlos.

In der Evang. Kirche tragen die nächsten 7 Wochen den Namen „Passionszeit" – Leidenszeit. Nicht nur „7 Wochen ohne", sondern sieben Wochen mit der Frage, was Jesu Weg aus seinem Komfortbereich bei Gott für uns bedeutet.

„Er, der Gott in allem gleich war und auf einer Stufe mit ihm stand, nutzte seine Macht nicht zu seinem eigenen Vorteil aus. Im Gegenteil: Er verzichtete auf alle seine Vorrechte und stellte sich auf dieselbe Stufe wie ein Diener. Er wurde einer von uns – ein Mensch wie andere Menschen. Aber er erniedrigte sich noch mehr: Im Gehorsam gegenüber Gott nahm er sogar den Tod auf sich; er starb am Kreuz wie ein Verbrecher. Deshalb hat Gott ihn auch so unvergleichlich hoch erhöht und hat ihm als Ehrentitel den Namen gegeben, der bedeutender ist als jeder andere Name." Dieses Loblied auf Jesu Komfort-Verlassen zitiert Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Philippi (Kap. 2). Und er empfiehlt uns, diese Haltung Jesu zu übernehmen. Nicht in der Tiefe und Radikalität, das brauchen wir nicht. Aber doch mit der schlichten Frage: Was soll ich loslassen - nicht nur für meine Seelenhygiene, sondern anderen zugute. Und um wieder einen unverstellten Blick auf die Grundlagen des Lebens vor Gott zu bekommen. Denn nur, wenn wir loslassen, kann er uns neu beschenken.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen in den nächsten sieben Wochen gute Erfahrungen außerhalb Ihrer Komfortzone - aber in den Fußspuren Jesu.

Ihr Gerold Vorländer